Mit Kommentar : Absage für Deutsche Umwelthilfe: Städtebund lehnt Böllerverbot ab

Um ein Böllerverbot durchzubekommen, will die Deutsche Umwelthilfe notfalls auch vor Gericht ziehen.
Um ein Böllerverbot durchzubekommen, will die Deutsche Umwelthilfe notfalls auch vor Gericht ziehen.

Für ein Pauschalverbot für private Silversterfeuerwerke ist der Städte- und Gemeindebund nicht zu haben.

Avatar_shz von
21. August 2019, 21:53 Uhr

Berlin | „Neujahrs-Böller sind ein Ausdruck von Lebensfreude und sollten daher nicht generell untersagt werden“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg unserer Redaktion mit Blick auf aktuelle Vorstöße der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

„Allein durch Verbote und gesetzliche Einschränkungen wird man nicht weiterkommen“, meinte Landsberg. Es gehe darum, die Bevölkerung zu überzeugen und für einen verantwortungsvollen Umgang mit Böllern und Feuerwerkskörpern zu werben.

Am Mittwoch hatten sich Vertreter von DUH und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund getroffen, um über das Thema zu diskutieren. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sprach im Anschluss von einem „guten Gespräch“. Über die Details habe man Stillschweigen vereinbart. Die Umwelthilfe fordert, in 31 Städten mit hoher Luftbelastung die Silvesterböllerei einzuschränken.

Vor wenigen Wochen stellte die Organisation formelle Anträge bei den Städten, um die Böllerei zu verbieten oder einzuschränken. Resch wurde mit den Worten zitiert: „Jedes Jahr aufs Neue verursacht die archaische Böllerei zum Jahreswechsel ,dicke Luft’ in unseren Städten, wie sie sonst in Smog-Hochburgen asiatischer Metropolen beklagt wird.“

Keine Einwände hat die DUH gegen professionell und zentral organisierte Feuerwerke außerhalb der belasteten Innenstadtbereiche. Nach Angaben der Umwelthilfe entspricht die Menge des durch Böller freigesetzten Feinstaubs etwa 16 Prozent der jährlich im Straßenverkehr entstehenden Feinstaubmenge.

Bestehende Verbote gelten

Städtebund-Geschäftsführer Landsberg wies darauf hin, dass es bereits heute Einschränkungen gebe. Die Kommunen achteten zu Recht darauf, dass in der Silvesternacht, aber auch bei anderen festlichen Gelegenheiten „böllern nicht grenzenlos geschieht“, erklärte der Hauptgeschäftsführer. Beschränkungen seien notwendig zum Beispiel in der Nähe von Senioren- und Kinderheimen, Tierheimen oder auch aus Gründen des Brandschutzes.

In Innenstädten mit alter Bausubstanz und Fachwerkhäusern sei auch ein komplettes Feuerwerksverbot sinnvoll und werde bereits vollzogen. Dies gelte auch für Straßen und Plätze, auf denen sich anlassbezogen größere Menschenmengen versammeln, zum Beispiel bei Konzerten, Straßenfesten oder Kundgebungen.

Mit Blick auf die Luftverschmutzung gab Landsberg zu bedenken, dass nicht Böller und Feuerwerk, sondern der Verkehr immer noch einer der Hauptverursacher von Emissionen in den Kommunen sei. „Im Jahr 2018 verursachte der Verkehr annähernd 40 Prozent der Emissionen von Stickstoffoxiden in der Luft“, hob er hervor. Nicht pauschale Böllerverbote seien daher bei der Verbesserung der Luftqualität hilfreich, sondern zügige Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr, in den Bau von Radwegen und in die Digitalisierung der Verkehrssysteme. Bund und Länder seien hier gefordert.

Die Umwelthilfe überspannt den Bogen

Ein Kommentar von Manuel Glasfort

Die Anti-Diesel-Kämpfer von der Deutschen Umwelthilfe haben ein neues Angriffsziel entdeckt: Das Silvesterfeuerwerk. Geht es nach dem Verein, soll in vielen Innenstädten nicht mehr geböllert werden – der Luftqualität zuliebe. Die Umwelthilfe hat ein feines Gespür dafür, wie man sich richtig unbeliebt macht. Vorstöße wie das Böllerverbot erinnern weniger an seriösen Umweltschutz als an die Schrullen religiöser Fundamentalisten. Es ist gut, dass der Städte- und Gemeindebund dem Ganzen eine Absage erteilt hat.

Wer die Debatte über Dieselfahrverbote verfolgt hat, könnte glauben, deutsche Städte seien Todeszonen. Dabei ist die Luft seit Jahrzehnten immer sauberer geworden, die Schadstoffbelastung nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land gesunken. Wer die Luftqualität heute für unzumutbar hält, sollte sich mal mit älteren Bewohnern des Ruhrgebiets unterhalten. Die Feinstaubwerte sind seit der Jahrtausendwende deutlich zurückgegangen. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst von Umweltverbänden, auf deren Betreiben hin Rußpartikelfilter für Dieselautos verpflichtend wurden.

Vereine wie die Umwelthilfe oder der Nabu müssen aufpassen, sich nicht lächerlich zu machen, wenn sie Traditionen wie das Silvesterfeuerwerk infrage stellen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen