Zu Fuß über die Alpen : Alpines Aufwärmen in Altenhof

Will hoch hinaus: Ralf Hartmann (v.li.) hatte Trainings-Unterstützung von Andre Sommer-Sievert und Henning Rohweder.
Will hoch hinaus: Ralf Hartmann (v.li.) hatte Trainings-Unterstützung von Andre Sommer-Sievert und Henning Rohweder.

Ralf Hartmann (54) hat einen weiten Weg vor sich: Der Gettorfer will kommende Woche zu Fuß die Alpen überqueren.

shz.de von
25. Juli 2018, 06:00 Uhr

Gettorf/Altenhof | Auf Schusters Rappen über das größte und höchste Gebirge Europas – Ralf Hartmann weiß noch nicht, was da auf ihn zukommt, aber so viel steht fest: „Ich bin voll motiviert und die Spannung steigt mit jedem Tag.“ Am Sonntag startet der 54-Jährige seine siebentägige Wanderung über die Alpen von Oberstdorf nach Meran – 150 Kilometer auf dem Fernwanderweg E5 von Deutschland über Österreich bis nach Italien. Gemeinsam mit dem Gettorfer nehmen bis zu zwölf weitere Wanderer an der geführten Hüttentour mit Halbpension teil.

Joggen, Radfahren, Muskelaufbau, Klettern und Wandern – seit einem halben Jahr bereitet Ralf Hartmann seinen Körper auf die Alpen-Überquerung vor: „Ich war schon in jungen Jahren in den Dolomiten. Aber mit über 50 muss man schon was tun.“ Drei Mal pro Woche trainiert der Verwaltungsangestellte im Fitnesscenter „4Fun-Fitness“ in Gettorf bei Andre Sommer-Sievert und seinem Team. „Das ist schon ein kleiner Marathon“, sagt der Fitnessstudio-Inhaber, „umso wichtiger ist die Vorbereitung, damit Ralf das gut übersteht.“ Unterstützt habe das Studio den Ostsee-Alpinisten gern: „Wir begleiten Ralf bei seinem Projekt auch über die sozialen Kanäle und wollen zeigen, dass wir nicht nur eine Muckibude sind.“ Muskelaufbau, Fitness, Koordination und ein Ernährungsplan standen auf dem Trainingsprogramm. Denn Ralf Hartmann musste Gewicht verlieren: „Ich muss einen Acht-Kilo-Rucksack tragen, also musste ich auch acht Kilo abnehmen.“ Und dieses Ziel hat er am Ende seiner Vorbereitungszeit mehr als erfüllt: „Von 89,6 Kilogramm bin ich jetzt bei 79,7.“

Henning Rohweder, Inhaber des Hochseilgartens Altenhof, fand das Vorhaben von Anfang an super: „Es ist eine witzige Idee. Ralf hat angefragt, bei uns zu trainieren, und wir dachten: Warum nicht?“ Vergleichbares habe es im Kletterpark noch nie gegeben: „Wir haben aber immer wieder Leute hier, die an ihrer Höhenangst arbeiten“, so Rohweder. So ganz weit weg ist Ralf Hartmann davon auch nicht: Denn neben bisweilen steilen Klettersteigen wartet auf dem Weg über die Alpen auch die Highline 179 – eine 405 Meter lange und 114 Meter hohe Hängebrücke – auf die Wanderer. Vor der hat Ralf Hartmann keine Angst, aber Respekt, denn: „Man kann durch sie hindurch in den Abgrund gucken.“ Respekt hat der 54-Jährige auch vor dem Wetter. „Von einem Tag auf den anderen kann uns bei fast 3000 Metern Höhe ein Wettereinbruch mit Schnee erwischen.“ Aber auch die „banalen Probleme“ bereiten ihm Sorgen: „Wenn du stolperst oder dir den Fuß verdrehst, hast du dort oben ein richtiges Problem.“ Am meisten freut er sich aber auf „die Stille im Gebirge und die Sonnenaufgänge.“

Der Hintergrund der Aktion: Vor zwei Jahren entschieden sich der Büroangestellte und seine Frau dafür, eine Auszeit zu nehmen. Zwei Jahre lang sparten sie Urlaubstage und Überstunden, um sich jetzt für ein paar Monate nach Italien zu verabschieden. Die Agraringenieurin hilft schon seit Juni auf einem italienischen Hof bei der Käseproduktion. „Und mein Gedanke war“, so Ralf Hartmann, „du läufst deiner Frau nochmal hinterher“. Und so wird diese ihren Gatten am Ziel in Meran empfangen. Was dann passiert, hält sich das Paar offen: „Wir werden uns Italien ansehen, wir haben ja Zeit.“

Das Training ist für Ralf Hartmann nun beendet. Wanderhose, -jacke, -socken und -schuhe liegen ausgebreitet auf dem Wohnzimmertisch. „Diese Woche verabschiede ich mich von Familie und Freunden, ich bin ja eine Weile weg.“ Am Sonnabend geht dann der Zug nach Oberstdorf. Am Sonntag brechen die Alpenbezwinger zu ihrer ersten vier- bis sechsstündigen Etappe auf. „Es ist wie kurz vor dem Endspiel“, sagt Ralf Hartmann, „nach einem halben Jahr gehts jetzt endlich los.“

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