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Nordfriesland : Bluttat bei der Beerdigung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nach einer Messerstecherei bei der Trauerfeier für die Unfallopfer von der A 23 ist der Tathergang noch immer unklar

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2013 | 00:36 Uhr

Dramatische Szenen spielten sich am Sonnabendnachmittag in Rantrum (Kreis Nordfriesland) ab. Am Rande der friedlichen Trauerfeier für die drei Todesopfer des schweren Verkehrsunfalls auf der A 23 vom vergangenen Montag kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Teilnehmern aus Husum und einem 35-Jährigen aus Schleswig – nach ersten Einschätzungen der Polizei aus persönlichen Gründen. Der Streit soll demnach nichts mit dem Unfall oder der Beerdigung zu tun gehabt haben. „Die Husumer stachen mehrfach mit einem Messer auf den Schleswiger ein“, erklärte Matthias Glamann, Pressesprecher der Polizeidirektion Flensburg.

Der Verletzte musste von Notarzt und Rettungskräften stabilisiert werden und wurde mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Nach Augenzeugenberichten soll der Mann lebensgefährlich am Oberkörper getroffen worden sein. Die Polizei spricht von schweren Verletzungen. Der Zustand des Opfers habe sich bis gestern zunehmend stabilisiert.

Die beiden ebenfalls verletzten Husumer wurden zunächst festgenommen, kamen gestern aber wieder auf freien Fuß. Es bestehe kein dringender Tatverdacht gegen sie, der genaue Hergang und der Auslöser der Tat sei aber noch unklar, so Glamann. Die Kriminalpolizei Flensburg ermittelt. Der Tatort wurde abgesperrt. Mehrere Beamte vom Polizeirevier Husum, der Wasserschutzpolizei, der Kriminalpolizei Husum und der Bezirkskriminalinspektion Flensburg waren im Einsatz. Sie blieben bis spät in die Nacht. Der Wirt der Halle am Sportplatz, in der die Feier stattfand, und die Trauergäste beschlossen spontan, den Polizisten Kaffee, Kuchen und Verpflegung zu spendieren. Die Einsatzleitung wurde aus Rücksicht auf die Veranstaltung in der benachbarten Reithalle untergebracht.

Zu der Beerdigung waren rund 600 Trauergäste aus ganz Deutschland und anderen europäischen Ländern angereist. Die drei Betrauerten gehörten einer armenischen Familie aus Husum an. Sie waren bei dem schweren Unfall auf der Störbrücke bei Itzehoe ums Leben gekommen. Ein mit drei Erwachsenen und vier Kindern besetzter Wagen war an jenem Morgen in den Gegenverkehr geraten und frontal mit einem anderen Auto zusammengestoßen. Dabei waren eine 36-jährige Frau und ihr sechsjähriger Sohn am Unfallort ums Leben gekommen. Bundesweit Schlagzeilen machte der Unfall, weil das dritte Opfer, die Mutter der 36-Jährigen, von den Rettungskräften vor Ort für tot erklärt wurde. Auf dem Weg in die Pathologie in Itzehoe bemerkte der Bestatter dann, dass die 72-Jährige noch lebte. Sie wurde auf die Intensivstation gebracht, erlag aber am Mittwoch ihren schwersten Kopfverletzungen. Die genaue Unfallursache steht noch nicht fest. Der Wagen wurde von dem 18-jährigen Enkel gesteuert, er wurde bei dem Crash lebensgefährlich verletzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die für zwei Tage angesetzte Trauerfeier ging gestern friedlich weiter und dauerte bis zum späten Abend an. Das Gelände rund um den Sportplatz und die Halle war abgesperrt.

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