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Aufräumen im Wald für den Küstenschutz

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Während die Waldbesitzer fieberhaft Ordnung in die Forste bringen, sammeln Wasserbauer Zweige für Brandung brechende Bauten

Kurios: Auf der einen Seite peitschen die Stürme das Meer auf, lassen es an den Küsten nagen – auf der anderen liefern die Unwetter wertvolles Material für den Küstenschutz.

So bei den beiden Orkanen „Christian“ und „Xaver“, die Ende Oktober und Anfang Dezember über Schleswig-Holstein jagten. Ganze Waldflächen – vor allem im Norden und Nordwesten des Landes – wurden niedergeworfen. Im Drelsdorfer Forst etwa, rund 30 Kilometer von der nordfriesischen Nordseeküste entfernt, klauben derzeit zwei Nordstrander Wasserbaukolonnen des Husumer Landesbetriebs für Küstenschutz die Zweige von Nadelhölzern zusammen. Die werden zu Faschinen gebunden. Aus den Reisigbündeln werden wiederum Lahnungen errichtet, die vor der Nordseeküste die Brandung brechen und die Strömung bremsen sollen.

„Die Vollerntemaschinen sind schon durch den Wald durchgefahren, die Baumstämme wurden bereits abtransportiert“, berichtet Hans-Dieter Schultz, Leiter des Baubetriebs auf Nordstrand. „Und wir sammeln jetzt die Überbleibsel.“ Im Drelsdorfer Forst sei dies eine Gewinnsituation für die Landesforsten wie für den Küstenschutz. Schultz: „Wir erhalten das Material und räumen dabei gleichzeitig im Wald auf.“

Bis zum Herbst fehlten den Küstenschützern noch 2500 Großbunde – ein Großbund umfasst ein Bündel von etwa 15 Faschinen. „Die Firmen konnten einfach nicht liefern“, berichtet Schultz. „Da mussten wir uns etwas einfallen lassen.“ So folgte nach „Christian“ und „Xaver“ ein Anruf beim Förster, der sich über das Angebot des „Aufräumens“ gefreut habe.

Hintergrund: Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) in Husum sei mit einem Jahresbedarf von 15 000 bis 20 000 Großbunden einer der größten Faschinen-Verbraucher in ganz Europa – und damit auf Importe angewiesen, erklärt LKN-Sprecher Dr. Hendrik Brunckhorst. Die gleiche für beide Seiten Vorteile bringende Zweige-Sammelaktion habe es im Langenberger Forst bei Leck sowie kurzzeitig auch in einem Privatforst am nordfriesischen Stollberg gegeben.

Der Blick auf den Küstenschutz darf aber nicht über die gewaltigen Schäden hinwegtäuschen, die beide Herbst-Orkane 2013 auch im Binnenland angerichtet haben. Derzeit wird im Norden Schleswig-Holsteins gesägt, was das Holz hergibt. Ganze Wälder wirken wie niedergemäht. „Vor allem in Nordfriesland und entlang der Schleswigschen Geest sind die betroffenen Flächen größer als anfangs gedacht“, sagt Jens Fickendey-Engels, Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Waldbesitzerverbandes in Kiel. Von den 3600 Hektar Wald in dieser Region, der hier auf fast 1000 Eigentümer aufgeteilt ist, müssten 1100 Hektar komplett neu aufgeforstet werden. Die Kosten lägen bei sieben bis acht Millionen Euro in den kommenden drei Jahren.

Schleswig-Holstein ist mit seinen etwa 160 000 Hektar Wald – das sind 10,3 Prozent der Landesfläche – das waldärmste Bundesland. Der Großteil davon, etwa 100 000 Hektar, befindet sich in der Hand von Kommunen und Privateigentümern, die der Waldbesitzerverband vertritt. Und immer noch müssten in vielen Wäldern labil stehende Bäume gefällt werden. „Aber die Arbeiten schreiten voran“, sagt Fickendey-Engels. „Die Leute sollen doch bald wieder in die Wälder gehen können.“

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erstellt am 19.Feb.2014 | 13:06 Uhr

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