Fussball-Kolumne : Chaos-Liga, Unter-Haus, Luxus-Streit

In seiner Kolumne schreibt Jürgen Muhl über die Entwicklungen in der Sportwelt.

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11. April 2021, 20:15 Uhr

Die Münchner Gesundheitsbehörden arbeiten offenbar Hand in Hand mit dem FC Bayern. Haben doch die bisherigen Corona-Fälle im Kader des Rekordmeisters zu keinem Spielausfall geführt. Der gesamte Spielbetrieb im Oberhaus des deutschen Fußballs ist bis heute nicht beeinträchtigt worden.

Eine und zwei Klassen tiefer sieht es anders aus. In der zweiten und dritten Liga gerät der Spielplan nach Verboten der Gesundheitsämter vollends durcheinander. So gehört der Quarantäne-Befehl in Kiel schon zum normalen Tagesablauf. Während es in München bei aufkommender Corona-Gefahr heißt, der betroffene Spieler habe keinerlei Kontakt zu seinen Mannschaftskollegen gehabt – nicht einmal beim Training – , wird in Kieler Behördenstuben der Einsperrungs-Bescheid bereits auf den Weg gebracht, wenn das Fieber-Thermometer noch kalte Züge zeigt.

Auge zugedrückt?

Die unterschiedliche Sichtweise der örtlichen Gesundheitsämter wirft Fragen auf. Wird in Liga eins ein Auge zugedrückt, weil die Deutsche Fußball-Liga Druck ausübt, um die Termine einzuhalten? Andernfalls könnte die Vorbereitung auf die Europameisterschaft ins Wanken geraten.

Das Chaos in der zweiten Liga nimmt seinen Lauf. Am stärksten betroffen sind die Kieler Störche, die ihr Nest bis zum 20. April nicht verlassen dürfen. Es ist die zweite Zwangs-Isolation für den Holstein-Kader. Eine Saison-Verlängerung wird es nicht geben. Eher schon die Anweisung, ein Spiel am Vormittag und eines am Nachmittag auszutragen.

Aufstiegsangst beim HSV?

Geht es denn schon wieder los mit der Angst vor dem Aufstieg? Beim HSV ist – wie zumeist um diese Zeit im Frühjahr – die Welt aus den Fugen geraten. So geht es jetzt seit Jahren. Zunächst war man auf Formsuche, um die erste Liga zu halten. Das misslang. Mit der nie gewollten und nicht für möglich gehaltenen längeren Zugehörigkeit in Liga zwei gerät der HSV in den Wochen nach Ostern in Schlingern. Egal, wer als Trainer in diesen Zeiträumen verantwortlich war. Markus Gisdol, Bernd Hollerbach, Christian Titz, Hannes Wolf, Dieter Hecking und jetzt Daniel Thioune. All jene Fußballlehrer, die in der Pleiten-Zeit über die angeblichen Stärken ihrer internationalen Auswahl schwadronieren.

Vor einem Jahr war es Hecking, der stets davon sprach, dass der Kader über die erforderliche Aufstiegsqualität verfüge. Genau so macht es Thioune jetzt auch. Auf dem Spielfeld aber verschwindet diese angebliche Qualität im Untergrund des gepflegten Rasens im Volkspark, der einst für die Liga eins erschaffen worden ist und jetzt im Unterhaus leiden muss.

Streit in München

Streit beim vom Erfolg verwöhnten FC Bayern. Sportvorstand Hasan Salihamidzic, in den 90er Jahren HSV-Profi, hat sich mit Trainer Hansi Flick überworfen. Der Münchner Dauerkonflikt hält an. Worum es genau geht, wissen nur Eingeweihte. So wie Karl-Heinz Rummenigge, der Flick unterstützt, und Uli Hoeneß, der zum Sportchef hält. Wird man sich nicht einig, bleibt Flick ja noch das Amt des Bundestrainers. Und die Gewissheit, dass beim DFB noch mehr gestritten wird als bei den Münchner Bayern.

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