Als Soldaten das Schwimmen lernen

Freibad Oberglinde, 1950.
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Freibad Oberglinde, 1950.

Neue Serie „Aus dem Uetersener Stadtarchiv“: Ute Harms berichtet heute vom Beginn des Freibads Oberglinde

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15. Oktober 2018, 16:05 Uhr

Endlich! Viele dürften aufgeatmet haben, als Uetersens Politiker vor knapp zwei Jahren den Beschluss fassten, ein Stadtarchiv einzurichten. Besetzt wurde es mit der langjährigen Leiterin des Museums Langes Tannen, Ute Harms. Die Kunsthistorikerin hat also jetzt zwei Jobs in Uetersen.

Das Archivwesen liegt Harms am Herzen. Und sie hat, nachdem sie im August 2017 in Uetersen angefangen hat, schon so einiges „hervorgekramt“, was über viele Jahre hinweg ein Dasein im Dunkeln fristete. Dokumente der Zeitgeschichte sind ihr in die Hände geflattert. So auch Informationen über die nachfolgende Geschichte, die sie zusammengetragen hat und jetzt erzählen möchte. Sie betrifft das Freibad Oberglinde. Was kaum einer weiß: Das Bad diente einst Soldaten zu Trainingszwecken.

„Wahrscheinlich war in diesem Sommer keinem Besucher des Freibades bewußt, dass das Freibad am 26. Juni einen runden Geburtstag feierte: An diesem Tag konnte es auf eine 80-jährige Geschichte zurückblicken“, schreibt Uetersens Archivarin. Und weiter: „1937 begann die Stadt Uetersen und die Kommandantur des Fliegerhorstes eine ,Schwimmsportanlage’ für die Soldaten des Fliegerhorstes zu planen, die ’darüber hinaus vielleicht auch für die allgemeine Nutzung’ offen sein sollte“, wie es in den Akten heißt.

Die Errichtung einer solchen militärischen Sportstätte sei, so Harms, ein wichtiges Projekt der Nationalsozialisten zur körperlichen Ertüchtigung der Wehrmacht gewesen. „Diese Förderung schien um so dringlicher, da man bei Rekrutenmusterungen festgestellt hatte, dass 80 bis 90 Prozent der Gemusterten nicht Schwimmen konnten. So musste Abhilfe geschaffen werden. Man fasste den 60 000 Quadratmeter großen See in Oberglinde ins Auge, der bei einer Bodengrabung von der Alsen’schen Zementfabrik entstanden war“, informiert die Archivarin.

Uetersen favorisierte damals einen Standort innerhalb der eigenen Stadtgrenzen. Bei Bohrungen zwischen Alsen- und Jahnstraße sowie am Tornescher Weg stieß man aber auf moorigen Boden. Insofern bot sich der auf Moorreger Gebiet liegende Alsensee trotz aller Bedenken nun besonders an.


Verhandlungen mit zwei Bauern

Harms: „Es wurden Verhandlungen für einen Pachtvertrag mit zwei Bauern aufgenommen, denen ein Teil der Tonkuhle und die umliegenden Wiesen gehörten. Erfolgreich. Den Soldaten wurde auch die Benutzung eines Feldweges von der Kaserne zur Badeanstalt über das Gelände der Bauern vertraglich zugesichert. Die notwendigen Bauten für den Badebetrieb, wie Umkleideräume, Sprungturm, wurden in Angriff genommen.“

Der feierlichen Eröffnung am 26. Juni 1938 widmeten die Uetersener Nachrichten eine Sonderausgabe. Darin findet sich das umfangreiche Programm der Veranstaltung: Es waren nicht nur Soldaten, die Schwimmkünste in voller Ausrüstung, Rettungsaktionen und Wasserballspiele vorführten. Auch Schüler der Volks- und Mittelschulen Uetersens und Moorreges zeigten mit Schwimmstaffetten, Reigenschwimmen und Turmsprüngen ihr Können.

„Auch wenn bei der Eröffnungsveranstaltung eine einträchtige Nutzung des Freibades durch Fliegerhorst und Allgemeinheit gesichert schien, so erwies sich im Alltag die doppelte Nutzung doch als sehr problematisch: der Fliegerhorst beanspruchte die Badeanstalt vier Tage die Woche; in dieser Zeit war kein privater Badebetrieb möglich. So schien 1939 die Einrichtung eines weiteren Nichtschwimmerbecken für den Fliegerhorst in der nordöstlichen Bucht erforderlich. Die Planungen begannen“, beendet Harms ihren ersten Beitrag zur Stadtgeschichte. Weitere Einblicke in interessante Akten sollen folgen − als in unregelmäßigen Abständen erscheinende Serie in den Uetersener Nachrichten.


>Fragen an die Archivarin? Informationen zum Thema? Ute Harms ist per E-Mail unter stadtarchiv@uetersen.de oder telefonisch donnerstags und freitags unter (01 60) 7 09 03 04 erreichbar.

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