Bringt neues Gesetz den Kinderarzt?

Ein Arzt führt eine U3-Vorsorgeuntersuchung bei einem Kind durch. Sie muss in der vierten oder fünften Lebenswoche erfolgen, doch Termine bei Kinderärzten sind häufig rar.
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Ein Arzt führt eine U3-Vorsorgeuntersuchung bei einem Kind durch. Sie muss in der vierten oder fünften Lebenswoche erfolgen, doch Termine bei Kinderärzten sind häufig rar.

CDU-Politiker sehen Chancen für Stelle in Tornesch

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15. August 2018, 16:27 Uhr

Das würde bei zahlreichen Eltern in der Region für große Freude sorgen: Ein weiterer Kinderarzt in Tornesch. Chancen dafür sehen der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Daniel Kölbl und der CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem Kreis Pinneberg Michael von Abercron. Hintergrund ist ein von Gesundheitsminister Jens Spahn vorgelegter Gesetzentwurf. Dieser könnte dafür sorgen, so die Hoffnung von Kölbl und von Abercron, dass es ab April 2019 eine zusätzliche medizinische Versorgung für Kinder in Tornesch gibt.

Terminservice- und Versorgungsgesetz, kurz TSGV, heißt der Gesetzentwurf, den CDU-Politiker Spahn Ende Juli auf den Weg gebracht hat. Das Gesetz verordnet Ärzten eine Mindestanzahl von Sprechstunden. 25 müssen es pro Woche sein. Zudem sollen Patienten schneller einen Termin bekommen. Dafür sollen sogenannte Terminservicestellen sorgen, an die sich Versicherte auf Arztsuche schon heute wenden können. Für die Situation in Tornesch ist ein weiterer Punkt wichtig. „Der Gesetzentwurf sieht vor, die Zulassungsbeschränkung der Kassenärztlichen Vereinigung für Kinderärzte auszusetzen, soweit der neu ansiedelnde Kinderarzt in den vergangenen fünf Jahren nicht kassenärztlich tätig gewesen ist“, erklärt von Abercron. Entsprechend hoffen die beiden CDU-Politiker, dass das Gesetz im Bundestag in der von Spahn vorgelegten Fassung verabschiedet wird. Denn so hätte die Tornescher Kinderärztin Daniela Leiser ab April 2019 die Möglichkeit, Unterstützung bei der medizinischen Versorgung zu erhalten, betont Kölbl.

Leiser und ihr Praxisteam hatten jüngst Alarm geschlagen (wir berichteten). Von 800 auf mehr als 1500 kleine Patienten pro Quartal: Die Arbeitsbelastung sei am Limit, so Leiser. Die Auswirkungen spüren vor allem die Eltern, die lange auf Termine für Vorsorgeuntersuchungen warten oder auf Praxen in anderen Kommunen ausweichen müssen.

Diese Erfahrung hatte auch die Tornescherin Janina Lück (Foto) gemacht. Die Mutter von vier Kindern hatte deswegen eine Unterschriftenaktion öffentlich gemacht. Ziel: Der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein deutlich machen, dass in Tornesch − oder zumindest der näheren Umgebung − ein weiterer Kinderarzt benötigt wird. Mehr als 400 Unterschriften sind bereits zusammen gekommen. Die Liste liegt in Leisers Praxis, Wilhelmstraße 2, aus. Nach drei Wochen Urlaub öffnet die Praxis am kommenden Montag, 20. August, wieder ihre Türen.

Im Herbst soll die Unterschriftenliste mit der Forderung an die Kassenärztliche Vereinigung weitergeleitet werden. Die sieht in der aktuellen Situation allerdings bislang kein Problem. Denn laut KV gibt es keine Unterversorgung im Kreis Pinneberg. Im Gegenteil: Mit 20,5 Kinderarztstellen werde eine Versorgungsquote von 170 Prozent für die 52 730 Kinder im Alter von Null bis 18 Jahren erreicht.

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