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15. Dezember 2017 | 02:23 Uhr

Artenvielfalt durch Meereswindparks

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Forschungsprojekt des Bundes ergibt, dass die Tierwelt in der Nordsee von Offshore-Farmen profitiert – doch Naturschützer bleiben skeptisch

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Naturschützer sehen sie mit gemischten Gefühlen: Windparks auf hoher See. Zwar erzeugen die Anlagen viel umweltfreundlichen Strom und stören keinen Menschen. Doch dafür bedrohen sie Schweinswale, Zugvögel und Fische – das war jedenfalls bisher die Sorge von Tierfreunden. Allerdings ergibt nun eine seit fünf Jahren laufende Studie über den ersten deutschen Nordseewindpark „Alpha Ventus“, dass diese Angst größtenteils unbegründet ist: „Viele befürchtete Effekte sind nicht eingetreten“, sagte gestern in Berlin Monika Breuch-Moritz, Chefin des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), das die Studie im Auftrag der Bundesregierung geleitet hat.

Im Gegenteil seien sogar erfreuliche Auswirkungen des Windparks auf die Tierwelt festzustellen, berichtete Breuch-Moritz bei der Vorstellung der Forschungsergebnisse: „Die Artenvielfalt hat sich erhöht.“ So gebe es bei den im und am Meeresboden lebenden Tieren dank der Windräder von „Alpha Ventus“ nun mehr Arten als zuvor: „Die Fundamente der Anlagen bilden künstliche Riffe, an denen sich Muscheln, Seeanemonen, Seelilien und Seesterne ansiedeln“, sagte sie.

Auch leben jetzt mehr Fischarten in der Windfarm 45 Kilometer vor Borkum. „Neu sind Seebullen, Knurrhähne, Makrelen und Leierfische“, erklärte die BSH-Präsidentin. Allerdings habe man noch keine Anzeichen dafür, dass sich der Fischbestand dort insgesamt schon von den Folgen der Überfischung erholt habe. Darauf hoffen Naturschützer, weil in Windparks das Fischen verboten ist. „Dieser Effekt braucht Zeit“, sagte Breuch-Moritz.

Unklar ist noch, ob die Rotoren auf See eine tödliche Gefahr für Vögel sind. Zwar habe sich bei Kamera-Aufzeichnungen „kein Effekt von geschredderten Vögeln gezeigt“, sagte Breuch-Moritz. Allerdings könne man bei Nebel und dichtem Regen keine Bilder machen und wisse daher nicht, welches Risiko dann für die Vögel bestehe. Um es künftig generell klein zu halten, prüfe das BSH auch eine andere Beleuchtung der Anlagen: Grünes und blaues Licht ziehe Vögel weniger stark an als die jetzigen gelben und roten Warnlichter für den Schiffs- und Flugverkehr.

Bleiben die Schweinswale. Die Meeressäuger leiden unter dem Bau der Parks, da die Rotormasten mit einem Höllenlärm in den Boden gerammt werden. Das zwingt die Wale zu einem weiten Bogen von 20 Kilometern um das Gebiet. Der spätere Betrieb der Anlagen störe die Tiere dagegen kaum, berichtete Breuch-Moritz: „Sie kommen wieder, sobald das Rammen beendet ist.“ Die reinen Betriebsgeräusche seien nur in bis zu 100 Meter Entfernung zur Anlage überhaupt wahrnehmbar.

Naturschützer halten das dennoch für ein Problem. „Selbst wenn die Schweinswale nur in bis zu 100 Meter Entfernung gestört werden, geht für sie viel Lebensraum verloren – schließlich soll ein Viertel der deutschen Nordsee mit Turbinen vollgestellt werden“, kritisierte Kim Detloff vom Naturschutzbund. Der Hamburger Fischereibiologe Frithjof Stein warnte zudem, dass bei Rammarbeiten im Meer nicht nur Wale vertrieben, sondern auch Fische getötet würden.

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