Bei sengender Hitze – es fährt ein Zug nach Nirgendwo

Margret Kiosz von
02. August 2018, 13:04 Uhr

Bahnfahren ist eine Herausforderung – besonders an diesen heißen Tagen. Bernhard Fleischer aus Sehestedt im Kreis Rendsburg-Eckernförde berichtet von einer ungewöhnlichen Odyssee am 28. Juli, bei der er sein Reiseziel nie erreichte:

„Der IC 2229 verließ Kiel mit einer Verspätung von 110 Minuten. Grund war eine defekte Lok, so dass während der Wartezeit auch die Klimaanlage ausgefallen war, draußen hatten wir 30 Grad. Schlimmer dran war wohl der Lokführer, er musste beim Wechsel des Zugfahrzeuges mehrere hundert Meter im Laufschritt durch das Gleisbett um die Lok anzukoppeln.

Bei der Abfahrt informierte uns der Zugbegleiter lautstark und ungehalten über die unzumutbaren Arbeitsbedingungen mit sehr viel Überstunden und dem Fehlen von einer großen Anzahl von Fahrzeugführern, wir sollten uns doch bewerben, um diese Missstände erträglicher zu machen.

Die Fahrt ging dann bis kurz vor Elmshorn, der Zug wurde langsamer, und ein Aufschrei erfolgte durch die Lautsprecher: „Hilfe, ich kann nicht mehr, ich muss hier raus.“ Es stellte sich heraus, das der Lokführer zusammengebrochen war, wir rollten langsam bis in den Bahnhof, dort wurde der Mann mit einer Trage abtransportiert. Der Zugbegleiter empfahl, schnell auszusteigen und den Zug gegenüber zumindest bis nach Hamburg zu nutzen da er nicht wisse, wie lange wir auf einen Lokführer warten müssen.

Also das Gepäck geschnappt und raus, doch die Türen des gegenüberliegenden Zuges ließen sich nicht mehr öffnen, also wieder zurück, alles in sengender Hitze.

Nach einer weiteren halben Stunde ging es weiter Richtung Hamburg, dort angekommen, die nächste Überraschung: Der Zug wird wegen eines Unwetters umgeleitet, Fahrgäste Richtung Bremen sollten aussteigen, dann die Nachricht, dass der Zugverkehr nach Bremen an diesem Tag eingestellt werde.

In meinem Fall war nun alles verloren. Ich wollte nach Vegesack, um dort den 25. Geburtstag meines jüngsten Sohnes zu feiern. Dafür war jetzt alles zu spät. Ich entschloss mich, zurück nach Kiel zu fahren.

Der RE 7 um 16:45 hatte bereits bei der Einfahrt 15 Minuten Verspätung und der Bahnsteig war brechend voll, wie insgesamt auf dem HH-Hauptbahnhof das totale Chaos herrschte. Nachdem Menschen, Rollstuhlfahrer, Kinderwagen, alte Menschen und Behinderte einsortiert waren (viele mussten stehen, überall Gepäck), ging es 25 Minuten später los, bis Elmshorn sogar zügig.

In der Höhe Neumünster wurde der Zug langsamer und blieb stehen, Durchsage: Stromausfall und der Versuch langsam noch Neumünster zu erreichen. Das klappte auch, da ich aber nicht mehr das Risiko eingehen wollte, dass der Zug bei Weiterfahrt erneut stehen bleibt, stieg ich aus, rief meine Frau an, und die holte mich 45 Minuten später ab.

Um 20:00 Uhr war ich dann endlich wieder zuhause. Ich bin 73 Jahre alt und habe beim Bahnfahren schon viel erlebt, aber diesen Tag werde ich nicht vergessen.“

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