Gebäude von 1874 : Bleekerstift in Uetersen: Sie sammeln Unterschriften gegen den Abriss

Elsa Plath (Dritte von links) und ihre Mitstreiter sammeln Unterschriften für den Erhalt des Bleekerstiftes in dem neuen Wohngebiet an der Bleekerstraße.
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Elsa Plath (Dritte von links) und ihre Mitstreiter sammeln Unterschriften für den Erhalt des Bleekerstiftes in dem neuen Wohngebiet an der Bleekerstraße.

Engagierte Uetersener setzen sich für den Erhalt des Gebäudes im neuen Wohngebiet Bleekerstraße ein.

shz.de von
11. April 2018, 15:00 Uhr

Uetersen | Auf dem etwa 8000 Quadratmeter großen Gelände des ehemaligen Krankenhauses an der Bleekerstraße entstehen die ersten Baukörper mit insgesamt 40 Eigentumswohnungen. Im Glauben daran, dass das historische Bleekerstift-Gebäude in die Bebauung integriert und einer neuen Nutzung zugeführt werden könnte, verzichtete die Stadt auf einen öffentlich-rechtlichen Vertrag mit dem Investor zur Sicherung des die Geschichte der Stadt prägenden Gebäudes. 1874 hatten Cäcilie und Anton Georg Bleeker das Bleekerstift in Uetersen gegründet.

Doch nun hat der Uetersener Architekt Maik Timm, der das Grundstück für den Investor überplant, der Verwaltung mitgeteilt, dass ein Erhalt des historischen Gebäudes und eine neue Nutzung kaum realisierbar seien. Doch für viele Uetersener hat das Bleekerstift eine besondere Bedeutung und hat für sie etwas mit Heimat und Identität zu tun: Sie haben in dem Gebäude das Licht der Welt erblickt oder haben bei einem Krankenhausaufenthalt in diesem historischen Teil des einstigen Uetersener Krankenhauses Betreuung erfahren.

Gegen die Absicht des Investors, das geschichtsträchtige Gebäude abzureißen, regt sich nun Widerstand. Ins Rollen gebracht hat ihn Elsa Plath. Sie ist der Historie Uetersens eng verbunden und betreut unter anderem das Klosterarchiv. Für die engagierte Seniorin ist ein Abriss des Bleekerstifts nicht hinnehmbar.

Bleekerstift zeugt von Gesinnungskultur

„Die Südmauer des Gebäude mit ihrer Inschrift ‚Bleekerstift‘ zeugt von einer Zeit, in der Rendite und Bürgersinn im Gleichgewicht waren. An diese Gesinnungskultur immer wieder erinnert zu werden, tut bitter Not“, sagt Plath. Und mit ihrer Meinung ist sie nicht allein. Sie hat Mitstreiter aus der Altstadt, die ebenso wie sie das Bleekerstift als Zeuge von Stifterkultur in Uetersen erhalten wissen möchten und darin sogar eine Aufwertung des Neubaugebiets an der Bleekerstraße sehen würden.

Mindestens die Fassade solte erhalten bleiben

„Mindestens die Fassade mit dem Schriftzug müsste erhalten bleiben. Mit Fantasie und Ideenreichtum ließe sich das Gebäude unter Erhaltung seiner Südmauer zurückbauen und vielfältig nutzen, auch für Wohnzwecke“, sind sich Plath und ihre Mitstreiter sicher.

Das Ehepaar Gisela und Johann-Otto Plump verweist auf das Beispiel Schauburgbühne an der Kirchenstraße. Dort konnte auch die historische Fassade erhalten bleiben, dahinter sind Wohnungen entstanden. Auch das Beispiel Stade mit dem Erhalt der Fassade der Alten Post sehen die Bewahrer von Stadtgeschichte als mögliches Vorbild aus der Region. „Auf allen Prospekten für das neue Wohngebiet wurde mit dem historischen Bleekerstift geworden. Man hätte doch auch gleich einen Namen für das Wohngebiet und hält die Vergangenheit lebendig“, betont Plath.

Sie und ihre Mitstreiter haben Unterschriftenlisten angefertigt. Sie liegen in der Engel-Apotheke an der Rathausstraße und bei Uhren-Bentien an der Marktstraße aus. Andere Standorte sind noch im Gespräch. Am kommenden Freitag, 13. April, stehen Plath und einige Unterstützer auch ab 9.30 Uhr an einem Infostand in der Nähe des Presse-Cafés in der Fußgängerzone, um über ihr Anliegen zu informieren und um Unterschriften zum Erhalt des Bleekerstiftes aufzurufen. „Eine Stadt muss doch Gebäude haben, die Geschichte erzählen und der nächsten Generation Zeugnis geben. Wir erwarten von der Politik, dass sie sich dafür einsetzt“, zeigt sich Plath entschlossen.

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