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Albig wirbt mit Video um Nachwuchs-Beamte

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Gespenst geht um in Schleswig-Holstein – das Gespenst verwaister Amtsstuben. Noch findet Vater Staat Nachwuchskräfte. Doch die Pensionierungswelle rollt, und sie rollt immer schneller. 14 500 der rund 55 000 Landesbediensteten gehen bis 2023 in den Ruhestand.

Das Kabinett von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat die Probleme bei der Rekrutierung von Behördennachwuchs gestern schwarz auf weiß bekommen: 18 200 Nachwuchskräfte sind in den nächsten zehn Jahren nötig. Zeigen junge Leute der Verwaltung die kalte Schulter, dann droht weiten Bereichen der Daseinsvorsorge der Infarkt.

Landesdienst, das ist mehr als Stechuhr, Aktenordner und Ärmelschoner. Da gibt es Lehrkräfte und Polizisten, Jobs in der Justiz oder Finanzverwaltung, Wasserbauer und Straßenbauingenieure – 30 Ausbildungsberufe zählt die Landesregierung auf.

Problem: 2023 werden nach aktuellen Prognosen 3200 junge Leute weniger eine öffentliche oder private Schule beenden als heute. Das ist ein Schwund von zehn Prozent. Die „besten Köpfe“ der dann knapp 29 000 Schulabgänger gucken längst nicht mehr als erstes auf den vermeintlich „sicheren“ Beamtenjob. Immer mehr junge Leute – das ist mit dem vor Wochenfrist verabschiedeten neuen Schulgesetz politisch ausdrücklich gewollt – suchen erst einmal den Weg in ein Hochschulstudium. Daneben ringen Unternehmen auf dem privaten Arbeitsmarkt nicht weniger erbittert um Azubis.

Schon jetzt schlage die demografische Entwicklung auf die Bewerbersituation durch, sagte Albig. Erkennbar werde der Trend vor allem in technischen Berufen. Entspannung könnte das Jahr 2016 bringen. Dann verlässt ein doppelter Abiturjahrgang mit 21 000 statt bisher 12 000 Schülern die Schulen. Problem nur: Um die Zahl der Ausbildungsplätze im Landesdienst deutlich zu erhöhen, müsste der Landtag erst einmal ausreichend Geld für den Nachwuchs bereitstellen.

Mit einem Bündel von Maßnahmen will die Landesregierung den Wettbewerb um Nachwuchskräfte nun aufnehmen. Bewerber sollen gezielt angesprochen werden, eine Ausbildungsoffensive wollen Albig und Co. eröffnen und dabei an allen Fronten kämpfen – im Internet, an Schulen oder auf Ausbildungsmessen.

Albig selbst machte gestern via regierungsamtlicher Videobotschaft den Anfang: „Hallo, suchst Du ’ne Ausbildung? Schon mal darüber nachgedacht, sie bei uns zu machen?“ umgarnt ein kumpelhaft daherkommender Landesvater Schleswig-Holsteins Jugend und preist minutenlang die Vorzüge eines Jobs im öffentlichen Dienst: Gutes Geld gebe es, gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf, prima Weiterbildung nach der Ausbildung.

So könne es gelingen, glaubt die Regierung, Nachwuchs an die Landesverwaltung zu binden.

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erstellt am 29.Jan.2014 | 00:33 Uhr

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