Breitbandausbau startet holprig

Bürgermeister Klaus-Dieter Sellmann (BfH) besichtigt die Baustelle hinter der Turnhalle. Hier soll der „Point of Presence“ (POP) entstehen, von dem aus das Glasfaserkabel innerhalb Haseldorfs verteilt wird.  Fotos: Michaela Eschke
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Bürgermeister Klaus-Dieter Sellmann (BfH) besichtigt die Baustelle hinter der Turnhalle. Hier soll der „Point of Presence“ (POP) entstehen, von dem aus das Glasfaserkabel innerhalb Haseldorfs verteilt wird. Fotos: Michaela Eschke

Dorfbewohner klagen über Baumängel, Verkehrsbehinderung und fehlende Baustellensicherungen in Haseldorf

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05. September 2019, 16:05 Uhr

HASELDORF | Die Freude darüber, dass der Breitbandausbau in Haseldorf begonnen hat, ist innerhalb der Gemeinde inzwischen getrübt. Denn seit Baubeginn im Februar gibt es Probleme mit der ausführenden Firma: Wege werden nicht sauber wiederhergestellt, Gruben mit unzulässigen Materialien befüllt und Baustellen nicht ordnungsgemäß abgesperrt. Das sorgte auch für Diskussionen im Bauausschuss, der während seiner jüngsten Sitzung über die Bestellung eines externen Gutachters debattiert hat.

Am vorigen Montag verlor Bürgermeister Klaus-Dieter Sellmann (BfH) die Geduld. „Als ich morgens zum Bäcker ging, fand ich in der scharfen Kurve auf der Hauptstraße eine Baustelle vor. Nichts ging mehr, also stieg der Busfahrer aus, bat Autofahrer, zum Marktplatz hochzufahren, und rangierte sich dann über den Fußweg drum herum“, schildert er die Situation. Direkt vor dem Eingang zum Bäcker klaffte eine Baugrube – ohne Übergang.


Stolperfallen und falsche Füllmaterialen

Mit solchen und weiteren Problemen plagt man sich in Haseldorf seit Beginn der Bauarbeiten. Im Anschluss an die Verlegung der Schutzrohre, die für das Glasfaserkabel gedacht sind, werden viele Wege und Auffahrten nicht so sauber gepflastert hinterlassen, wie sie vorher waren. Stolperfallen sind die Folge. Auch werden verkehrsrechtliche Vorschriften nicht eingehalten. „Die Firma hatte keine Genehmigung, auf der Landesstraße zu bauen“, sagt Sellmann, „zudem hätte eine Ampelanlage eingerichtet werden müssen.“

Doch damit nicht genug. „Beim Verfüllen der Gräben wurden Materialien verwendet, die eigentlich in einem Wasserschutzgebiet nicht zulässig sind“, erklärt der Bürgermeister. Bemerkt wurde das vom örtlichen Bauüberwacher, den der Zweckverband Breitband Marsch und Geest eingeschaltet hat. In der Folge mussten das Material wieder ausgehoben und die Gruben erneut verfüllt werden. Auch seien Anwohner nicht rechtzeitig über den Baubeginn vor ihren Grundstücken informiert worden. „Die Leute sind morgens nicht zur Arbeit gekommen“, berichtet Sellmann.

Der Zweckverband bestätigt gegenüber unserer Zeitung, dass es bisher viele Beschwerden über den Verlauf der Bauarbeiten gegeben hat. Er hat die Firma Innogy mit dem Breitbandausbau beauftragt, die ihn ihrerseits an einen Subunternehmer delegiert hat, die Firma Vitronet. Diese, so heißt es in der Stellungnahme des Verbands, sei spezialisiert auf die Kabelverlegung und habe daher für den Tiefbau die Firma Krafteam aus Nordhorn beauftragt.


Fragliche Baustellen vorerst gestoppt

Gemeinsam bemühen sich der Zweckverband und das Amt Geest und Marsch Südholstein um Schadensbegrenzung. Die fraglichen Baustellen in Haseldorf wurden vorerst gestoppt. „Die von der bauausführenden Firma errichteten Absperrungen der einzelnen Baustellen waren verkehrsgefährdend. Aus diesem Grunde wurde verfügt, die Arbeiten bis zur Errichtung einer ordnungsgemäßen Absperrung auszusetzen“, schreibt Bauamtsleiter Jan-Christian Wiese. Die Mängel an den Oberflächen der Wege stellten „teilweise Gefahrenquellen dar“. Daher wurde eine entsprechende Nacharbeit an den betroffenen Stellen gefordert.

Schon eine Woche nach der Eskalation zeigen die Maßnahmen Wirkung. Wie Bürgermeister Sellmann bei einer Rundfahrt durch das Dorf feststellte, ist an vielen Wegen bereits nachgebessert worden. „Die Geschwindigkeit ist ja gut, die Qualität leider nicht“, konstatiert er. Wie der Zweckverband mitteilt, ist bei der Firma Innogy inzwischen angekommen, dass es so nicht weitergehen kann. Die Verteilung von Informationsflyern und die Einrichtung einer Hotline seien in Planung. Haseldorf ist erst der Anfang der jetzigen Ausbauphase, es folgen Bauarbeiten in vielen weiteren Gemeinden der Region. Im Februar 2020, berichtet Bürgermeister Sellmann, sollen alle Teilnehmer im Dorf an das schnelle Netz angeschlossen sein.

Auf die Tagesordnung der Bauausschusssitzung wurde das Thema auf Antrag von Uwe Schölermann (CDU) gehoben. Er forderte, ein Gutachterbüro einzuschalten, das den Vorher-Nachher-Zustand im Zuge der Bauarbeiten dokumentiert. Bis zur Sitzung der Gemeindevertretung am 19. September soll daher ein Leistungsverzeichnis eines solchen Gutachters vorliegen und zudem ein Vertreter des Zweckverbands gehört werden.

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