Bade-hauptstadt Kiel : Baden verboten in der Kieler Förde

Eine willkommene Abkühlung: Die Kieler springen von den Stegen der Ruder- und Kanuklubs an der Kiellinie in die Förde.
Eine willkommene Abkühlung: Die Kieler springen von den Stegen der Ruder- und Kanuklubs an der Kiellinie in die Förde.

Die Stege der Kanu- und Ruderklubs sind aktuell besetzt von Sonnenanbetern und Wasserratten. Dabei ist das eigentlich gesetzeswidrig.

shz.de von
01. August 2018, 18:25 Uhr

Die Kieler Rathausfraktionen überbieten sich derzeit mit Vorschlägen und kreativen Ideen rund um eine Bademöglichkeit im Bereich der Innenförde. Im Gespräch ist ein Badeschiff wie in Berlin in der Spree, eine Badestelle nach dem Modell der Stadt Århus oder ein aufgeschütteter Strand (wir berichteten).

Während die Politiker noch diskutieren und sich gegenseitig die Ideen madig machen, haben die Kieler längst eine Lösung. Um Abkühlung in diesen Hundstagen zu bekommen, springen sie von den Stegen der Ruder- und Kanuklubs an der Kiellinie in die Ostsee. Schon weit vor Mittag sind alle Plätze auf den Holzplanken belegt, Studenten und Familien mit Kindern, aber auch etliche Senioren haben ihre Handtücher als Platzhalter ausgebreitet, während sie ins kühle Nass springen.

Dumm nur: Das ist offiziell verboten. „Laut Hafenbenutzungsordnung der Landeshauptstadt Kiel (HafBenO §17 Absatz 2) ist das Baden im Bereich der öffentlichen Hafengewässer nicht erlaubt“, teilt Stadtsprecher Arne Ivers mit und droht: „Wer von der Wasserschutzpolizei dabei erwischt wird, muss mit einem Ordnungswidrigkeitenverfahren rechnen“. Nur das Seebad Düsternbrook, der Marinehafen und die Werften gehörten nicht zum öffentlichen Hafengewässer – wohl aber die Stege an der Kiellinie.

Doch offenbar hat die Wasserschutzpolizei Mitleid mit den schwitzenden Kielern. Bislang konnte kein illegal Schwimmender ausgemacht werden, der ein Knöllchen bekommen hat. Strafaktionen wären auch deshalb zwiespältig, weil selbst die Schüler, die im städtischen Segelcamp das Lenken eines Optis lernen, scharenweise mit ihren orange-farbenen Schwimmwesten zur Abkühlung ins Wasser hüpfen.

Die Verlockung, an der Kiellinie ins Wasser zu springen, ist allerdings auch groß: Anders als in der etwa 500 Meter Luftlinie entfernten Seebade-Anstalt ist das Vergnügen kostenfrei, und man muss sich nicht durch Prosecco schlürfende Restaurantgäste der Seebar den Weg zum Wasser bahnen.

„Bei dieser Hitze wollen meine drei Kinder jeden Tag ins Wasser und ich auch. Zehn Euro würde das jedes Mal kosten, das ist mir zu viel“, erzählt ein Vater.

Gefährlich sei das Vergnügen nicht, da die Fördedampfer in weitem Abstand von der “Badestelle“ vorbeifahren und auch niemand im Wasser sei, wenn die großen Kreuzfahrtschiffe anlegen.

Nur das Springen von den gut sechs Meter hohen Festmachern am Ostseekai erlaubt er dem Nachwuchs nicht – auch dann nicht, wenn kein weißer Riese an der Kaikante liegt. Zum Ärger seiner Kids, die sehnsuchtsvoll die waghalsigen Sprünge ihrer Altersgenossen von den großen Pollern beobachten. Hier ist offenbar der Reiz des Verbotenen größer als die Furcht vor Verletzungen.

Zumal es hier – anders als an den für Schwimmer freigegebenen Stränden und Badestellen – keine Aufsicht durch Rettungsschwimmer gibt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen