Ablenkung für die Hundstage

Mit dem richtigen Schmöker lässt sich’s aushalten: Heidrun Tummoßeit von der Halstenbeker Bücherei in der Schulstraße hat Romane und Sachbücher für eine mentale Abkühlung.
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Mit dem richtigen Schmöker lässt sich’s aushalten: Heidrun Tummoßeit von der Halstenbeker Bücherei in der Schulstraße hat Romane und Sachbücher für eine mentale Abkühlung.

Halstenbeker Büchereileiterin gibt Lesetipps für den heißen Sommer / Eiskalte Krimis, Meeresromantik und etwas für kühle Köpfe

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28. Juli 2018, 16:00 Uhr

Bei den aktuellen Rekordtemperaturen will man eigentlich nur die Füße hochlegen – am besten mit einem kühlen Getränk in der Hand. Wenn aber selbst das Sitzen die Schweißperlen ins Gesicht treibt, dann hilft nur noch Ablenkung. Die verspricht Heidrun Tummoßeit, Leiterin der Bücherei Halstenbek. Für unsere Zeitung hat sie die passende Literatur für heiße Tage zusammengestellt. „In unserem Angebot findet sich etwas für jeden“, sagt sie.

Tummoßeit findet: „Wenn es darum geht, der Hitze zu entfliehen, dann muss man abtauchen.“ Ihr erster Buchtipp passt dazu hervorragend: „Nordwasser“ von Ian McGuire (Mare) ist brandneu und nimmt den Leser mit in die Arktis zu Wal- und Robbenfängern. Doch nicht nur die finden den Tod. Als der Schiffsjunge Joseph ermordet wird, sucht der Arzt Sumner den Täter. „Es ist ein toller Abenteuerroman und ein New York Times Bestseller“, sagt Tummoßeit. Frisch dabei ist auch ein alter Klassiker: „Moby Dick“ von Herman Melville in einer Neuübersetzung von Matthias Jendis (dtv). „Dazu gehört ein großer Anhang mit nautischen Begriffen und einer Biografie des Autors.“

Wer es lieber ruhig und romantisch mag und sich nach der Deutschen Küste sehnt, der ist bei Patricia Koelle gut aufgehoben. In ihrer Ostsee-Trilogie (Fischer) geht es um die Familiengeschichte einer Auswanderung – von der Ostsee nach Amerika. „Ihre Bücher machen Ausflüge in die weite Welt, kommen aber immer wieder zurück“, erläutert Tummoßeit. Ähnlich funktioniert die neue Nordsee-Trilogie, die noch nicht vollständig erschienen ist. Schauplatz ist die Insel Amrum. Im ersten Band „Wenn die Wellen leuchten“ wächst Rhea Jessen in den 1960er Jahren auf der Insel auf und macht sich als Erwachsene auf die Suche nach ihrem Vater. „Die Bücher sind gespickt mit alten nordischen Sagen und Weisheiten. Das bringt etwas Meeresfrische“, sagt Tummoßeit.

Für ganz Hartgesottene hat sie noch die Krimi-Trilogie von Candice Fox auf Lager. Eden und Eric sind in „Hades“, „Eden“ und „Fall“ (Suhrkamp) Top-Ermittler einer australischen Mordkommission. In ihren Fällen werden sie immer wieder mit ihrer rauen Vergangenheit konfrontiert: Als Kinder starben sie fast auf einer Müllhalde. „Die Bücher sind sehr spannend, aber nichts für Zartbesaitete“, warnt Tummoßeit. Gänsehaut garantiert.

Nicht nur für Romanfans hat die Bücherei ein Sortiment. Auch bei den Sachbüchern kann es den Lesern eiskalt den Rücken runter laufen. Einen ganz aktuellen Bezug hat die Reihe „Klartext“ (Carlsen). Sie setzt sich mit Populismus, Extremismus oder auch Fake News auseinander. „Es geht darum, festzustellen: Was ist wahr, was ist gelogen?“, sagt Tummoßeit. „Es ist wichtig, immer auch den eigenen Menschenverstand zu gebrauchen und Dinge zu hinterfragen.“ In eine ähnliche Richtung geht der Spiegelbestseller „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ von Jaron Lanier (Hoffmann und Campe). Er warnt vor Datenmissbrauch und Verdummung. Damit gewann er 2014 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Und wer sich einfach über Urlaubsziele schlau machen oder mal träumen will, dem empfiehlt Tummoßeit die Ratgeberliteratur. Dort gibt es Infos und Tipps für die Reise. „Das ist im Moment sehr beliebt“, sagt sie. „Ergänzend haben wir die DuMont-Bildatlanten.“ Auch Hörbücher und Filme gibt es in der Bücherei.

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