Schiff zur Flüchtlingsrettung : Besichtigung in Kiel: Das Bündnis „United4Rescue“ angelt nach der „Poseidon“

Von der Kieler Förde ins Mittelmeer? Plan einer Spendenaktion unter Beteiligung der evangelischen Kirche für die „Poseidon“.
Von der Kieler Förde ins Mittelmeer? Plan einer Spendenaktion unter Beteiligung der evangelischen Kirche für die „Poseidon“.

Kirchliche Initiatoren des Bündnisses aus 250 Partnern wollen das Ex-Forschungsschiff für die Flüchtlingsrettung nutzen.

fju_maj_0203 von
17. Januar 2020, 06:20 Uhr

kiel | Die Pläne des aus kirchlichen Kreisen heraus gegründeten Bündnisses „United4Rescue“, das Forschungsschiff „Poseidon“ zur Flüchtlingsrettung im Mittelmeer einzusetzen, konkretisieren sich. „Wir finden das Schiff spannend“, sagte der Vize-Vorsitzende der Initiative, Michael Schwickart, am Donnerstag nach einer Besichtigung in Kiel.

Es ist wirklich ausreichend Luft an Bord, sowohl für Gerettete als auch die Crew. Michael Schwickart, „United4Rescue“
 

Zugleich sei es „ein Riesenvorteil“, dass die „Poseidon“ einen Schiffs-TÜV für die nächsten fünf Jahre besitze. „Da hätte man technisch erst mal Ruhe und wüsste, dass man sich ganz auf Hilfe für Menschen konzentrieren könnte.“

Umrüstung erfordert sechsstellige Summe

Das 44 Jahre alte Objekt der Begierde ist vom Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung ausgemustert worden. Es liegt am Ostufer der Landeshauptstadt am Kai. Das Land als Eigentümer will die „Poseidon“ meistbietend verkaufen und einen modernen Nachfolger in Dienst stellen. Das Bieter-Verfahren läuft noch bis Ende Januar. Wie viele Interessenten es gibt, war bei der mit dem Verkauf beauftragten Verwertungsgesellschaft des Bundes, „Vebeg“, am Donnerstag nicht zu erfahren.

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Mit dem Erwerb allein wäre es nicht getan, betonte der „United4Rescue“-Vorsitzende Thies Gundlach. Er geht davon aus, dass eine Umrüstung eine sechsstellige Summe erfordern würde. Die Helfer stellen sich darauf ein, Gerettete teils deutlich länger als eine Woche beherbergen zu müssen, bevor sie einen Hafen anlaufen könne.

Auch soll an Bord eine Krankenstation eingerichtet werden. Die jährlichen Betriebskosten schätzen die Initiatoren auf 1,5 Millionen Euro. Auf den Kaufpreis wollte sich am Donnerstag niemand festlegen; beim Auftakt der Spendenkampagne „#WirschickeneinSchiff “ Anfang Dezember hatten sie angedeutet, mit rund einer Million Euro zu rechnen.

Projekt innerhalb der Kirche strittig

Die Aktion wurde maßgeblich von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angestoßen. Mittlerweile zählt „United4Rescue“ 250 Partner – darunter Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ oder der Deutsche Gewerkschaftsbund ebenso wie Tanzschulen, Gemüsehändler oder die Band „Revolverheld“. „Wenn diese breite Beteiligung viele Menschen dazu bringt, über den Sinn der Seenotrettung von Flüchtlingen nachzudenken, ist schon viel gewonnen“, findet Schwickart.

Gundlach macht keinen Hehl daraus, dass das Engagement innerhalb der Kirche strittig sei. Es habe daraufhin sogar Austritte gegeben, allerdings auch Eintritte gerade jüngerer Leute.

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Mangels eigener Erfahrung auf See möchte „United4Rescue“ die Fahrten der Zivilorganisation „Sea Watch“ überlassen. Sie hat nach eigenen Angaben mehr als 37 000 Flüchtlinge auf dem Mittelmeer vor dem Ertrinken bewahrt und war in Kiel mit dabei. Selbst für den Fall, dass „United4Rescue“ keinen Zuschlag kriegt, hält es an dem Plan fest, im Frühjahr ein Schiff ins Mittelmeer zu schicken. Man habe vier Alternativen „zwischen Norwegen und Griechenland“ im Blick, ließ Schwickart durchblicken, betonte aber: Die „Poseidon“ sei in der Favoriten-Rolle.

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