„Bei Verdacht anrufen“

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Coronavirus-Epidemie: Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg mahnt zu richtigem Verhalten

Margret Kiosz von
31. Januar 2020, 18:23 Uhr

Kiel | Das Wochenende stand ganz im Zeichen der Infektionen mit dem Corona-Virus. Während sich in China die Epidemie ausweitet, ist im Norden die Lage noch ruhig – trotzdem sind auch die Schleswig-Holsteiner beunruhigt. Unsere Mitarbeiterin Margret Kiosz sprach mit dem Gesundheitsminister des Landes, Heiner Garg (FDP), darüber, wie die Gefahr einzuschätzen ist und was jeder einzelne jetzt tun kann.

Herr Minister, Weltgesundheitsnotstand, infizierte Menschen auch in Deutschland, Mundschutz ausverkauft – haben Sie Angst?

Heiner Garg: Nein. Aber wir haben international eine außergewöhnliche Situation und tun gut daran, diese sehr ernst zu nehmen. Und das tun wir in Schleswig-Holstein.

Was machen Sie konkret?

Das Gesundheitsministerium ist Bindeglied zwischen der Bundesregierung, dem Robert Koch-Institut und den Beteiligten auf Landesebene: Zu unseren Aufgaben gehört einerseits die Information der Gesundheitsämter, der Ärzteschaft und der Kliniken im Land. Wir können dabei auf ein bewährtes System zurückgreifen. Andererseits greifen wir die Erfahrungen vor Ort auf und sind koordinierend tätig.


Worauf kommt es dabei an?

Wichtig ist, dass bei einem Infektionsverdacht die Person wirksam isoliert wird und eine rasche Abklärung erfolgt. Am UKSH werden jetzt zusätzliche Diagnostik-Möglichkeiten starten, die das Testverfahren nochmals beschleunigen. Zudem kommt es auf kontaktreduzierende Maßnahmen, Schutzkleidung bei medizinischem Personal und Desinfektionsmaßnahmen an.
Wann ist ein Verdacht auf die Virusinfektion begründet?

Eine weitere diagnostische Klärung ist laut Robert Koch-Institut dann angezeigt, wenn zwei Voraussetzungen zusammenkommen: Erstens Atemwegserkrankungen und zweitens eine zurückliegende Reise in ein Risikogebiet (derzeit Provinz Hubei in China) oder ein direkter Kontakt zu einem bestätigten Fall. Ärztinnen und Ärzte können in Abstimmung mit dem jeweiligen Gesundheitsamt auch darüber hinaus Abklärungen veranlassen, wenn sie es im Einzelfall für sinnvoll halten.


Müssen Patienten mit Verdacht zwingend in einer Klinik diagnostiziert und isoliert werden?

Nein. In Abstimmung zwischen Gesundheitsämtern und Hausärztin oder Hausarzt vor Ort können sie auch zu Hause isoliert bleiben. Ob die Aufnahme in ein Krankenhaus erfolgt, hängt in erster Linie von Gesundheitszustand und Verlauf ab. Bei einem Verdacht sollten Bürger telefonisch Kontakt mit ihrem Hausarzt oder unter 116 117 aufnehmen. Kontraproduktiv wäre es, in ein volles Wartezimmer zu rennen und so potenziell andere anzustecken.


Wie kann ich mich als Bürger in Schleswig-Holstein schützen?

Die Antwort ist einfach: Hygiene-Maßnahmen einhalten, Abstand wahren, in den Ärmel husten und nicht in die Hand. Und das gilt auch für die Grippe, die rational betrachtet im Moment bei uns die deutlich größere Gefahr darstellt. Ich hoffe, dass zukünftig noch mehr Menschen unserem Impfaufruf folgen, denn gegen die Grippe gibt es eine Impfung.

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