Ärzte schlagen Alarm: Immer mehr Unfälle mit E-Scootern

Ohne Helm wird’s gefährlich: Fahrt mit einem E-Scooter.
Ohne Helm wird’s gefährlich: Fahrt mit einem E-Scooter.

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25. Juli 2019, 13:51 Uhr

Hamburg | In diesem Fall hätten der Hamburger Unfallchirurg Prof. Christian Kühne und seine Kollegen lieber Unrecht behalten: Der Chefarzt des Chirurgisch-Traumatologischen Zentrums an der Asklepios-Klinik (AK) St. Georg hatte mit anderen Medizinern eindringlich vor Verletzungen durch Unfälle mit E-Scootern gewarnt. Rund sechs Wochen nach Zulassung der Flitzer auf deutschen Radwegen und Straßen steht fest: Genau so ist es gekommen.

„Die Bilanz ist erschreckend“, berichtete Kühne gestern. „Vor allem, weil viele Kopfverletzungen dabei waren und die Fahrer in keinem Fall einen Helm trugen.“ Allein am innenstadtnahen AK St. Georg mussten demnach in den vergangenen drei Wochen mehr als 15 Menschen nach Unfällen mit E-Scootern behandelt werden. Auch die Asklepios-Krankenhäuser in Altona, Wandsbek und Harburg melden „eine Reihe von Verletzten nach Stürzen mit E-Scootern“.

In Hamburg boomt das Geschäft mit den Kleinstfahrzeugen, für die weder Führerschein- noch Helmpflicht gilt. In der Hansestadt sind mittlerweile knapp 3000 Miet-Scooter zugelassen. Viele Nutzer und andere Verkehrsteilnehmer sind damit aber offenbar überfordert. „Wir haben schon mehrere Patienten mit Verletzungen am Schädel oder im Hirnbereich behandelt“, lautet die Zwischenbilanz des Chefarztes. „Zudem gab es schwere Gelenkverletzungen, Verletzungen im Bereich des Brustkorbs und auch diverse Prellungen und Hautverletzungen.“

Auch die Hamburger Polizei hat mit Scooter-Unfällen zu tun, eine aussagekräftige Zahlenübersicht liegt aber noch nicht vor. Bis zum 9. Juli seien vier Unfälle registriert worden, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Seither gab es weitere Stürze und Zusammenstöße. Am vorigen Wochenende erlitt eine 41-Jährige eine schwere Rückenverletzung, als sie nahe der Binnenalster auf einem E-Tretroller von einem Auto erfasst wurde. Womöglich war sie bei Rot gefahren.

Bei einer ersten gezielten Kontrolle in der Innenstadt hatte die Polizei vor einer Woche festgestellt, dass viele Roller-Fahrer die Verkehrsregeln missachteten. Die Beamten stellten 18 Verstöße fest, überwiegend Fahren auf dem Gehweg (14). In einem Fall standen zwei Personen auf dem Brett.

Auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und der ADAC sind besorgt. Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des Verkehrssicherheitsrats: „Sollte sich die Unfallsituation weiter verschlechtern, und sollten mehr Menschen mit schweren Verletzungen in Krankenhäusern eingeliefert werden, müssen wir über eine Helmpflicht nachdenken.“

Die Hamburger Asklepios-Krankenhäuser reagieren bereits. Christian Kühne: „Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Verletzten noch steigt und haben deshalb beschlossen, die Unfälle so schnell wie möglich in einem Register zusammenzutragen.“ Die Mediziner wollen die Art der Verletzungen und die Umstände der Stürze dokumentieren, um diese für eine Studie auszuwerten.

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