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Rader Hochbrücke : Bauarbeiten auf der Zielgeraden

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Not-Sanierung der Rader Hochbrücke soll Ende November fertig sein – mit 2,7 Millionen Euro wird sie teurer als erwartet

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Gute Nachrichten von der Rader Hochbrücke: Spätestens am 30. November soll der Verkehr wieder normal rollen. Ein Segen für alle staugeplagten Pendler und die von Umwegen gestressten Lastwagenfahrer. „Wir sind auf der Zielgeraden“, sagte Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) gestern in Borgstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) bei einen Besuch der Baustelle.

Das absehbare Ende der Sanierungsarbeiten ist gleichzeitig der Startschuss für die Zukunftsplanungen: Ein Gutachten soll jetzt klären, wie lange die gerade reparierte Brücke noch halten wird. „Wenn die Lebensdauer nur noch 15 bis 20 Jahre beträgt, sollten wir gemeinsam mit dem Bund zügig in die Vorplanungen für ein Ersatzbauwerk einsteigen“, mahnte der Minister.

Laut Torsten Conradt, Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV), wird das Gutachten, bei dem es nicht nur um die Pfeiler geht, sondern auch die Stahlkonstruktion, auf der die Fahrbahn liegt, in der ersten Hälfte 2014 fertig sein. Einfließen sollen neben aktuellen statischen Berechnungen auch Prognosen über die Zunahme des Verkehrs.

Bei der Sanierung konnte der Kostenrahmen, ursprünglich auf eine Million Euro taxiert, nicht eingehalten werden. Die Arbeiten an den maroden Brückenpfeilern werden 2,7 Millionen Euro kosten. „Wir haben eine Menge Überraschungen erlebt, was die Schwere der Schäden angeht“, erklärte Meyer.

Erst vor wenigen Tagen hatte ein Arbeiter, der den Brösel-Beton im Inneren eines Brückenpfeilers abstemmte, die Wand durchstoßen und konnte nach draußen sehen. Das Loch musste zugegossen werden. Ansonsten werden die abgetragenen Schichten durch Spritzbeton ersetzt, bei 18 der 28 Pfeiler sind diese Arbeiten bereits abgeschlossen. „Teilweise waren sieben Durchgänge notwendig“, so Meyer.

Für die Arbeiter bedeutet die Tätigkeit Lärm, Stress und Dreck. Über Leitern steigen sie im Inneren der Pfeiler von Plattform zu Plattform. „Der Spritzbeton wird in Pulverform durch ein Rohr gepresst, an der Austrittsdüse wird Wasser zugemischt“, erklärt Hans-Ulrich Ehlert, Sachgebietsleiter Brückenbau beim LBV. „Damit der Beton auch jetzt noch rechtzeitig aushärtet, heizen wir die Pfeiler.“ Am Ende der Arbeiten werde mit Probebohrungen geprüft, ob sich der alte mit dem neuen Beton richtig verbunden hat.

Bleiben werden die massiven Stahlkorsetts. Sie sind laut Meyer „absolut notwendig“ und markieren an allen Pfeilern den Punkt, an dem der massive Beton der Spitze in die Wände des ansonsten hohlen Pfeilers übergeht. „Dieser Betonklotz übt seitlichen Druck auf die Wände aus“, sagt Brückenexperte Ehlert. Um die Kräfte nach unten zu leiten, pressen Schellen den Klotz mit 70 Tonnen zusammen.

Bauwerke wie die Rader Hochbrücke werden laut DIN-Norm 1076 alle sechs Jahre einer Hauptprüfung unterzogen. In diesem Fall war 2009 der letzte „Große Tüv“. Dabei wurde laut Ministerium ein gewisser Sanierungsbedarf ermittelt, wobei die Statik als in Ordnung eingestuft wurde. Bei den daraus resultierenden Sanierungsarbeiten wurden dann Ende Juli die schweren Schäden in den Pfeilern entdeckt. Für den Pfusch an der 40 Jahre alten Brücke kann niemand mehr verantwortlich gemacht werden. „Da sind alle Fristen verstrichen“, betonte Meyer. Zudem sind beteiligte Unternehmen wie die Philipp Holzmann AG Geschichte, andere wie Rheinstahl-Eggers-Kehrhahn fusionierten mit Thyssen. In ihren ursprünglichen Planungen hatten die Firmen angegeben, dass die Brücke 80 bis 100 Jahre halten sollte. Meyer: „Damals war aber nicht mit dem Verkehrsaufkommen gerechnet worden, das wir heute haben.“

Die Kosten für die Sanierung, zu der auch die Instandsetzung der Fahrbahnübergänge zwischen Brücke und Rampen gehört, trägt der Bund.

 

 

 

 

 



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