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21. August 2017 | 12:41 Uhr

Atom-Schrottfässer kommen weg

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

2015 will Vattenfall den nuklearen Müll umverpacken – allerdings gibt es bislang weder genügend Behälter noch Platz für die Zwischenlagerung

Wie viele kaputt sind, weiß niemand. Klar ist aber, dass alle 613 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall, die unter dem Kernkraftwerk Brunsbüttel lagern, umverpackt werden müssen, weil viele von ihnen verrostet sind. „Das ist ein sytematisches Problem“, sagt Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne). Vor allem ältere Fässer aus den 80ern seien korrodiert.

„Die Lagerung in den Kavernen war nur für wenige Jahre gedacht. Aber noch heute haben wir kein Endlager vollständig genehmigt und im Betrieb. Die Probleme im Umgang mit Atomkraft und ihren Folgen wurden unterschätzt. Der Einstieg in die Atomenergie war ein Irrweg, der nie hätte eingeschlagen werden dürfen“, so Habeck. Zunächst sollen alle Fässer inspiziert werden. Bei zwei Kavernen unter dem Kraftwerk seien dazu Vorarbeiten nötig, um die radioaktive Belastung für die Arbeiter gering zu halten. Denn zwischen den Fässern in den Kavernen wurde eine Strahlung von 600 Millisievert pro Stunde gemessen, mehr als das 30-fache dessen, was ein Arbeiter in einer Stunde abbekommen darf. „Es geht darum, die Sicherheit der Arbeiter bei der Bergung zu gewährleisten“, sagt Habeck. Bei der Öffnung der Kavernen sei aber nur ein minimaler Bruchteil an Strahlung gemessen worden.

Die Fässer sind von innen verrostet. Das Material sei nicht ausreichend getrocknet worden, so Habeck. Er fordert Kraftwerksbetreiber Vattenfall auf, die Bergung zügig voranzutreiben. Der Konzern hat dazu gestern seine Pläne zur Umverpackung vorgestellt. „Unser Ziel ist, den Inhalt der Fässer in endlagerfähige Konrad-Gusscontainer umzufüllen“, so Vattenfall-Geschäftsführer Pieter Wasmuth. Allerdings seien die erst in einem Jahr verfügbar. „Deshalb überlegen wir, Gusscontainer, die ursprünglich für Krümmel gedacht waren, für Brunsbüttel zu verwenden.“

Da nicht alle umgelagerten Fässer in Brunsbüttel Platz finden, sei perspektivisch daran gedacht, dass der Atommüll in eine neue Transportbereitstellungshalle gebracht wird, die Vattenfall auf dem Gelände des Kernkraftwerks errichten will, um den anfallenden Müll beim Abriss des Kraftwerks unterbringen zu können, erklärte Habecks Sprecherin Nicola Kabel. Kritiker fürchten, dass so ein heimliches Endlager für Atommüll entstehen könnte, weil das geplante Endlager Schacht Konrad frühestens in einigen Jahren in Betrieb geht. CDU und FDP im Landtag fordern deswegen die Landesregierung auf, sich bei der rot-grünen Regierung in Niedersachsen für eine schnellere Genehmigung von Schacht Konrad einzusetzen. Doch dort seien umfangreiche Prüfungen nötig, hieß es aus dem Ministerium.

Bundesweit lagern nach einer Studie der Uni Hannover rund 20 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll in deutschen Lagern. Etwa 2000 davon könnten nach Schätzungen von Experten der Atomaufsicht verrostet sein. Allerdings erklärten die gestern, dass die Fässer in den anderen beiden schleswig-holsteinischen Kernkraftwerken Brokdorf und Krümmel anders gelagert und häufiger inspiziert worden seien als in Brunsbüttel und somit die Gefahr von Durchrostung „sehr viel geringer“ sei.

> Fragen und Antworten unter www.schleswig-holstein.de/UmweltLandwirtschaft – Menü: „Reaktorsicherheit, Stahlenschutz“ – Menü: „FAQ zum Fund korrodierender Stahlblechfässer“

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erstellt am 19.Feb.2014 | 12:35 Uhr

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