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Diako alarmiert : Die Flensburger Blutbank läuft leer

vom

Mangelware Rhesus-Negativ: Der Flensburger Diako geht langsam aber sicher das Blut aus. Die Konserven sind fast aufgebraucht. "Ein schwerer Unfall, und das war’s dann", sorgt sich Chefarzt Dr. Detlev Petersen.

Kappeln / Schlei | Vor dem Hintergrund schwindender Reserven entschloss sich Dr. Detlev Petersen, Chefarzt und Leiter der Blutbank, die Bürger zur Blutspende zu bewegen. Die Konserven mit den Gruppen A-Negativ und O-Negativ sind so gut wie aufgebraucht. Die Sache eilt also. "Wir kommen aus dem Loch einfach nicht raus."

Und andere offenbar auch nicht. Seine Versuche, im Lande die benötigten Konserven aufzutreiben, hatten ein überschaubares Ergebnis. Mit ein bisschen Überredungskunst konnte Petersen "mit Mühe" bei der Kieler Uni-Klinik und beim DRK je zwei Konserven auftreiben, die eilends mit dem Taxi nach Flensburg gebracht wurden. Damit beläuft sich der aktuelle Bestand der dringend benötigten Konserven auf drei mit dem Rhesusfaktor A -Negativ und sechs mit dem Faktor 0-Negativ.

"Ein schwerer Unfall, und das war’s dann!"

Mit der Diako sorgen sich auch andere. Denn an der Flensburger Blutbank hängen das benachbarte St. Franziskus-Hospital, das Krankenhaus Husum und eine große Zahl niedergelassener Ärzte, die allein jährlich über 1000 Konserven benötigen. Diako und St. Franziskus verbrauchen pro Jahr rund 6000 Konserven.

Verschärfend kommt hinzu, dass die beiden Negativ-Blutgruppen in der Bevölkerung mit sechs Prozent nur schwach vertreten sind und Rhesus-Negativ Patienten tunlichst kein Rhesus-Positiv-Blut transfundiert bekommen sollen. "Dann laufen wir in das Risiko einer dauerhaften Immunisierung. Das funktioniert dann kein zweites Mal", sagt Petersen. "Deshalb versuchen wir diesen Schritt strikt zu vermeiden. Verständlich, wenn einem Mediziner vor diesem Hintergrund angesichts der Zahl Drei ein wenig mulmig wird. "Ein schwerer Unfall, und das war’s dann!"

Rückläufige Spendenbereitschaft

Wobei im OP -Saal mittlerweile am wenigsten Konserven benötigt werden. Die moderne Chirurgie, so Petersen, arbeite da ausgesprochen sparsam. Der hohe Bedarf bestehe vielmehr bei Patienten, die viel Blut benötigen - vornehmlich chronische Nieren- und Krebspatienten, die auf eine kontinuierliche Versorgung dringend angewiesen sind.

Die Ursache dieser Blutarmut ist System-bedingt. Zum einen, so Petersen, gehe die Spendenbereitschaft insgesamt zurück. Die Diako habe aber mit steigendem Aufwand über die Jahre die Spenderzahl von rund 10.000 im Jahr gehalten. Auf der anderen Seite ist Bedarf nicht vollständig planbar. Als Chef der Blutbank ist Petersen darauf angewiesen, dass Transfusionen und Spenden in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. "Blutkonserven sind nur einen Monat lang haltbar. Deshalb brauchen wir einen kontinuierlichen Fluss. Knappheit kommt logischerweise auch immer wieder einmal vor", so der Chefarzt. "Aber nur noch drei, das ist definitiv zu wenig."

"Wer Blut spenden kann, der sollte kommen!"

Für Patienten drohe im Moment trotz der knappen Reserven aktuell keine Gefahr, sagt der Mediziner. Operationen bei Patienten mit den betroffenen Blutgruppen könnte man, wenn möglich, verschieben. Schlimmstenfalls und als letztes Mittel könne dann auf Konserven der Positiv-Gruppe zurückgegriffen werden - aber beide Mittel mussten bislang nicht angewendet werden. Trotzdem würde sich Dr. Detlev Petersen deutlich besser fühlen, wenn sein Kühlschrank besser bestückt wäre. "Wer Blut spenden kann, der sollte kommen!"

Der Blutspendedienst der Diako hat montags von 10 bis 15 Uhr, dienstags und donnerstags von 12 bis 18 Uhr, freitags von 7.30 bis 15 Uhr geöffnet. Spender sollten sich rund eine Stunde Zeit nehmen. Spenderfahrzeuge parken kostenlos im Parkhaus der Diako.

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