Aus für beliebte Deckel-Aktion

Dennis Kissel,  Chef AWL Abfallwirtschaftsgesellschaft Herzogtum Lauenburg in einem Container voller Deckel.
Dennis Kissel, Chef AWL Abfallwirtschaftsgesellschaft Herzogtum Lauenburg in einem Container voller Deckel.

Zigtausende Plastikverschlüsse wurden bereits für den Kampf gegen Polio gesammelt – jetzt lohnt es sich nicht mehr

Margret Kiosz von
17. Juni 2019, 12:34 Uhr

Kiel | Fünf Jahre haben alle am Deckel gedreht und gesammelt: in Kitas und Schulen, beim Bäcker, bei der Feuerwehr und im Büro, in der Kaserne und im Altersheim. Doch jetzt geht die Aktion „Deckel gegen Polio“ der Rotary-Clubs im Norden zu ende. Nur noch bis 30. Juni können Sammler ihre Kunststoffdeckel von Ein- und Mehrwegflaschen und Getränkekartons bei den Sammelstellen und den Recyclinghöfen abgeben. Mit dem Erlös von 500 Stück kann der Polio-Impfstoff für eine Person bezahlt werden.

Der Grund für das überraschende Ende der Aktion: Durch das kürzlich verhängte chinesische Importverbot für Kunststoffabfälle ist eine derart große Menge auf dem Markt, dass die Preise für Sekundärrohstoffe extrem gesunken sind. Darüber hinaus müssen laut einer EU-Verordnung künftig Plastikdeckel untrennbar mit der Flasche verbunden sein, so dass mittelfristig ohnehin das Sammelmaterial ausgehen wird.

Jung und alt sind traurig, dass die Sammlung aufgegeben wird. Seit dem Start der Aktion „Deckel gegen Polio“ im August 2014 sind ungefähr 452 Millionen Deckel verwertet worden. In Deutschland hatte Dennis Kissel vom Rotary-Club Herzogtum Lauenburg-Mölln die Idee, die recycelbaren Verschlüsse von Plastikflaschen zu sammeln, entsprechend startete die Pilotphase in Schleswig-Holstein. Doch schon bald wurde bundesweit gesammelt.

Aus dem Erlös der verwerteten Deckel konnten über bundesweit 905 121 Schluck-Impfungen finanziert werden. Die Kunststoffverschlüsse bestehen nämlich aus einem hochwertigen und gut recyclingfähigem Material (High Density Polyethylen HDPE). In einem Recyclinghof in Lüneburg wurden sie zu Granulat verarbeitet. Daraus werden zum Beispiel Gartenmöbel hergestellt, berichtet Kissel, Motor der Sammelaktion im Norden, der auch Chef der Abfallwirtschaftsgesellschaft Herzogtum Lauenburg (AWL) ist. Durch die Zusage der Bill & Melinda Gates Stiftung, jeden gesammelten Betrag zu Gunsten von „End Polio Now“ zu verdreifachen, sind es sogar mehr als 2,7 Millionen Schluck-Impfungen (Stand 1. April 2019).

Ihren Teil dazu haben auch die Menschen im Norden beigetragen. Mitgemacht haben fast alle. So sammelten die Soldaten des Seebataillons in Eckernförde in zehn Monaten 62 500 Plastikschraubverschlüsse mit einem Gewicht von 125 Kilogramm, und die Mitarbeiter der Mürwiker Werkstätten in Flensburg sammelten so viele Deckel, dass 2000 Chargen Impfstoff bezahlt werden konnten.

Zwar wird die deutsche Aktion „Deckel gegen Polio“ beendet, doch die Rotarier wollen ihr Projekt „End Polio Now“ mit dem Ziel der weltweiten Ausrottung der Kinderlähmung weiterhin unterstützen. In Deutschland gilt Polio als ausgerottet, weltweit gibt es jedoch mit Afghanistan, Pakistan und Nigeria noch drei Länder, in denen die Krankheit auftritt. In Nigeria wurden seit zwei Jahren keine Neuerkrankungen mehr gemeldet, in Afghanistan und Pakistan dagegen stiegen die Fälle wieder leicht an.

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