Alle wollen Schulsozialarbeit, aber keiner will sie bezahlen

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30. November 2013, 00:31 Uhr

Sie helfen schwachen Kindern, vermitteln bei Konflikten, befrieden die Schulen: Über 200 Schulsozialarbeiter gibt es in Schleswig-Holstein, allein 106 Voll- oder Teilzeitstellen sind in den vergangenen Jahren geschaffen worden, weil Schleswig-Holstein dafür rund 13 Millionen Euro jährlich aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes bekommen hat. Doch dieses Programm läuft zum Jahresende aus, so manche Schule könnte bald ohne Sozialarbeiter dastehen. „Wir pochen seit Jahr und Tag darauf, dass es eine dauerhafte Finanzierung für Schulsozialarbeit geben muss. Alle wissen, dass der Bedarf in den kommenden Jahren noch steigen wird“, sagt Jochen von Allwörden vom Städteverband Schleswig-Holstein.

Finanzieren könnten das die klammen Kreise und kreisfreien Städte nicht, deswegen seien Bund und Land gefordert. „Aufgrund der Finanzsituation der Kommunen ist davon auszugehen, dass wegen eigener Haushaltskonsolidierungsbemühungen die Maßnahmen nicht in bisherigem Umfang aus kommunalen Mitteln weitergeführt werden könnten“, sagt auch der Sprecher des zuständigen Arbeitsministeriums in Kiel, Harald Haase. Zwar fördert das Bildungsministerium die Schulsozialarbeit mit 4,6 Millionen Euro pro Jahr, „aber das reicht nicht aus“, sagt von Allwörden.

In den Ministerien haben sich die Experten deswegen einen Trick einfallen lassen. Nicht abgerufene Mittel aus dem Bundespaket vom Jahr 2011 in Höhe von 15,7 Millionen Euro sollen per Landesgesetz im Norden bleiben. Dafür muss die Zweckgebundenheit gelockert werden. „Wir hoffen, dass das Gesetz spätestens im Januar in Kraft treten kann“, sagt Haase. Die erste Lesung des Gesetzes gab es bereits in der letzten Sitzung des Landtages.

Auch für die Mittel aus dem Jahr 2012 will die Landesregierung eine Umwidmung erreichen, damit wäre die Schulsozialarbeit zumindest fürs kommende Jahr gerettet. Allerdings fordert der Bund das nicht abgerufene Geld für beide Jahre zurück, letztlich wird die neue Bundesregierung entscheiden müssen, wie es weiter geht.

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