Ärger über Kampfschiff-Vergabe

Zuschlag für den Bau des MKS 180 geht nicht nach Kiel, sondern in die Niederlande

Margret Kiosz von
14. Januar 2020, 13:36 Uhr

Kiel/Berlin | Sie gilt als neue Wunderwaffe der Deutschen Marine: Das Mehrzweckkampfschiff MKS 180 soll weltweit einsetzbar sein, von den Tropen bis zur (Ant-)Arktis, es soll Embargos überwachen, Staatsbürger aus Krisensituationen evakuieren, und sich notfalls mit Luft- und Seewaffen gegen Feinde durchsetzen können. Gebaut wird dieses Wunderschiff nun unter niederländischer Regie. Aus der Ausschreibung für vier Schiffe – geschätzter Preis 5,27 Milliarden Euro – sei die Werft Damen Shipyards Group als Sieger hervorgegangen, teilte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Peter Tauber, den Obleuten des Verteidigungsausschusses gestern mit.

Der Protest aus dem Norden ließ nicht lang auf sich warten. „Wir haben die Auftragsvergabe mit Bedauern zur Kenntnis genommen“, teilt der Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Kiel, Klaus-Hinrich Vater, mit. Der Bau dieses Schiffes setze Technologieführerschaft und hoch qualifiziertes Wissen voraus. Über beides verfüge der Standort Kiel mit seinen Zulieferern aus Schleswig-Holstein und Deutschland. „Es ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar, dass dieses Know-how nicht zum Einsatz kommt“. Vater bedauert, dass der Beschluss des Bundeskabinetts, den Überwasser-Marineschiffbau als Schlüsseltechnologie zu erklären, „offenbar nicht umgesetzt wird“. Nur deshalb sei das Projekt europaweit ausgeschrieben worden. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Bundesregierung die heimische maritime Wirtschaft auf diese Weise schwächt“ – das sind ungewohnt klare Worte.

Zuvor hatte schon Ministerpräsident Daniel Günther auf den Passus im Berliner Koalitionsvertrag hingewiesen, wonach der Überwasserschiffbau als Schlüsseltechnologie einzustufen sei. Mit dieser Einstufung müssten Aufträge nicht mehr europaweit ausgeschrieben werden. Schiffe könnten damit direkt bei deutschen Werften bestellt werden. Nur so ließen sich auf Dauer Expertenwissen im eigenen Land und eine größere Unabhängigkeit von Exporten sichern, argumentiert Günther.

Scharfe Kritik kommt auch von der FDP. „Ich frage mich, was die Bundesregierung geritten hat, in diesem strategisch bedeutenden Bereich einseitig auf eine europäische Ausschreibung zu setzen. Das machen vergleichbare Nationen ausdrücklich nicht und deshalb ist es auch eine doppelte Belastung für unseren Marineschiffbau“, empört sich der Liberale Christopher Vogt. Die ehemalige Verteidigungsministerin und heutige EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen habe „Schleswig-Holstein einen echten Bärendienst erwiesen“.

Der Rendsburger CDU-Bundestagsabgeordnete Johann Wadephul, zuständig für Außen- und Sicherheitspolitik, äußerte ebenfalls Unverständnis für die Vergabe an das niederländische Konsortium unter Leitung der Damen-Group. Beim heutigen Marineschiffbau gehe es längst nicht mehr um das Stahlbiegen und das Schweißen der Schiffswände. „Es geht darum, aus einem Schiff ein High-Tech Waffensystem zu machen“, erläutert Wadephul. Dafür müssten Hunderte Rechner, Sensoren und Systeme eingebaut und optimal aufeinander abgestimmt werden. „Das ist die eigentliche Ingenieursleistung, hier liegen die Entwicklungspotenziale und letztendlich auch die lukrativen Teile eines solchen Auftrags.“ Dass die Holländer das Stahlbiegen der Hamburger Blohm &Voss Werft ( heute Tochter der Bremer Lürssen Group) überlassen, ist für ihn kein Trost. Man müsse abwarten, ob Damen auch primär deutsche Zulieferer und Anbieter einbeziehen werde.

Ob tatsächlich das letzte Wort bei der Vergabe gefallen ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Nicht ausgeschlossen ist, dass die unterlegenen Bieter rechtliche Schritte gegen die Vergabe einleiten. Auch der Bundestag muss sich noch mit dem Auftrag befassen.


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