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23. November 2017 | 17:51 Uhr

Bildungsministerin unter Beschuss

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Harte Oppositionskritik an Lehrergesetz-Entwurf – CDU stellt Missbilligungsantrag

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2014 | 12:24 Uhr

Der Druck auf Bildungsministerin Waltraud Wende wächst. Die Opposition forderte die Ministerin gestern geschlossen auf, ihren umstrittenen Gesetzentwurf zur Lehrerausbildung zurückzuziehen. Der Plan sei „absolut untauglich“, urteilten die Hochschulpolitiker Daniel Günther (CDU), Christopher Vogt (FDP) und Uli König (Piraten).

Der Philologenverband verlangte indirekt den Rücktritt der Ministerin. Nach den Auseinandersetzungen um die künftige Lehrerbildung gebe es „kaum noch Menschen, die die Eskapaden der Ministerin weiter ertragen mögen“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Helmut Siegmon. Tausende Unterrichtsstunden fielen aus, das Projekt der Inklusion werde ad absurdum geführt.

Wörtlich sprach Siegmon von der „bildungspolitischen Elbphilharmonie“ einer „unberechenbaren“ Ministerin, der er „bildungspolitische Hybris“ attestierte. Wende wolle „die teuerste und ineffizienteste Einheitslehrerbildung“ gegen die Voten von Experten durchpeitschen. „Traurige Investitionsruinen in Kiel und Flensburg werden das Ergebnis der unverantwortlichen ideologischen Planlosigkeit der Ministerin sein.“

Wende will an der Universität Flensburg künftig in mindestens 13 Fächern ein Studium für die Sekundarstufe II (Klasse elf bis 13) anbieten. Die Uni Kiel sieht darin den Versuch, die Existenzfähigkeit der Hochschule auszuhöhlen. Das Lehramtsstudium in Schleswig-Holstein wird ab dem nächsten Wintersemester neu aufgestellt. In der kommenden Woche berät der Landtag erstmals über den Gesetzentwurf.

Unterdessen bemühte sich Wende, den Konflikt um ihre umstrittenen Äußerungen über die Förderzentren mit behinderten Kindern klarzustellen. Sie habe in keiner Weise die hervorragende Arbeit der Lehrkräfte an Förderzentren in Abrede stellen wollen, sagte sie nach einem Treffen mit dem Verband Sonderpädagogik. In der März-Sitzung des Landtags hatte Wende erklärt: „Die Sonderschule, auch wenn sie euphemistisch als Förderzentrum bezeichnet wird, reduziert Teilhabechancen. Sie – die Sonderschulen beziehungsweise die Förderzentren – gelten in der öffentlichen wie in der wissenschaftlichen Diskussion als Einrichtungen mit kränkenden, belastenden, beschämenden, erniedrigenden Wirkungen, mit Stigmatisierungen.“

Der Verband Sonderpädagogik hatte deshalb eine Entschuldigung der Ministerin verlangt. Wende bedauerte im Gegenzug lediglich, „dass es zu Missverständnissen gekommen ist“. Die Landesvorsitzende des Verbandes, Angela Ehlers, zeigte sich nach Angaben des Bildungsministeriums erfreut über das klärende Gespräch.

Dessen ungeachtet wird sich der Landtag mit einem Missbilligungsantrag der CDU befassen. „Die Ministerin hat nächste Woche die Gelegenheit, sich öffentlich von ihren unmöglichen Aussagen zu distanzieren“, sagte CDU-Bildungsexpertin Heike Franzen. Die Unionspolitikerin forderte Wende zugleich auf, sich bei der Frage der Inklusion vom Behindertenbeauftragten des Landtags, Ulrich Hase, beraten zu lassen. Sie sei „schockiert“ über dessen Aussage, die Ministerin sehe ihn in der Inklusionsdebatte nicht als Ratgeber.

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