Ungewöhnlich lange Hitzeperiode : Brauer in Not: Das Bier-Leergut wird knapp

Gewaschene Bierflaschen laufen durch die Produktion der Veltins-Brauerei.
Gewaschene Bierflaschen laufen durch die Produktion der Veltins-Brauerei.

Die Branche ruft ihre Kunden dazu auf, Flaschen schneller wieder in die Geschäfte zurückzubringen.

shz.de von
22. Juli 2018, 20:39 Uhr

Berlin/Kiel | Leere Bierkästen werden im heißen Sommer zur Mangelware: Wegen der anhaltenden Hitze läuft die Produktion in den Brauereien derzeit auf Hochtouren. Doch mittlerweile sind auf den Höfen vieler Brauereien die Leergut-Vorräte bedenklich geschrumpft.

Die ungewöhnlich lange Hitzeperiode hätte die Berechnungen der Brauereien über den Haufen geworfen, berichtete etwa Niklas Other, Herausgeber des Branchenmagazins „Inside“. „Es ist eine branchenweite Dramatik in dem Thema“, sagte Other. Einige Brauer könnten bestimmte Sorten bereits nicht mehr abfüllen. Am härtesten treffe es die Getränkehändler, die sich über mangelnde Investitionen der Brauereien bei der Anschaffung von Getränkekästen beklagten.

Auch der Deutsche Brauer-Bund berichtete von einer in diesem Jahr „besonders ausgeprägten“ Leergutknappheit. Gerade in den Sommermonaten könne es immer wieder zu Leergut-Engpässen kommen, sagte Sprecher Marc-Oliver Huhnholz. Die Branche appelliert deshalb an ihre Kunden, Leergut möglichst „zeitnah“ in den Handel zurückzubringen.

Mit einem auf „Facebook“ veröffentlichtem Hilferuf hatte zuvor die Bochumer Brauerei Fiege für eine möglichst schnelle Rückgabe von leeren Bierkästen geworben. Die „WAZ“ hatte darüber berichtet. „Obwohl wir regelmäßig neues Leergut nachkaufen, werden in unserer Abfüllung gerade die Flaschen knapp“, hieß es dort. Sorgen bereiten der Branche derzeit leere Kästen, die während der Urlaubszeit ungenutzt in den Kellern stehen. „Erst Pfand, dann (P)ferien“, hieß es in dem Aufruf der Brauerei.

 

Bei den Fiege-Konkurrenten Veltins und König-Pilsener berichteten Sprecher, es seien bereits zusätzliche Bierkästen bei den Herstellern geordert worden, während eine Warsteiner-Sprecherin keine Engpässe bestätigen konnte. Erschwert wird das Problem auch von individualisierten Getränkeflaschen der Brauereien, die einen Austausch unter den Brauereien unmöglich machen.

Veltins: „Wir haben viele Tausend Kästen nachbestellt“

Die Flensburger sowie die Dithmarscher Brauerei und Carlsberg hatten noch Ende Juni – als erste Berichte von schrumpfenden Leergut-Vorräten aufkamen – keine Probleme gemeldet. Allerdings wiesen die Sprecher auch damals schon auf die Möglichkeit von fehlendem Leergut hin. Bei der Flensburger Brauerei wurde allein im Mai soviel Flens getrunken wie seit 1992 nicht mehr.

Auch Veltins-Sprecher Ulrich Biene verwies auf historische Höchstmarken, die der Absatz der Brauerei in den Monaten Mai und Juni erreicht habe. „Wir haben viele Tausend Kästen nachbestellt“, sagte er.

Bundesweit sind nach einer Hochrechnung der Brauerei rund 500 Millionen Mehrweggetränkekästen im Einsatz, davon rund 180 Millionen von den Brauereien.

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