Brandstiftung am Steinberg?

Polier Andreas Wilms zeigt die Rußrückstände an der Decke der zukünftigen Tiefgarage.
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Polier Andreas Wilms zeigt die Rußrückstände an der Decke der zukünftigen Tiefgarage.

Zwei Feuer im Rohbau des „Altstadtquartiers am Steinberg“ / Baustatiker soll Betondecke und Pfeiler untersuchen

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16. Oktober 2018, 16:00 Uhr

Der Rauchgeruch hing gestern Nachmittag noch immer über dem Rohbau des „Altstadtquartiers am Steinberg“. Polier Andreas Wilms zeigte die Stelle, wo am Sonntag 21 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Wedel einen 1000 Liter fassenden Kunststoffbehälter gelöscht haben. „Wir haben hier schon saubergemacht und aufgeräumt nachdem die Kriminalpolizei da war. Wir müssen ja weiterarbeiten“, sagte Wilms. Die Brandspuren sind im aufgeplatzten Beton deutlich zu erkennen.

Doch in der Nacht zu Montag gab es ein zweites Feuer. Im Rohbau der Tiefgarage stand eine Europalette mit etwa 50 Holzbrettern in Flammen. Ruß war trotz der Reinigung noch an Decke, Trägern und am Boden zu sehen. Auch hier war der Beton aufgeplatzt. Wilms legte die Hand auf einen der Betonträger. „Der strahlt noch immer Hitze aus“, erläuterte er. „Hier gab es noch genug Baumaterial. Wir können froh, sein, dass sich das Feuer nicht noch weiter ausgebreitet hat.“

Wie und ob die 30 Zentimeter dicke Stahlbetondecke, auf der zukünftig einmal eine Grünanlage entstehen soll und die Tragpfeiler in Mitleidenschaft gezogen sind, war gestern noch nicht klar. Ein Baustatiker soll die Schäden ermitteln. „Vermutlich wird eine Kernbohrung notwendig sein“, sagte Wilms. Allein die Kosten für die Analyse lägen im vierstelligen Bereich. „Wenn wir den Beton entfernen müssen, wird es eine richtig teure Angelegenheit. Wenn die Träger von den Flammen angegriffen wurden, haben wir ein Problem“, erläuterte Wilms. Sollte dies der Fall sein, dürfte der Schaden bei 30 000 Euro liegen. „Mindestens“, sagte Bauherr Joachim Rehder, der am Steinberg 140  Wohneinheiten entstehen lässt – unter anderem 19  Sozialwohnungen. Zudem könnte es auch zu zeitlichen Verzögerungen kommen. Das sei noch nicht abzuschätzen.

„Das ist mittlerweile der fünfte Vorfall. Bisher waren es nur Kleinigkeiten. Aber das war Brandstiftung. Wir haben Montagmorgen sofort die Kriminalpolizei eingeschaltet“, sagte Rehder im Gespräch mit unserer Zeitung. In der Vergangenheit seien Schlösser aufgebrochen, Zäune mutwillig zerstört, Baumaschinen in Gruben geworfen und die Tür zum Werkzeugcontainer aufgebrochen worden. Gestohlen wurde nichts. „Das ist sehr ungewöhnlich“, sagte Wilms. „Wir haben die Dinge für Dumme-Jungen-Streiche gehalten. Die Schäden waren um die 100 Euro. Da ruft man nicht sofort die Polizei. Aber das ist etwas anderes“, sagte der Polier. Wie sein Chef geht er von Brandstiftung aus. „Da muss man schon ein richtiges Feuer unter der Europalette machen, um die Bretter anzuzünden. Die haben ja auch eine gewisse Baufeuchte“, erläuterte Rehder.

Die Bauarbeiter haben in der im Bau befindlichen Tiefgarage eine Deo-Dose gefunden, die sie der Polizei übergeben haben. „Die war Freitag definitiv noch nicht da. Daher kann sie nicht von einem der Arbeiter sein. Wir hoffen natürlich, dass die Polizei Fingerabdrücke findet und diese etwas bringen“, sagte Wilms. Die Polizei bestätigte gestern auf Anfrage unserer Zeitung, eine Anzeige wegen Brandstiftung aufgenommen zu haben. Weitere Angaben konnen noch nicht gemacht werden. Spaziergänger oder andere Personen, die Verdächtiges bemerkt haben könnten, werden gebeten ihre Beobachtungen bei der Kriminalpolizei Pinneberg unter Telefon (0 41 01) 20 20 zu melden.

Rehder will nun reagieren und eine Kameraüberwachung installieren: „Das wird nicht günstig, aber die Vorfälle haben einfach überhand genommen.“ Er hofft, dass die Anwohner die Augen aufhalten und verdächtige Personen oder Bewegungen auf dem Baustellengelände ebenfalls sofort der Polizei melden.

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