Um alle Funktionen nutzen zu können, bestätigen Sie bitte Ihre Registrierung.
Eine neue Bestätigungsmail erhalten Sie .
Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.

Henning Kaiser/dpa

Mit Leitartikel : Burka-Verbot an der Kieler Uni sorgt für Koalitionskrach in SH

Auch wenn die CAU Rückendeckung von der Bildungsministerin erhält: Die Jamaika-Koalition ist sich uneins.


von
13. Februar 2019, 22:01 Uhr

Kiel | Das Thema spaltet und sorgt sogar für Krach in der Jamaika-Koalition. Während CDU und FDP am Donnerstag das von der Kieler Uni verhängte Burka-Verbot begrüßten, laufen die Grünen Sturm. Das Verbot sei ein Fehler.

Eine freiheitlich demokratische Gesellschaft darf Menschen nicht aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen und Ausdrucksweise von staatlichen Bildungseinrichtungen ausschließen

Lasse Petersdotter (Grüne)

 

Nachdem eine zum Islam konvertierte Studentin der Ernährungswissenschaften im Dezember vollverschleiert (nur mit Sehschlitz) in der Vorlesung erschienen war, hatte die Christian-Albrechts-Universität (CAU) reagiert: Ein Gesichtsschleier behindere die offene Kommunikation und dürfe deshalb „in Lehrveranstaltungen, Prüfungen und Gesprächen, die sich auf Studium und Lehre beziehen, nicht getragen werden“, heißt es in einer neuen Richtlinie.

In Lehre und Forschung sei offene Kommunikation wichtig, die nicht nur auf dem gesprochenen Wort, sondern auch auf Mimik und Gestik beruhe.

Werbung
Werbung

Scharfer Konter von der FDP in Richtung Grüne

Dieses Argument hält Petersdotter für vorgeschoben. Professoren seien „weder in der Lage noch beauftragt, die Mimik und Gestik der Studierenden zu bewerten“. Das Fass zum Überlaufen brachte die Aussage des Grünen, dass Verschleierungsdebatten immer dann geführt würden, „wenn verschleierte Frauen in akademische Kreise vordringen“. An verschleierten Reinigungskräften störe sich die Mehrheitsgesellschaft hingegen nicht.

Vor allem der Koalitionspartner FDP konterte scharf. Das Tragen von Burka oder Niqab sei anders als von den Grünen behauptet kein Ausdruck von Weltoffenheit, „sondern ein Zeichen der Unterdrückung von Frauen“.

Man müsse in der Debatte um interkulturelle Toleranz „Gesicht zeigen und deutlich machen, wo wir Grenzen ziehen müssen“, erklärte Christopher Vogt. Der Liberale begrüßte zudem die Absicht von Bildungsministerin Karin Prien (CDU), das Tragen von Burka und Niqab auch in Schulen zu verbieten.

Auch Uni Gießen verbietet Burka in Lehrveranstaltungen

Unterstützung kommt von der SPD: „Die CAU hat Recht – Kopftuch ja, Vollverschleierung nein!“ Ein Kopftuch lasse das Gesicht frei und behindere die Kommunikation nicht. „Das ist bei Niqab und Burka anders“, sagte Martin Habersaat. Verbindliche Richtlinien seien richtig.

Nach Ansicht der AfD ist eine gesamtgesellschaftliche Debatte über das Tragen religiöser Kleidung in der Öffentlichkeit überfällig.

Allein steht die CAU nicht: Die Uni Gießen hat bereits vor Jahren eine solche Regelung erlassen. Aus Flensburg wird mitgeteilt, dass an der Uni das Problem bisher nicht virulent sei und es deshalb auch noch keine entsprechende Richtlinie gebe.

Kiels Uni-Sprecher Boris Pawlowski betonte zudem, dass Studierende auf dem Campus jenseits der Lehrveranstaltungen Burka oder Niqab tragen dürfen.

Leitartikel zum Burka-Verbot an der Kieler Uni

Kein Zeichen von Religionsfreiheit

Von Margret Kiosz

Das Tragen der Burka hat nichts mit Religionsfreiheit und Weltoffenheit zu tun. Im Gegenteil: Es ist die Inhaftnahme von Frauen durch einen politischen Islam, der von immer mehr Menschen als Bedrohung empfunden wird.

Wer hier mit uns leben, lernen und studieren will, muss Gesicht zeigen und sich nicht hinter einem Stück Stoff verstecken. Studenten und Lehrkräfte sollen sich in die Augen sehen können, um die Reaktionen des anderen zu deuten und sich zu erkennen. Man stelle sich nur mal ein Seminar mit zehn Burka-Trägerinnen vor: Who is who?

Das Burka-Verbot an der Kieler Uni ist deshalb nicht, wie die Grünen behaupten, ein Fehler, sondern der richtige Weg. Es setzt zugleich ein Signal, dass mühsam erkämpfte Errungenschaften in der Gleichberechtigung nicht rückabgewickelt und unter kultureller Diversität sowie falsch verstandener Toleranz begraben werden.

Es geht eben nicht nur um das individuelle Recht einer jeden Frau, das anzuziehen, worauf sie Lust hat, sondern darum, was ein patriarchalisches Umfeld den Frauen vorschreiben darf.

Noch ist die Zahl der Burka-Trägerinnen gering. Eine Phantomdebatte ist es trotzdem nicht: Es gilt beizeiten klar zu definieren, wie viel Rückschritt wir hierzulande hinnehmen wollen.

Henning Kaiser/dpa

Mit Leitartikel : Burka-Verbot an der Kieler Uni sorgt für Koalitionskrach in SH

von 13. Februar 2019, 22:01 Uhr


Schließen Sie jetzt den kostenfreien Probemonat ab, um diesen Artikel zu lesen. Alle weiteren Inhalte auf unserer Webseite und in unserer App stehen Ihnen dann ebenfalls zur Verfügung.

Probemonat für 0€

Monatlich kündbar

Sie sind bereits Digitalabonnent?

Hier anmelden »

Oder kostenlos bis zu drei Artikel in 30 Tagen lesen

Registrieren »
jetzt zu shz.de