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Frauenquote fürs Fernsehen : ARD will mehr weibliche „Tatort“-Regisseure

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Der Anteil von Frauen in der Regie von ARD-Produktionen ist sehr gering. In drei Jahren soll bei jedem fünften „Tatort“, „Polizeiruf 110“ und ARD-Mittwochsfilm eine Frau Regie führen.

Stuttgart | Die ARD führt eine Frauenquote für fiktionale Produktionen ein. ARD-Programmdirektor Volker Herres stellt fest, dass sich der geringe Anteil von Frauen in Regie-Positionen nicht allein mit gutem Willen erhöhen lässt. Die 20 Prozent seien auch nur ein erster Schritt, auf längere Sicht sollten es natürlich mehr sein. Wie hoch der Anteil der Frauen in der Regie von ARD-Filmen aktuell ist, ließ Herres offen. Er sei aber „sehr gering“. Frauen seien „chronisch“ unterrepräsentiert.

Die Quote soll gemeinsam mit den Produzenten erreicht werden. Seit einiger Zeit besetzten die ARD-Sender bereits gezielt Serienproduktionen mit Regisseurinnen, bei Debüt-Filmen ist ein Verhältnis von 50:50 bei Männern und Frauen bereits erreicht.
Die ARD-Tochter Degeto hatte bereits im Juli eine 20-Prozent-Frauenquote für ihre Produktionen beschlossen, wie Spiegel Online berichtet. Degeto produziert jährlich rund 100 Filme und Serien für die ARD. Mit der Einführung der Quote ab August reagiert Degeto auf eine Forderung von Pro Quote Regie, dem Zusammenschluss von Regisseurinnen in Deutschland.

Am ersten Mai 2015 ist das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe in Führungspositionen in Kraft getreten. Danach muss der Anteil von Frauen in Führungspositionen bei 101 börsennotierten Unternehmen in Deutschland ab 2016 30 Prozent betragen. Mehr als 4000 weitere Unternehmen müssen sich selbst ein Ziel zur Erhöhung des Frauenanteils in Vorstand und Aufsichtsrat setzen. Nach einem Jahr soll es erste Kontrollen geben, Sanktionen sind allerdings nicht geplant.

Der Zusammenschluss entstand nach dem Erscheinen eines Artikel, der die Förderergebnisse zweier großer deutscher Filmförderungen vom Herbst 2012 unter dem Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit untersuchte. Bei 47 geförderten Kinofilmen hatten ausschließlich Männer Regie geführt, bei 115 vom Deutschen Filmförderfonds geförderten Filmen war nur dreizehn Mal die Regie-Position weiblich besetzt. Pro Quote Regie außerdem feststellen, dass nur 15 Prozent der vom Fernsehen vergebenen Regie-Aufträge in den letzten zehn Jahren an Frauen gingen.

Eine häufige Erklärung für solche Zahlen ist, dass Frauen einfach nicht an diesen Arbeitsplätzen interessiert seien. Die Absolventenzahlen der Filmhochschulen sprechen jedoch deutlich gegen dieses Argument: 42 Prozent der Studierenden, die das Regiediplom erhalten sind weiblich.

Der Zusammenschluss der Regisseurinnen vermutet, dass die Diskriminierung von Frauen in der Filmbranche nicht programmatisch, sondern unbewusst stattfindet, und fordert eine Veränderung und eine 50% Quote bis 2015. Sie argumentieren, dass Vielfalt in der Regie auch zu einer Vielfalt an Perspektiven führt und eine Gleichstellung von Frauen zu der Erneuerung beitragen könnte, nach der Film und Fernsehen seit Jahren suchen.

 

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erstellt am 24.Sep.2015 | 15:28 Uhr

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