Nach Unfall auf der A1 : Autofahrer wendeten durch Rettungsgasse: Ein Lübecker hat das gefilmt

Norbert Lehmkuhl (53) filmte die Rettungsgassen-Sünder, jetzt ermittelt die Polizei.
Norbert Lehmkuhl (53) filmte die Rettungsgassen-Sünder, jetzt ermittelt die Polizei.

Ein Lübecker hat gefilmt, wie sich Autofahrer rechtswidrig verhielten. Nun wird er im Netz stark angefeindet.

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16. Mai 2019, 21:42 Uhr

Lübeck | Nach einem Unfall am Dienstag auf der A1 bei Lübeck bildeten die Autofahrer zwar vorbildlich eine Rettungsgasse, doch die nutzten am Ende etliche Fahrer selbst, um dem Stau zu entkommen. Jetzt ermittelt die Polizei gegen sie, denn es gibt Beweismaterial.

Weiterlesen: Nach Unfall auf der A1: Autofahrer fuhren durch Rettungsgasse zurück

Norbert Lehmkuhl (53) aus Lübeck, Chef einer Baufirma, hat einige der Übeltäter gefilmt. Den Missbrauch der Rettungsgasse veröffentlichte er bei Facebook, wo die sechs Videos bis gestern 1,5 Millionen Mal angeschaut wurden.

Es war wie bei den Lemmingen: Einer wendete und sofort folgten ihm andere. Nach rund 30 Wagen habe ich die Handy-Kamera draufgehalten. Norbert Lehmkuhl (53) aus Lübeck, Chef einer Baufirma
 

Zu sehen sind ein Audi mit Hänger, ein schwarzer Porsche Cayenne und eine weiße C-Klasse. Auch ein gelber DHL-Transporter fährt durch die Gasse, in der Menschen stehen, die sich nach anderthalb Stunden im Stau die Beine vertreten. Während er filmt, kommentiert Lehmkuhl:

Ich glaub es nicht, jetzt drehen die hier auf der Autobahn, die Idioten Norbert Lehmkuhl (53) aus Lübeck, Chef einer Baufirma
 

Und: „Wie im Wilden Westen, die sind doch bescheuert.“ Besonders fassungslos machte ihn, dass auch ein Vater mit seinem Sohn auf dem Beifahrersitz entgegen der Fahrtrichtung durch die Rettungsgasse fuhr.

Autofahrer pöbeln zurück

Einige Autofahrer hat Lehmkuhl angesprochen – und ist angepöbelt worden. „‚Mach die Fresse zu‘ war da noch harmlos“, berichtet er. Auch in den sozialen Netzwerken wird er jetzt teilweise angefeindet, weil die Kennzeichen der wendenden Wagen zu erkennen sind. „Ich habe die Polizei gefragt, ob ich das Material wieder löschen sollte. Mir wurde erklärt, die Veröffentlichung verstoße nicht gegen Gesetze, weil sie den Ermittlungen diene.“

Landespolizei wollte das nicht bestätigen

Auf Nachfrage wollte das Landespolizeiamt das gestern so nicht bestätigen. Eine Prüfung dazu laufe beim Datenschutzbeauftragten, erklärte Sprecher Dennis Schneider und fügte hinzu: „Grundsätzlich wäre der Polizei daran gelegen, wenn solches Material direkt zu ihr käme.“

Natürlich hat Norbert Lehmkuhl die Videos auch der Polizei übergeben. Die sucht nun nach weiterem Material, hat dazu eigens das Internet-Hinweisportal der Landespolizei freigeschaltet. „Dort sind bereits neue Filme und Fotos eingegangen, die derzeit gesichtet werden“, sagte Polizeisprecher Stefan Muhtz.

Wer auf der Autobahn gegen die Fahrtrichtung fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss laut Muhtz mit 200 Euro Strafe, zwei Punkten und einem Monat Fahrverbot rechnen. Im A1-Fall sei jedoch noch nicht abschließend geklärt, ob Lehmkuhls Videos vielleicht Teil der Polizei-Aktion zur Auflösung des Staus gewesen sind. „Um 11.15 Uhr haben wir damit begonnen, Autofahrer aufzufordern zu wenden“, so Muhtz.

Scharfe Kritik an Rettungsgassen-Sündern

Lehmkuhl versichert, vor 11.15 Uhr gefilmt zu haben.

Da war kein Polizist, das lief ja eher chaotisch ab. Norbert Lehmkuhl (53) aus Lübeck, Chef einer Baufirma
 

„Erst gegen 12.20 Uhr kamen Beamte zu mir an den Wagen und erklärten, dass wir gegen die Fahrtrichtung die 850 Meter zum Kreuz Lübeck fahren sollen. Diese Strecke waren die Autofahrer, die ich gefilmt habe, wild unterwegs.“

Der ADAC in Kiel kritisiert die Rettungsgassen-Sünder scharf. Sprecher Ulf Ewert: „Man muss sich schon fragen, ob solche Leute charakterlich geeignet sind, ein Kfz zu führen. Wer das macht, blockiert die Rettungsgasse. Kein Termin kann doch so wichtig sein, dass man das Leben von Unfallopfern riskiert.“ Der ADAC fordert deshalb, das Vergehen zu einer Straftat hochzustufen.

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