zur Navigation springen

Altbischof: Kirche muss Glaubenswissen vermitteln

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Auf ihrem ersten Kongress befasst sich die neue Nordkirche mit den Problemen ihrer Mitglieder

Die Nordkirche will ein gutes Jahr nach ihrer Gründung ihre Standorte bestimmen und nach langer Strukturarbeit Inhalte in den Mittelpunkt rücken. „Bei einem Neubeginn bündeln sich die Erwartungen“, sagte Altbischof Wolfgang Huber zu Beginn des ersten Nordkirchenkongresses in Schwerin. Die Nordkirche entstand durch die Fusion der Nordelbischen Kirche mit den Kirchen in Mecklenburg und Vorpommern. Die Traditionen in den drei ehemaligen Landeskirchen gelten als sehr unterschiedlich.

Der Kongress befasst sich zwei Tage lang mit den Problemen der Menschen zwischen der dänischen und der polnischen Grenze. Die neue Landeskirche ist flächenmäßig nach Bayern die zweitgrößte in der Bundesrepublik. Rund 200 Fachleute aus Kirche, Politik und Wirtschaft beteiligen sich unter dem Motto „Aufbruch im Norden“ an 15 Workshops über Demokratie, Ökologie, Bildung, Religion, Wirtschaft und Soziales.

Für viele Menschen in der heutigen Gesellschaft ist der Glaube Huber zufolge zur Option geworden. „Für viele im Osten Deutschlands zu einer Option, die nach ihrer Meinung für sie zu spät kommt“, sagte der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er rief dazu auf, die Kirchentüren offen zu halten, auch für diejenigen, die jahrzehntelang an ihnen vorbeigegangen seien.

Auch im Osten seien die Menschen überzeugt, dass die politische Kultur in Deutschland christlich geprägt ist, sagte Huber. Ihnen fehle jedoch Glaubenswissen. Er forderte die Gläubigen dazu auf, den Glauben vorzuleben. „Es geht darum, die christliche Lebenshaltung sozial erfahrbar und kulturell verständlich zu machen“, sagte Huber.

Der in der DDR aufgewachsene Autor und Theologe Christoph Dieckmann erinnerte angesichts deutscher Waffenexporte und der Umstrukturierung der Bundeswehr an das Gebot „Du sollst nicht töten“. Es gebe eine „schleichende Gewöhnung an den Krieg“, sagte er. Deutschland liege auf Rang 3 der Waffenexporteure nach den USA und Russland. Die Bundeswehr sei auf dem Weg von einer Bürgerverteidigungsarmee zur weltweit tätigen Eingreiftruppe.

Mehr als die Hälfte der deutschen Soldaten in Afghanistan stammten aus dem Osten. „Auch das gehört zur Folgensgeschichte der friedlichen Revolution in Deutschland“, sagte Dieckmann. Die Deutsche Einheit sei aber nur gelungen, weil es hieß: „Keine Gewalt“. „Der Friede von damals verpflichtet zum Reden von heute“, mahnte der Publizist.

zur Startseite

von
erstellt am 28.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen