Am Kormoran scheiden sich die Geister

Stillhalten, bitte! Ein Kormoranküken vor der Beringung.
Stillhalten, bitte! Ein Kormoranküken vor der Beringung.

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03. Juni 2018, 16:24 Uhr

Wenn Nabu-Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichowski im Frühjahr junge Kormorane beringen will, muss er höllisch aufpassen. Denn das Kormoran-Küken sei kein Storchenbaby, das sich bei Gefahr tot stellt, sagt er. Der junge Kormoran schalte bei Gefahr auf Angriff. Er hackt mit seinem Schnabel, der vorne einen spitzen Haken hat, und kratzt mit seinen Krallen.

Oder er flüchtet: „Fliegen können sie noch nicht, aber sie laufen weg und springen ins Wasser“, erzählt der Ornithologe. „Das ist zwar nicht so schlimm, weil sie auch wieder zurück schwimmen.“ Aber die Beringung sei natürlich nicht mehr möglich. „Damit die Kormorane zusammen bleiben, kreisen wir sie mit vielen Leuten ein.“ Am vergangenen Freitag traf sich Ludwichowski zur Kormoran-Beringung mit seinen Helfern im Nabu-Wasservogelreservat Wallnau auf Fehmarn.

Der Kormoran sorgt für dauerhaften Streit zwischen Fischern und Naturschützern. Die einen verteufeln den gänsegroßen Vogel als Fischerei-Schädling, die anderen sehen in ihm höchstens einen Sündenbock. „Der Kormoran nimmt ja Fische, die der Allgemeinheit gehören“, sagt Ludwichowski. „Sie sind kein Eigentum des Fischers.“ Ziel müsste unter anderem sein, die Gewässerqualität so zu verbessern, dass alle davon leben können.

In Schleswig-Holstein sind Abschuss und Vergrämung des „Vogels des Jahres 2010“ auf Basis der Kormoran-Verordnung bislang in großen Teilen des Landes erlaubt. „Der behauptete Schaden ist aber nicht nachweisbar“, sagt Ludwichowski. Da es Vorüberlegungen für eine neue Kormoran-Verordnung gebe, sammeln die Naturschützer jetzt Daten: „Um dann in der Diskussion fundierte Stellungnahmen abgeben zu können.“ So zeigen die seit 2006 durchgeführten Beringungen in der Kolonie Wallnau, dass dort nicht nur Kormorane brüten, die dort auch geschlüpft sind. Es kommen auch Vögel von anderen Kolonien. In diesem Sommer zum Beispiel ein Männchen aus Mecklenburg-Vorpommern mit einem Weibchen aus Dänemark. „Das ist hier ein internationales Kormoran-Geschehen.“ Dabei sucht sich der Kormoran zum Brüten zum Teil seine Kolonie gezielt aus. „Jungvögel, die an ihrem Gefieder leicht von den geschlechtsreifen Vögeln zu unterscheiden sind, sitzen da und gucken. Wenn man die Ringe später wieder abliest, brüten sie bei uns. Die werden wahrscheinlich auch in anderen Kolonien gucken, ob das ein guter Platz für die Aufzucht des Nachwuchses ist, oder ob man häufig gestört wird“, sagt Ludwichowski.

In Schleswig-Holstein war der Kormoran nach Angaben des Nabu vor rund 130 Jahren als Brutvogel ausgestorben. Die letzte Kolonie wurde 1890 am Flemhuder See beim Bau des Nord-Ostsee-Kanals vernichtet. Erst 1982 kam es durch verbesserte Schutzbestimmungen zum ersten Brutversuch am Großen Plöner See, ein Jahr später dann die erste Kolonienbildung im Naturschutzgebiet Selenter See. Heute brüten im Land zwischen den Meeren durchschnittlich 2500 Paare.

Der „schwarze Fischfresser“ hat jedoch bei Berufsfischern und Hobby-Anglern einen schlechten Ruf. Nach Angaben des Nabu stören Erwerbsfischer zu Beginn der Brutzeit seit langem massiv die Wiederbesetzung und Neugründung von Kolonien.

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