Betreuung: Der Streit ist da

Fritz-Reuter-Schule will Betreuungsklasse erhalten und zweites System einführen / Stadt sieht keine Chance

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23. Mai 2019, 16:05 Uhr

tornesch | Der Wunsch nach nachschulischer Betreuung an den Tornescher Grundschulen wird in den kommenden Jahren deutlich steigen. Soviel ist klar. Darüber, wie sie bedient werden kann, herrscht allerdings nach wie vor Ungewissheit. Und nicht nur das. Zwischen den Vertretern der Fritz-Reuter-Schule (FRS) und der Stadtverwaltung ist ein offener Streit über Chancen und Möglichkeiten des Fortbestehens der Betreuungsklasse entbrannt.

Offenkundig wurden die Differenzen während der Sitzung des Bildungs- und Sozialausschusses am Montagabend. Versuchten die Beteiligten während der vorangegangenen Sitzung im März noch, Einigkeit zu beweisen, schließlich verfolge man ja das selbe Ziel, war davon am Montag nicht mehr viel übrig. Die Verwaltung − in Person von Bürgermeisterin Sabine Kählert (parteilos) und Caroline Schultz aus dem Amt für Bürgerbelange und Schulangelegenheiten − warf der FRS-Leiterin Gudrun Rechter vor, die Stadt nicht einzubeziehen und sich nicht an Absprachen zu halten. Rechter wiederum bezeichnete das Vorgehen der Stadt als unmöglich und als gegen die Interessen der Schule gerichtet.

Doch worum geht es genau? Kern des Streits ist die Betreuungsklasse an der FRS. Oder besser gesagt deren Fortbestehen. Denn dass die Einrichtung, in der derzeit 170 Kinder nach Schulschluss betreut werden, ein großartiges Angebot darstellt und die Mitarbeiter eine tolle Arbeit leisten, ist Konsens. Doch die Klasse hat ihre Kapazitätsgrenze erreicht, wie die Leiterinnen Britta Huß und Ute Hauschildt seit Monaten betonen (unsere Zeitung berichtete). Zwar würden sie und ihr Team gern weitermachen, doch das besondere Konzept der Betreuungsklasse lasse sich mit weiteren Kindern nicht mehr umsetzen. Zwar hat die Politik deutlich gemacht, das Angebot erhalten zu wollen, gleichzeitig sollen für die Tornescher allerdings weitere Plätze für die nachschulische Betreuung an Grundschulen geschaffen werden. Ein schwieriges Unterfangen.

Rechter hatte deswegen vorgeschlagen, das Konzept der Betreuungsklasse an der FRS für die Erst- und Zweitklässler fortführen und für die älteren Schüler, die nicht mehr so eng umsorgt werden müssten, ein neues System einzuführen. Katja Koch, Leiterin des Amts für Bürgerbelange, hatte jedoch bereits im März erklärt, dass sie die Einführung von parallelen Betreuungssystemen an einer Schule kritisch sieht. Schultz bekräftigte diese Aussage am Montagabend. In einer Tischvorlage listete sie gleich eine ganze Reihe von Nachteilen auf. Fazit der Verwaltung: „Bereits jetzt ist abzusehen, dass eine 2-Träger-Lösung aufwendiger, unwirtschaftlicher und insgesamt deutlich teurer werden wird.“

Eindeutig ist laut Schultz auch die Rückmeldung aus Kiel. Das Bildungsministerium habe mitgeteilt, dass zwei unterschiedliche Betreuungsmöglichkeiten an einer Schule nicht möglich seien. „Die, die es haben, dürfen es eigentlich gar nicht“, sagte Schultz, die damit auf einen in der März-Sitzung von Rechter getätigten Hinweis auf bereits bestehende parallele Systeme einging.

Schultz und Kählert sagten, dass sich die Schulleiterin nicht an Absprachen gehalten habe. „Es ist die Schule, die mich nicht einbezieht“, sagte Schultz. Es sei vereinbart worden, dass über ein mögliches Ganztagskonzept mit der Verwaltung gesprochen wird, wenn Rechter und ihre Stellvertreterin Janina Hoop sich weiter mit dem Ganztagskonzept beschäftigt haben. „Stattdessen hat Frau Rechter das ursprüngliche Konzept zur nachschulischen Betreuung und Grundlagen vorgelegt und Voraussetzungen für den Weg zum offenen Ganztag aufgelistet ohne die Verwaltung, wie besprochen, einzubeziehen.“

Rechter konterte mit deutlichen Worten: „Sie haben uns mit der Schulrätin zusammen gegen die Wand geritten.“ Das Konzept der Schulleitung sei nicht mehr besprochen worden. „Es war von vornherein der Offene Ganztag, der es sein sollte. Alles, was wir aufgeschrieben haben, ist überhaupt nicht berücksichtigt worden.“ Sie und ihre Kollegin seien nun zur Schulrätin zitiert worden, sagte Rechter. „Ich finde das Vorgehen unglaublich.“ Rechter betonte, dass der Wunsch an der FRS ein anderer sei als in der Tornescher Verwaltung. „Sie möchten gerne den Offenen Ganztag, und das findet bei uns keine Mehrheit“, so Rechter.

Auch die Grünen äußerten Kritik am Vorgehen der Verwaltung. Die Untersuchung des nachschulischen Bedarfs sei rein auf Effizienz, nicht auf Qualität ausgelegt, sagte Lars Janzen. Er bezeichnete das Vorgehen als enttäuschend.

Kählert versuchte, die Wogen zu glätten. Sie erwarte an diesem Abend keine Entscheidung. „Uns ist die Angelegenheit viel zu wichtig, als dass wir etwas übers Knie brechen wollen“, sagte die Bürgermeisterin. Es gehe nicht darum, dass der eine oder andere gewinnt. „Wir wollen das beste für die Schüler“, so Kählert. Und dafür müssten sich alle Beteiligten bewegen.

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