Energiewende in SH : Bundesregierung ändert die Strategie bei der Windkraft – SH profitiert

Für die Energiewende ist die Windkraft ein wichtiger Baustein.

Für die Energiewende ist die Windkraft ein wichtiger Baustein.

Die Bundesregierung will das Erzeugen von Wasserstoff per Windstrom-Elektrolyse rentabel machen. Das hilft auch SH.

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09. Juni 2020, 19:49 Uhr

berlin/kiel | In Schleswig-Holstein mussten Windräder letztes Jahr so oft wie noch nie wegen drohender Stromnetzüberlastung abgeregelt werden – doch nun könnte ein Beschluss der großen Koalition dazu führen, dass die teuren und ärgerlichen Zwangsabschaltungen weniger werden: Die Bundesregierung will am Mittwoch im Kabinett nach monatelangem Gerangel endlich die angekündigte „nationale Wasserstoffstrategie“ beschließen – und dabei unter anderem das Erzeugen von Wasserstoff durch Windstrom-Elektrolyse erleichtern.

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Damit soll es sich künftig lohnen, überschüssigen Windstrom an Land und auf See nicht mehr zu unterdrücken, sondern vor Ort für die Produktion von sogenannten „grünen“, also klimafreundlich erzeugten Wasserstoff zu nutzen. „In den Bereichen, in denen Strom aus erneuerbaren Energien nicht direkt genutzt werden kann, öffnet grüner Wasserstoff neue Dekarbonisierungspfade“, heißt es in dem Strategiepapier der Regierung.

Wasserstoff als Treibstoff der Zukunft

Wasserstoff gilt als ein Treibstoff der Zukunft, weil er beim Verbrennen nur Wasser ausstößt und daher klimaneutral ist. Schiffe, Lastwagen, Autos, Flugzeuge oder Fabriken können mit Wasserstoff betrieben werden. Gleichzeitig dient er als Stromspeicher: Wenn viel Wind weht oder die Sonne kräftig scheint, kann die überschüssige Öko-Energie für die Elektrolyse zur Herstellung von Wasserstoff genutzt werden, der sich dann wie Öl oder Gas in Tanks lagern lässt. Allerdings ist die Erzeugung von grünem Wasserstoff bisher sehr teuer.

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Unter anderem dort setzt die Wasserstoffstrategie des Bundes an. So will die Groko die Kosten für die Produktion senken und dazu wie schon in ihrem Konjunkturprogramm angekündigt den Erzeugern von grünem Wasserstoff die Umlage für erneuerbare Energien ersparen. „Wir streben die Befreiung der Produktion von grünem Wasserstoff von der EEG-Umlage an“, heißt es in dem Strategiepapier. Die Branche lobt das als „den interessantesten Punkt“.

Bernd Buchholz ist erfreut

Auch der Kieler Wirtschaftsminister Bernd Buchholz freut sich einerseits: „Damit ginge ein wichtiger Wunsch Schleswig-Holsteins in Erfüllung“, sagt der FDP-Politiker. Andererseits stört er sich noch an der eher vagen Formulierung im Regierungspapier: „Das Anstreben der Befreiung von der EEG-Umlage ist mir zu wenig – wir brauchen jetzt wirklich ein konkretes Gesetz, das die Umwandlung von grünem Strom in Wasserstoff von allen Umlagen befreit.“

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So sieht es auch der CDU-Energiepolitiker Mark Helfrich, der mehr von seinem Parteifreund und Wirtschaftsminster Peter Altmaier erwartet: „Ich hätte mir eine konkrete Festlegung auf die Befreiung der Wasserstoffproduktion von der EEG-Umlage gewünscht“, sagt der Itzehoer Bundestagsabgeordnete.

Neue Strategie der Bundesregierung

Mit der neuen Strategie beschließt die Bundesregierung außerdem erstmals Ausbauziele für grünen Wasserstoff. So sollen bis 2030 Produktionsanlagen mit bis zu fünf Gigawatt Gesamtleistung entstehen und bis 2035 weitere fünf Gigawatt. Zwar ist dem Kieler Buchholz das noch zu wenig, doch rechnet er sich nun für einige schleswig-holsteinische Projekte noch bessere Chancen aus.

Die Wasserstoff-Akteure in Husum, Heide, Brunsbüttel oder im Raum Flensburg können von dem Paket enorm profitieren und manches Projekt in die Praxis umsetzen, das sich derzeit noch im Ideenstadium befindet SH-Wirtschaftsminister Bernd Buchholz
 

In Husum und Niebüll will die Firma „GP Joule“ windstromerzeugten Wasserstoff über zwei Tankstellen vertreiben und damit unter anderem den Betrieb von Wasserstoffbussen ermöglichen. Im „Reallabor Westküste“ in Heide soll in der dortigen Raffinerie klimafreundliches „Kerosyn“ für Flugzeuge hergestellt werden. Und in Brunsbüttel will das Konsortium „Hysyngas“ ebenfalls grünen Wasserstoff in großem Stil herstellen. Ähnliches plant die Projektgruppe „Windgas Haurup“ bei Flensburg.

Energieminister hofft das viele Initiativen in SH profitieren

Nicht zuletzt Schleswig-Holsteins grüner Energieminister Jan Philipp Albrecht hofft daher, dass von der Wasserstoffstrategie des Bundes „viele Initiativen in Schleswig-Holstein profitieren“. Allerdings mahnt er auch: „Wer grünen Wasserstoff will, muss ihn aus erneuerbarem Strom produzieren – und daher die Ausbauziele für erneuerbare Energien entsprechend erhöhen.“

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