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Viele Erkrankungen : Grippe schlägt in Schleswig-Holstein zu

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Husten, Schnupfen, Fieber: Ärzte in Schleswig-Holstein registrieren in diesem Jahr so viele und schwere Erkrankungen wie seit Langem nicht mehr. Die Kinder trifft die Grippe besonders hart.

Kiel | Bad segeberg / Kiel / Leck. Es bleibt nicht dabei, dass die Menschen im Norden lediglich die Nase voll haben. "Dieses Mal sind besonders viele schwere Grippe-Fälle dazwischen", sagt Dr. Thomas Maurer, Vorsitzender des Hausärzteverbandes in Schleswig-Holstein. Das heißt: Schleswig-Holsteiner leiden nicht nur unter Schnupfen und leichtem Fieber, sondern sind wirklich ernsthaft erkrankt. "Etliche Patienten, bei denen das Influenza-Virus nachgewiesen wurde, mussten in diesem Winter stationär behandelt werden, mehrere Kinder kamen mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus", berichtet Maurer aus seiner Praxis im nordfriesischen Leck.

Tatsächlich waren in diesem Winter die Kinder im Norden besonders stark betroffen. Dies machen Daten, die aus Kindertagesstätten an das Institut für Infektionsmedizin am Uni-Klinikum Schleswig-Holstein gemeldet werden, deutlich: Zeitweise war fast ein Fünftel aller Kinder an akuten Atemwegsinfektionen erkrankt, einzelne Kindertagestätten waren mit einem Krankenstand von um die 60 Prozent nahezu verwaist. Auch das Robert Koch-Institut in Berlin stellt einen sehr hohen Anteil von schwerer Influenza bei Abstrichen aus Praxen in Norddeutschland fest. Und deutschlandweit war der Anteil der Patienten mit akuten Atemwegsinfektionen in Praxen so hoch wie seit acht Jahren nicht mehr.

Menschenansammlungen vermeiden

"In diesem Winter fallen selbst Arbeitnehmer aus, die sonst nie lange krank sind", sagt Hausärzteverbandsvorsitzender Maurer. Am auffälligsten bemerkten dies einige Bürger mancherorts an ihrem Briefkasten, der in diesen Tagen einmal leer blieb. "Das sind aber Einzelfälle", sagt dazu Postsprecher Jens-Uwe Hogardt in Hamburg. Gleichwohl sei derzeit bei den rund 2700 Post-Zustellern im Flächenland Schleswig-Holstein der "witterungsbedingte Krankenstand" besonders zu spüren, sagt Hogardt weiter. Meistens sei es jedoch gelungen, das Problem zu lösen.

Dabei sind es gerade Zusteller, die beruflich genau das machen, was Mediziner empfehlen: An die frische Luft gehen, Menschenansammlungen vermeiden. "In diesem Jahr aber hatten wir lang anhaltend derart trübe, kalte und nasse Witterung, dass man nicht einmal einen Hund vor die Tür jagen mochte", sagt Dr. Thormas Maurer. Da könne sich der positive Effekt des Draußen seins irgendwann auch aufheben.

Impfrate geht zurück

Mehr kann man also nicht unternehmen? "Nein", sagt der Hausarzt. "Ansonsten können Sie nur noch hoffen, dass es Sie nicht erwischt." Denn ein Allheilmittel gegen den stets sich verändernden Grippevirus sei noch nicht gefunden worden.

Aber die Impfung. Dass diese die Grippewelle in diesem Jahr nicht aufhalten konnte, ist vielleicht auch ein hausgemachtes Problem. Ärztekammerpräsident Dr. Franz-Joseph Bartmann: "Durch das Grippeimpfstoff-Desaster 2012 ist die Impfrate in Schleswig-Holstein um gut ein Viertel zurückgegangen. Leider muss man davon ausgehen, dass die aktuelle Erkrankungswelle damit im Zusammenhang steht." Bei der Grippeimpfung gehe es nicht nur um individuellen Schutz, so Bartmann weiter, "sondern insbesondere darum, das ungebremste Ausbreiten einer Grippewelle zu verhindern".

Einziger Silberstreif am Horizont: Die Grippewelle ebbt offenbar jetzt ab. Dr. Thomas Maurer sagte gestern: "Heute ist der erste Tag, an dem wir wohl unsere Sprechzeiten wieder einmal einhalten können."

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