Auf der Jagd nach neuen Jägern

Mehr Zulassungen im Norden – aber nur wenige Mitglieder organisieren sich

shz.de von
12. Oktober 2018, 20:19 Uhr

So viele gab es noch nie. 2017 hatten in Schleswig-Holstein 22 650 Menschen einen Jagdschein. Elf Jahre zuvor waren es nur 18 309. „Es gibt immer mehr junge Leute, die sich für die Natur und die Jagd interessieren, vor allem auch Frauen“, sagt Rene Hartwig vom Landesjagdverband (LJV) in Flintbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde). „Dazu verzeichnen wir viele ältere, die sich vielleicht noch einmal ihren Lebenstraum erfüllen. Die Lehrgänge sind voll.“

Von dem Jäger-Boom profitiert allerdings nicht unbedingt der LJV, denn zum Jagen muss man nicht organisiert sein. In den 90er-Jahren gab es noch mehr LJV-Mitglieder als Jagscheininhaber. Zwar verzeichnet auch der Verband aktuell einen Mitglieder-Zuwachs und noch sind 17 248 im LJV – allerdings sieht es für „die Anzahl der aktiv im Verband mitarbeitenden Mitglieder perspektivisch nicht gerade rosig aus“, sagt der LJV-Obmann für Öffentlichkeitsarbeit Hendrik Löffler. Denn: „Der Durchschnittsjäger im Landesjagdverband hat heute ein Alter von 54,4 Jahren und wird von Jahr zu Jahr älter.“ Rechne man den Trend der eintretenden Neumitglieder gegen die durchschnittlichen Austritte und die Sterberaten hoch, werde der Landesverband ab 2035 schrumpfen. Die Folge: „Die Mitgliedsbeiträge gehen zurück und immer weniger Mitglieder müssen die Arbeit des Verbandes finanzieren.“

Die Lösung sei leicht: „Neue Mitglieder braucht der Verband und zwar möglichst junge“, sagt Löffler. Der LJV organisiert vor allem Fortbildungen, es gibt Hunde- und Schießschulungen, Mitglieder bekommen Vergünstigungen – etwa bei Waffenkäufen. Dazu stellt der LJV die Hegeringe, kümmert sich um Forschungsprojekte zu Wildunfällen und Naturschutz. „Allzu oft höre ich altgediente Jagdkameraden über Absolventen von Jagdschulen schimpfen. ,Jagdscheininhaber würden produziert und keine Jäger‘ wird gerne kolportiert“, sagt Löffler. Das sei „Unsinn.“ Man sei „gut beraten, die neuen Jagdscheininhaber mit offenen Armen zu empfangen.“ Seite 3

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