Bayern-Boss Rummenigge rechnet mit dem DFB ab

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20. Juli 2018, 13:43 Uhr

Joachim Löw präsentierte dem DFB-Präsidium in Frankfurt gerade eine „detaillierte Analyse“ des historischen WM-Desasters – da holte Karl-Heinz Rummenigge (Foto) 400 Kilometer entfernt in München zu einem Rundumschlag gegen die DFB-Spitze um Reinhard Grindel aus. „Mir fehlt die professionelle Handhabe der Krisensituation. Es wundert mich aber auch nicht, der DFB ist durchsetzt von Amateuren. Mir fehlt da die Fußballkompetenz“, polterte der Vorstandschef des FC Bayern und brachte kurzerhand Ex-DFB-Kapitän Philipp Lahm als Vizepräsidenten des Verbands ins Gespräch.

Bundestrainer Löw nahm Rummenigge trotz des Versagens der Nationalelf in Russland von seiner harschen Generalkritik aus. „Er hat zwölf Jahre einen überragenden Job gemacht, ist Weltmeister geworden – einem solchen Mann ist man ein Stück weit zur Dankbarkeit verpflichtet“, betonte der 62-Jährige.

Löw trieb derweil die Aufarbeitung der WM-Pleite voran. Konsequenzen präsentierte er nach einer zweitägigen Klausur mit seinen Assistenten Marcus Sorg und Thomas Schneider sowie mit DFB-Direktor Oliver Bierhoff öffentlich noch nicht. Über personelle Veränderungen in der DFB-Elf und in deren Umfeld werde er erst Ende August informieren, hieß es. Bekannt wurde gestern einzig, dass der 75-jährige Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt nach mehr als 20 Jahren seine Tätigkeit als Arzt der DFB-Auswahl beendet.

Klare Worte wählte Löw in Richtung Lahm, der zuvor seinen Führungsstil in Frage gestellt hatte. „Ich habe Philipps Aussagen vernommen. Ich finde das in der Art und Weise nicht richtig. Wir wissen genau, wie wir mit jungen Spielern kommunizieren müssen, und welchen Führungsstil sie brauchen“, sagte der Bundestrainer. Das Thema Mesut Özil blockte der 58-Jährige dagegen ab.

Rummenigge redete sich derweil in Rage und geißelte die Führungsstruktur beim Verband. Zu den Beratungen am Donnerstag seien „die ganzen Landesfürsten eingeladen und dann offensichtlich mit viel Valium beruhigt worden. Aber das ist nicht der Ansatz, eine Krise zu bewältigen“, wetterte Rummenigge. Mit einer expliziten Rücktrittsforderung an Grindel wollte er seine Schelte jedoch nicht verbinden: „Ich fordere gar nichts, ich stelle nur fest, dass beim DFB Amateure das Geschehen übernommen haben.“

Grindel zeigte sich von der Rummenigge-Kritik unbeeindruckt und erklärte lediglich: „Ich persönlich arbeite mit Karl-Heinz Rummenigge sehr gut zusammen. Wir stimmen uns über sportliche und sportpolitische Fragen regelmäßig ab. Und ich bin ganz sicher, dass wir an dieser guten Zusammenarbeit festhalten werden“

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