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„Brandt ist noch immer gegenwärtig“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bundespräsident Joachim Gauck und sein Österreichischer Amtskollege Heinz Fischer besuchen Festakt für den Altbundeskanzler in Lübeck

shz.de von
erstellt am 12.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Die politischen Werte von Willy Brandt sind nach den Worten von Bundespräsident Joachim Gauck auch heute noch eine Herausforderung. Dazu zählten die Liebe zur Freiheit und das Streben nach Frieden und Gerechtigkeit, sagte Gauck beim Festakt für den Altbundeskanzler gestern Abend in Lübeck. Glaubwürdigkeit sei eine der großen Stärken Brandts gewesen, betonte der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer. Brandt wurde vor 100 Jahren, am 18. Dezember 1913, in Lübeck geboren. Brandt habe Probleme angepackt, die auch heute noch nicht gelöst seien, sagte Gauck. Noch immer lebe ein Großteil der Weltbevölkerung in Armut. Klimawandel und Umweltverschmutzung treffe gerade die Verletzlichsten. Heute hätte er sicherlich viel zu Integration und Asyl zu sagen. Gauck: „Willy Brandt ist noch immer gegenwärtig.“

Es sei auch zum Teil sein Verdienst, so Gauck, wenn Deutsche heute ohne Nationalismusverdacht die Nationalhymne singen könnten. „Deutsche, wir können stolz sein auf unser Land“ sei der SPD-Slogan in seinem Wahlkampf 1972 gewesen. Als Weltbürger und der „andere Deutsche“ habe er im Ausland glaubwürdig und selbstbewusst für neues Vertrauen geworben.

Brandt sei „ein wahrer und großer Patriot“ gewesen, betonte Österreichs Präsident Fischer. Dies hätten mittlerweile auch diejenigen eingesehen, die ihn wegen seiner Flucht ins Exil angefeindet hätten. Er habe der Friedenspolitik und der Brüderlichkeit zwischen den Nationen „in unnachahmlicher Weise Leben eingehaucht“. Auch sei ihm bewusst gewesen, dass Wohlstand wenig nützt, wenn nicht auch andere Menschen menschenwürdige Lebenschancen haben. Brandt sei „ein Glück für Deutschland und für Europa“ gewesen. Als einen „Politiker mit großem Verantwortungsbewusstsein und mit großem Weitblick“, bezeichnete ihn Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD). „Die Menschen hatten bei ihm das Gefühl, verstanden zu werden.“

In einem Grußwort der Norwegisch-Deutschen Willy-Brandt Stiftung sagte der frühere norwegische Außenminister Jonas Gahr Støre: „Wir Norweger feiern Brandt in diesem Jahr gleich zweimal. Neben dem des 100. Geburtstags haben wir im April den 80. Jahrestag seiner Ankunft in Norwegen gefeiert.“ Brandt hatte von 1933 bis 1940 im norwegischen Exil verbracht.

Mit dem Namen Herbert Frahm wurde der spätere Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger als Sohn einer Verkäuferin im Lübecker Arbeitermilieu geboren. Seine uneheliche Geburt war noch in den 60er Jahren Thema seiner politischen Gegner. Schon als Jugendlicher war er in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung aktiv, trat aber 1931 aus der SPD aus, um sich der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) anzuschließen. Ein Jahr nach seinem Abitur musste der 19-Jährige 1933 vor den Nationalsozialisten aus Lübeck nach Norwegen fliehen. Seit dieser Zeit nannte er sich Willy Brandt. Er wurde 1972 Ehrenbürger Lübecks. Ende 2007 öffnete in der Altstadt das Willy-Brandt-Haus, das über seine Lübecker Jugendzeit und sein Exil in Skandinavien informiert.

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