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Zwei Jahre nach Fukushima : Atomkraft-Rückbau stockt - auch in Brunsbüttel

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Energieminister Habeck drängt auf einen konkreten Ablaufplan für den Abbau des Kernkraftwerks Brunsbüttel. Doch das geht langsamer als gedacht. Habecks Vorwurf: "Vattenfall pokert."

Kiel | Brunsbüttel / Kiel. Es sind die Bilder, die viele Menschen nicht vergessen können. Die Bilder, die genau vor zwei Jahren von rauchenden Reaktoren im Atomkraftwerk Fukushima in Japan entstanden, und um die Welt gingen. Seitdem ist viel passiert, Deutschland hat den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen, der Energiekonzern Vattenfall hat für das seit 2007 abgeschaltete Kernkraftwerk in Brunsbüttel einen siebenseitigen Genehmigungsantrag auf Stilllegung gestellt. Nicht genug, meint Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne): "Der Antrag muss jetzt zügig konkretisiert werden. Vattenfall kommt bei Brunsbüttel nicht in die Puschen." Trotz Drängens habe der Konzern keine weiteren Unterlagen eingereicht. Eine sachliche Prüfung aufgrund des Kurz-Antrags, der nur eine grobe Rahmenbeschreibung enthalte, sei aber nicht möglich, so Habeck. "Es bedarf eines konkreten Zeitplans und eines Arbeitsablaufplans." Eine Prüfung dauere mindestens drei Jahre bevor es eine Stilllegungsgenehmigung geben könne.

Das weiß auch Vattenfall. "Wir arbeiten an einem detaillierten Konzept. Das wird etliche Ordner füllen", sagt Vattenfall-Sprecherin Sandra Kühberger. Wie lang die Zusammenstellung dauert, kann sie nicht sagen - nicht einmal, ob es sich um Monate oder Jahre handelt. Nur so viel: "Wir wollen mit der nötigen Sorgfalt daran gehen." Und: "Unter der in etwa vier Jahren erwarteten ersten Stilllegungs- und Abbaugenehmigung werden einzelne Schritte im bewährten Aufsichtsverfahren beantragt und gutachtlich durch von der Behörde hinzugezogene Sachverständige begleitet." Ob der Rückbau des Kraftwerks zur grünen Wiese so in den von Vattenfall prognostizierten 20 bis 30 Jahren klappt, muss abgewartet werden.

Habeck: "Vattenfall pokert"

Habeck kann nicht mehr tun, als immer wieder öffentlich aufs Tempo zu drücken - etwa so: "Der Atomausstieg muss unumkehrbar sein. Dazu gehört die zügige Stilllegung von Brunsbüttel." Denn laut Atomgesetz kann Habeck dem Konzern keine Fristen setzen. Und Vattenfall hat seinen Antrag nur unter Vorbehalt gestellt. "Wir brauchen ab 2019 ein genehmigtes Endlager für die anfallenden rund 10.000 Tonnen schwach- und mittelradioaktive Abfälle im Schacht Konrad. Denn wir müssen die aus Brunsbüttel ja irgendwo hin bringen. Dort reicht unser Lager nicht aus", sagt Kühberger. Ob das Lager bei Salzgitter dann genehmigt ist, ist offen. Das Energiewendeministerium weist jedoch daraufhin, dass Vattenfall in seinem siebenseitigen Antrag bereits selbst "Nutzungsänderungen von Raumbereichen und/oder die Errichtung eines neuen Lagers für radioaktive Abfälle" in Brunsbüttel in Aussicht stellt. Die hochradioaktiven Stoffe, die beim Rückbau anfallen, könnten im Zwischenlager, das ein paar hundert Meter neben dem Reaktorgebäude steht, untergebracht werden. Das ist bis 2040 genehmigt.

Vattenfall bestreitet, den Rückbau zu verzögern. Es gehe nicht darum, Zeit beim Rückbau zu schinden, um etwaige Verfahren zu beeinflussen, sagt Sprecherin Kühberger. Der Konzern hat die Bundesregierung auf Entschädigung für den vorzeitigen Entzug der Betriebsgenehmigung und die Untersagung des Verbrauchs der Reststrommengen verklagt - um wie viel Geld es geht, sagt Vattenfall nicht. Partner Eon, der das Kraftwerk in Brunsbüttel und das im benachbarten Brokdorf mitbetreibt, will acht Milliarden Euro haben. "Ich denke, Vattenfall will Krümmel als Pfand für seine Klage gegen den Atomausstieg behalten. Für mich ist das inakzeptabel", sagt Habeck dazu. "Vattenfall pokert."

Wann die Bilder vom Abriss der schleswig-holsteinischen Atomkraftwerke in die Köpfe der Menschen kommen, bleibt also unklar. Noch sind dort die von rauchenden Kernkraftwerken in Fukushima. Für den Jahrestag sind allein in Schleswig-Holstein mindestens 15 Gedenkveranstaltungen geplant.

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