zur Navigation springen

Airbus nervt Hamburger mit Notturbinen-Tests

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Dieses Geräusch schreckt selbst hartgesottene Anwohner in den Einflugschneisen über Hamburg auf: Wenn ein Airbus-Jet beim Testflug die Notturbine anwirft, heult ein sirenenartiger Ton auf, deutlich lauter und unangenehmer als üblicher Fluglärm. Mehr als 400 dieser außerordentlichen Lärmereignisse gibt es Jahr für Jahr am Himmel über Hamburg und dem Umland. Lange war diese Praxis in der Öffentlichkeit kaum ein Thema, jetzt aber nimmt sich die Politik des Problems doch an. Die Forderung: Airbus soll seine lauten Testläufe woanders abhalten. Doch der Flugzeugbauer winkt ab.

Bevor Airbus eine Maschine ausliefert, müssen beim Abnahmeflug („First Flight“) alle Notfunktionen überprüft werden, darunter die Ram Air Turbine (RAT, deutsch: Stauluft-Turbine). Sie erzeugt bei vollständigem Triebwerksausfall den nötigen Strom für die Hydraulik, um eine sichere Landung zu ermöglichen. Die Luftschrauben befinden sich außerhalb des Flugzeuges und werden vom Fahrtwind angetrieben – mit entsprechendem Getöse. Wie laut die RATs über Hamburg heulen, wird laut Senat nicht erfasst. Bei Messungen in Berlin ermittelten Techniker an einem in 500 Metern Höhe fliegenden Jet Lärm von 85 Dezibel – so laut wie ein Güterzug in 25 Metern Abstand.

Laut Airbus gibt es im Jahr durchschnittlich knapp 400 solcher Flüge mit Modellen der A 320-Familie sowie 30 für den A 380. Sie alle enden am Airbus-Flugplatz in Finkenwerder. Etwa 70 Prozent der Anflüge erfolgen demnach über das Alte Land, die übrigen über den Norden. Da die Piloten die Notturbine weit vor der Landung ausfahren, ziehen sie regelmäßig lange Lärmschleifen über Hamburg, zu hören auch in Teilen des schleswig-holsteinischen Umlandes, vor allem im Süden Stormarns.

Die Grünen-Bürgerschaftsabgeordnete Christiane Blömeke will den RAT-Krach nicht länger hinnehmen: „Der Nordosten Hamburgs ist sowieso stark durch den Flughafen belastet.“ In einer Kleinen Anfrage regte sie an, die Turbinentests in weniger bewohntes Gebiet auszulagern. Die Antwort von Senat und Airbus ist ein klares Nein. Überflüge über Stadtgebiet ließen sich nicht vermeiden, heißt es in der Senatsantwort. Eine Umleitung zu anderen Airports ginge laut Airbus in die Millionen, weil dort eine eigene Crew stationiert werden müsste. Solche Mehrkosten, warnt der Senat, gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Finkenwerder. Auch die für die Luftraumüberwachung zuständige Deutsche Flugsicherung sieht keine Handhabe, um die ultralauten Überflüge zu untersagen: Für Airbus-Testflüge gelte ein Sonderstatus.

zur Startseite

von
erstellt am 19.Feb.2014 | 18:05 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen