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Elektrogeräte : Auf der Suche nach eingebauten Fehlern

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wenn Elektrogeräte zu früh den Geist aufgeben, vermuten Verbraucher oft eine Sollbruchstelle. Stiftung Warentest hat sich nun auf die Suche nach diesen gemacht.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2013 | 13:59 Uhr

Seit 1924 ist das Misstrauen bei Verbrauchern gesät. Damals verabredete das sogenannte Phoebuskartell, die Lebensdauer von Glühbirnen absichtlich auf 1000 Stunden zu beschränken. Spätestens seit Bekanntwerden dieser Absprachen glauben viele Verbraucher, dass Hersteller ihren Geräten den frühen Tod schon werkseitig einbauen – und dies nicht nur bei Glühbirnen.

Die Stiftung Warentest wollte es jetzt genau wissen. In der aktuellen September-Ausgabe des Magazins „test“ haben die Experten Dauertests der vergangenen zehn Jahre ausgewertet. Einen Hinweis darauf, dass Hersteller „den Murks gezielt zusammenbauen“, konnten die Tester nicht finden. Schwachstellen würden nicht gezielt eingebaut, damit sie vorzeitig kaputt gehen. Auch räumen die Experten mit der Vorstellung auf, dass Geräte heute schneller oder häufiger kaputt gingen als früher.

Sehr wohl planten die Firmen jedoch eine genaue Lebensdauer für ihre Produkte – bedingt durch den natürlichen Verschleiß der verwendeten Bauteile. Stiftung Warentest beklagt hier vor allem mangelnde Transparenz. Denn nur wenn der Nutzer weiß, welches Nutzungsverhalten der Hersteller unterstellt, kann er das Gerät optimal – und das hieße lange – nutzen. Zumindest ein Indikator soll der Preis sein: „Billige Geräte sind oft schneller Schrott als teure.“ Bei vielen Produkten gebe es Preisgrenzen, unterhalb derer das Risiko des frühen Ablebens hoch sei.


Tricks für mehr Umsatz


Das Phoebuskartell hat sich in den 40er Jahren aufgelöst, doch der Glaube an eine Verschwörung der Produktindustrie ist immer wieder Gegenstand von Studien. Anfang letzten Jahres kritisierte beispielsweise Greenpeace in einer Studie den Einbau von „Lebensuhren“ in Produkten. Ein Gutachten im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen nannte Anfang dieses Jahres diverse Punkte für vermeidbaren Verschleiß. All diese Studien liefern jedoch nur Belege für Geräteherstellung in Zeiten der Wegwerf-Gesellschaft. Und auch Stiftung Warentest verweist so auf die zahlreichen Tricks, mit denen der Umsatz der Hersteller angekurbelt werden kann – ganz ohne geplanten Produkttod. Bei Elektrogeräten sei so beispielsweise oft die Wärmeentwicklung ein Problem. Die Elektrolytkondensatoren hielten die Hitze im Gerät jedoch nur eine begrenzte Zeit aus. Robustere Konstruktionen könnten die Lebensdauer verlängern. Durch den Einsatz von Spezialwerkzeugen werde verhindert, dass Verbraucher Geräte in Eigenregie reparieren können. Und festeingebaute Akkus machen einen Ersatz des Bauteils und eine Reparatur des Gerätes meist unmöglich. Den Zahlen von Stiftung Warentest zufolge stieg der Anteil der Handys mit fest eingebautem Akku seit 2010 drastisch. Lag er damals bei vier Prozent, liegt er in diesem Jahr bereits bei 36 Prozent.

Oft bedarf es aber offenbar auch keiner Tricks. Dies legt zumindest eine weitere Erhebung von Stiftung Warentest nahe, derzufolge kaufen 42 Prozent der Nutzer innerhalb von zwei Jahre ein neues Handy, 56 Prozent kaufen es innerhalb von drei Jahren – 40 Prozent dieser Verbraucher machen das aber nur, weil sie das neue Gerät für besser halten.

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