Lichterketten : Streitthema Weihnachtsbeleuchtung: Je mehr desto besser?

Mit gut 5000 LEDs und zahlreichen Leucht- und Gebläsefiguren hat Familie Paustian in Barkelsby ihr Haus geschmückt.
Mit gut 5000 LEDs und zahlreichen Leucht- und Gebläsefiguren hat Familie Paustian in Barkelsby ihr Haus geschmückt.

Weihnachtsfans scheuen bei der Dekoration keine Kosten und Mühen. Auch in Schleswig-Holstein leuchtet es bunt.

Avatar_shz von
11. Dezember 2017, 16:49 Uhr

Hell, heller, Weihnachtshaus: Inzwischen sind im ganzen Land Gärten und Häuser geschmückt. Die einen lieben es, die anderen hassen die grellen Blinklichter.

Bunt blinkende Beispiele aus Schleswig-Holstein und ganz Deutschland:

Barnitz - Eine Krippe ohne Ochse

Die Weihnachtsbeleuchtung in Schweden ist das große Vorbild von Heinrich und Brunhilde Rahlfs aus Barnitz in Schleswig-Holstein. Bei ihnen schmücken neben zahllosen Lichterketten unter anderem eine große Weihnachtskrippe, Rentiere, ein Kamel und ein lebensgroßer Elch den Vorgarten. „Wir haben ein Haus in Schweden. Von dort bringen wir jedes Jahr weitere Weihnachtsdekorationen mit, wir entdecken immer wieder was Neues“, sagt Brunhilde Rahlfs. Zwei Lastwagen fülle die Deko. Als Sommerlager dient ein Raum in einer Lagerhalle des Fuhr- und Taxi-Unternehmens, das das Ehe-Paar betreibt. Vollständig ist die Weihnachtsdekoration aber noch immer nicht. „Für die Krippe fehlt uns zum Esel und zum Kamel noch ein Ochse“, sagt Rahlfs.

Gammelby - Weihnachtsbeleuchtung als Tradition

Dominique Krein war drei Tage lang von morgens bis abends beschäftigt sein Haus in Gammelby mit gut 7000 LED-Lämpchen zu illuminieren. Sohn Niclas hat mitgeholfen.
Dirk Steinmetz
Dominique Krein war drei Tage lang von morgens bis abends beschäftigt sein Haus in Gammelby mit gut 7000 LED-Lämpchen zu illuminieren. Sohn Niclas hat mitgeholfen.

2012 ging es bei Dominique Krein in Gammelby los. Es waren erst nur ein paar Lichterketten, mit denen er sein Haus schmückte. „Es wird jedes Jahr mehr“, sagt der 36-jährige Vater von fünf Kindern. Inzwischen erleuchten sein Haus über 6000 Lämpchen. Hinzu kommen rund 1000 Lämpchen, mit denen er Nebengebäude und Zäune geschmückt hat. Er brauchte in diesem Jahr drei volle Tage, von morgens bis abends bei Wind und Wetter, um die Ketten und Lichternetze auf dem Dach, an den Hauswänden und Fenstern mit Klebehaken und selbstgeformten Haken mittels Kabelbindern zu befestigen. Sein Sohn Niclas (13) ist begeistert von ihrem Haus. Während der heißen Phase bekommt Dominique Krein Hilfe von seiner Frau Doreen und den weiteren Kindern zwischen zwei und 15 Jahren. Besonders am Vortag des inzwischen seit drei Jahren gefeierten „Anleuchtens“, wenn der „Lichtermann“ sein Werk erstmals anschaltet, wird viel Hilfe gebraucht.

Barkelsby - Leuchtende Figuren

Freut sich über ihr leuchtendes Haus: Familie Pausitan mit Justin (vorne) und Vivien (v.l.), Daniel, Leon, Franziska und Kevin.
Dirk Steinmetz
Freut sich über ihr leuchtendes Haus: Familie Paustian mit Justin (vorne) und Vivien (v.l.), Daniel, Leon, Franziska und Kevin.

Familie Paustian liebt vor allem leuchtende Figuren. So stehen in ihrem Garten mehrere leuchtende Großfiguren mit Gebläse sowie gut ein Dutzend Figuren aus Acryl. Die Konturen des Hauses hat David Paustian mit 100 Meter langen LED-Ketten nachgezeichnet. Mit einem Lichternetz, auf dem Wörter als Laufband gezeigt werden, hat er seine Frau in diesem Jahr überrascht. „Jedes Jahr muss es etwas Neues geben“, sagt Paustian. Dabei legt die Familie mit vier Kindern zwischen zwei und zwölf Jahren Wert darauf, dass es nicht zuviel Lichterglanz gibt. „Das darf nicht überfrachtet sein“, sagt Franziska Paustian.

Delmenhorst - Deko im Wert eines Mittelklassewagens

Mit rund 55.000 Lichtern hat das Ehepaar Borchart sein Haus und Grundstück in Delmenhorst geschmückt.
Carmen Jaspersen/dpa

Mit rund 55.000 Lichtern hat das Ehepaar Borchart sein Haus und Grundstück in Delmenhorst geschmückt.

 

Was Sven Borchart auf dem Grundstück in Delmenhorst bei Bremen mit Lichtern behängen konnte, hat er auch behängt. „Es gibt nicht einen Baum oder Busch, der nicht beleuchtet ist.“ Mit rund 55.000 Lichtern haben seine Ehefrau Martina und er Haus und Garten geschmückt. „Ich schätze, es hat den Wert eines Mittelklassewagens, was hier verbaut ist“, sagt Borchart. Und der Strom? Mit Kosten von 700 bis 800 Euro rechnet er in diesem Jahr. Immer am ersten Advent, wenn das Lichtermeer zum ersten Mal eingeschaltet wird, feiert das Paar eine Glühweinparty und spendet die Einnahmen für einen wohltätigen Zweck.

Völklingen - Ein Ufo inmitten von Wohnhäusern

Das weihnachtlich geschmückte Haus von Sven Berrar in Völklingen (Saarland) leuchtet mithilfe von rund 46.000 Lämpchen und 120 Figuren.
Oliver Dietze/dpa

Das weihnachtlich geschmückte Haus von Sven Berrar in Völklingen (Saarland) leuchtet mithilfe von rund 46.000 Lämpchen und 120 Figuren.

 

In der Dunkelheit einer unauffälligen Straße in Völklingen im Saarland leuchtet das Haus von Sven Berrar wie ein Ufo. Mit dabei sind Lichterketten, Kerzen, Engel, Sterne und Weihnachtsmänner. 67.000 Lämpchen und mehr als 300 beleuchtete Figuren sind es in diesem Jahr. „Das ist unser persönlicher neuer Rekord“, sagt der 33-Jährige, der sein Haus bereits zum 19. Mal zum Leuchten bringt. Entsprechend Zeit hat das Schmücken gekostet: „Wir haben ab dem 1. Oktober acht Wochen lang aufgebaut.“ Und warum? „Das ist Balsam für die Seele. Denn Weihnachten ist für mich die schönste Zeit des Jahres.“

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

Bei der Deko-Liebe gibt es allerdings auch Regeln. Fragen und Antworten zum Thema Weihnachtsbeleuchtung:

Ist das Schmückvergnügen generell teurer geworden?

Eher nein. Es sei schwer, eine Abschätzung abzugeben, erklärt der Verband kommunaler Unternehmen. Zwar seien die Stromkosten in den letzten Jahren durchschnittlich gestiegen, wegen des vermehrten Einsatzes von LEDs dürfte sich der Kostenanstieg aber nicht bemerkbar machen. Die Kosten seien wohl etwa unverändert geblieben. Rabatte für weihnachtliche Intensivnutzer sind dem Verband aber nicht bekannt: „Von einem Wichtelmanntarif haben wir noch nichts gehört.“

Wie hell darf die Weihnachts-Deko eigentlich leuchten?

Wenn fremde Schlafzimmer ausgeleuchtet werden, kann es Probleme geben. Nachbarn könnten dann verlangen, dass die Deko spätestens ab 22.00 Uhr ausgeschaltet wird. Damit der Nachbarschaftsfrieden in der besinnlichen Zeit nicht gestört wird, sollten dekorative Eskapaden aus Expertensicht ohnehin lieber mit Nachbarn abgestimmt sein. Auf Geschmack kommt es allerdings nicht an, erklärt der Verband Haus & Grund. Mit kitschigen oder hässlichen Rentieren, Weihnachtsmännern oder Eisschlössern im Garten des Nebenmanns müssen Nachbarn leben.

Musik-Show im Garten, ist das erlaubt?

Ja, aber es gibt Einschränkungen: Mittags- und Nachtruhezeiten setzen der Beschallung Grenzen. Wer genauer wissen will, was geht und was nicht, fragt bei der Kommune nach. Oder liest in den Landesemissionsgesetzen nach.

Belastet so eine Extrem-Beleuchtung das örtliche Stromnetz?

Nein, schätzt der Verband kommunaler Unternehmen. Der Grund: Weihnachtsbeleuchtung verbraucht konstant und relativ wenig Strom. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft erklärt: Weder festliche Beleuchtung noch die sogenannte Gänsebratenspitze, wenn die Vögel am 25. Dezember reihenweise in den Öfen schmoren, führten zu einem markanten Stromanstieg oder gar zu Netzengpässen.

Mit Material der dpa

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen