Cannes ehrt japanischen Regisseur

Der japanische Regisseur Hirokazu Kore-eda mit der Goldenen Palme für „Shoplifters“.
Der japanische Regisseur Hirokazu Kore-eda mit der Goldenen Palme für „Shoplifters“.

Goldene Palme für Hirokazu Kore-eda / Schauspielerin Asia Argento berührt mit kämpferischen Rede gegen Harvey Weinstein

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21. Mai 2018, 17:16 Uhr

Ein berührendes Familiendrama aus Japan hat die Goldene Palme des 71. Filmfestivals gewonnen. Der Regisseur Hirokazu Kore-eda nahm die Auszeichnung am Sonnabendabend für seinen Beitrag „Shoplifters“ entgegen. Darin erzählt der 55-Jährige von einer aus Außenseitern zusammengewürfelten Familie, die am Rande der Gesellschaft lebt.

Der japanische Filmemacher hatte 2013 bereits den Jurypreis für sein ebenfalls sehr einfühlsames Drama „Like Father, Like Son“ in Cannes gewonnen. Es ist die vierte Palme für Japan; zuletzt gewann Shohei Imamura 1997 für „The Eel“.

Zu Beginn der Preisverleihung hatte die italienische Schauspielerin Asia Argento mit einer kämpferischen Rede gegen Harvey Weinstein und sexuellen Missbrauch die Gäste der Abschlussgala berührt. „1997 wurde ich von Harvey Weinstein vergewaltigt“, sagte die 42-Jährige. Der Vorfall habe sich beim Filmfest Cannes ereignet. „Dies war sein Jagdgebiet.“ Vieles habe sich zwar getan, doch noch „heute Abend sitzen welche unter uns, die noch zur Verantwortung gezogen werden müssen“, sagte sie. „Wir lassen euch nicht davonkommen.“

Der Große Preis der Jury, die zweitwichtigste Auszeichnung des Festivals, ging in diesem Jahr an den US-Amerikaner Spike Lee. Seine gefeierte Satire „BlacKkKlansman“ basiert auf der wahren Geschichte eines schwarzen Polizisten, der sich in den 70er-Jahren in den rassistischen Ku-Klux-Klan einschmuggelte. Die Hauptrolle spielt John Washington, der Sohn von Hollywoodstar Denzel Washington.

Als bester Schauspieler wurde erwartungsgemäß der Italiener Marcello Fonte geehrt. Er spielt in Matteo Garrones „Dogman“ einen gutmütigen Mann, der immer mehr von einem Kriminellen drangsaliert wird – bis er schließlich alles im Leben verliert.

Beste Schauspielerin wurde ebenfalls wenig überraschend Samal Yeslyamova aus Nordkasachstan für ihre Leistung in dem Drama „Ayka“ von Sergey Dvortsevoy. Sie spielt darin eine Mutter, die ihr Neugeborenes zurücklässt, weil sie es sich nicht leisten kann, es zu ernähren. „Ayka“ ist eine deutsche Koproduktion.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals wurde auch eine Sonder-Goldene Palme verliehen: An Jean-Luc Godard, weil er „Kino konstant neu definiert“, wie Jurypräsidentin Cate Blanchett erklärte.

Die französische Regie-Legende Godard hatte im Wettbewerb dieses Jahr das experimentelle Werk „The image book“ vorgestellt.

Der Preis der Jury ging an den libanesischen Beitrag „Capernaüm“ der Regisseurin Nadine Labaki. Für die beste Regie wurde der Pole Pawel Pawlikowski für sein in Schwarz-Weiß gedrehtes „Cold War“ ausgezeichnet. Die Trophäe für das beste Drehbuch gab es gleich zwei Mal: Für die Italienerin Alice Rohrwacher und ihr märchenhaftes „Happy is Lazzaro“ sowie für die Iraner Jafar Panahi und Nader Saeivar, die das Script für Panahis Film „Three faces“ schrieben.

Das Festival war am 8. Mai mit dem Drama „Everybody knows“ des Iraners Asghar Farhadi eröffnet worden. 21 Beiträge konkurrierten im Wettbewerb um die Preise; ein deutscher Filmemacher war in diesem Jahr nicht dabei.

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