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Seit 2010 keine weiße Weihnacht in SH : Statt Schnee: Meteorologen erwarten Sturm und Graupelschauer an Heiligabend

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Weihnachten wird wohl kein Schnee fallen, denn dafür fehlt der Frost. An der Westküste steht Sturm mit neun Windstärken ins Haus.

shz.de von
erstellt am 19.Dez.2016 | 14:22 Uhr

Kiel | Ein Bullerbü-Weihnachten bleibt den Schleswig-Holsteinern und Hamburgern auch im sechsten Jahr in Folge verwehrt. Es könnte sogar sehr ungemütlich werden. Zwar rollt am Mittwoch ein leichter Frost an, doch der Winter hat bereits ein rasantes Rückticket gebucht. Wie der deutsche Wetterdienst rechnen auch die Meteorologen der Kieler Wetterwelt für Heiligabend und die Weihnachtstage mit Temperaturen von über fünf Grad, spätherbstlich feuchter Luft und mattem Himmel. Und für Sylt gibt es vom Deutschen Wetterdienst für den 24. und 25. Dezember sogar eine Sturmwarnung.

„So ruhig wie es im Moment ist, wird es nicht bleiben. Es sieht ganz danach aus, dass Weihnachten bei uns im Norden und vor allem an der Küste sehr stürmisch wird. Das liegt an einer Westwetterlage zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch, durch die sich eine kräftige Strömung einstellt, die uns, nach jetzigem Stand, Sturm bringen wird“, sagt Julia Isabel Schmidt, Meteorologin vom Deutschen Wetterdienst. Laut den Modellen könne der Sturm bereits am 24. Dezember losgehen. „Auf jeden Fall muss am 25. Dezember mit Windstärke 8 bis 9 gerechnet werden, vereinzelt mit schweren Sturmböen“, sagt Schmidt.
 

Dass es gegen Ende der Woche für ganz SH einen Wetterumschwung geben wird, prognostizierte auch die Diplom-Metheorologin Claudia Kahl von Wetterwelt gegenüber shz.de. Die sich anbahnende Süd-West-Front werde die Abkühlung Mitte der Woche wettmachen und deutlich feuchtere und milde Luft ins Land tragen, so dass für die Nacht zum Heiligabend mit Regen zu rechnen sei, sagt Kahl. Für Heiligabend erwartetet sie wechselnde Bewölkung bei Temperaturen um die 6 Grad Celsius. Niederschläge seien zu erwarten, aber sie werden nur als Regen und möglicherweise als Graupelschauer darnieder kommen.

Einen Namen für den Urheber der stürmigen Weihnachts-Überraschung gibt es laut Schmidt noch nicht: „Erst wenn die Wetterlage im Bereich des Nordatlantiks auftaucht, also gegen Ende der Woche, wird sie auch mit einem Namen versehen“.

Selbst für weißweihnachtliche Optimisten bleibt wenig Grund zur Hoffnung: Die Restchance, dass sich die Wetterlage doch noch irgendwie dreht und dass uns eine Schneedecke von mindestens einem Zentimeter erreicht, liegt laut Wetterwelt bei fünf Prozent. Die Wetterlage wird sich an den Feiertagen laut der Prognose nicht signifikant ändern.

Unsere Grafik zeigt, wann es die letzte weiße Weihnacht gab.

Mit Weihnachtsstürmen hat Deutschland gar keine guten Erfahrungen gemacht. 1999 forderte der zerstörerische Orkan „Lothar“ in Deutschland und fünf weiteren Ländern 110 Menschenleben. Es entstanden Schäden in Milliardenhöhe. 2013 erfasste Dirk, das größte Sturmtief seit 1886, große Teile Westeuropas.  Auch der Nordwesten Deutschlands und SH bekamen noch Teile seiner Kraft zu spüren. Feuerwehrleute mussten sich am Heiligabend nicht nur um brennende Weihnachtsbäume, sondern auch um abgebrochene Tannenbäume kümmern, die auf den Straßen lagen.

Grüne Weihnachten werden wie auch extreme Wetterlagen schnell dem Klimawandel zugeschrieben. Doch Auswertungen langjähriger Wetterdaten durch Klimaforscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG) zeigen, dass Schnee zu Weihnachten in Norddeutschland schon immer recht selten war.

Langfristig betrachtet treten weiße Weihnachten in Hamburg oder Schleswig etwa alle drei Jahre auf, auf Helgoland einmal pro Dekade. „Rein statistisch gesehen wären schon längst wieder weiße Weihnachten zu erwarten gewesen“, sagt Insa Meinke vom Norddeutschen Klimabüro. Doch in den Wetteraufzeichnungen zeige sich ein anderes Bild: Mit Ausnahme von 2012 befinden sich die letzten fünf Jahre im langjährigen Vergleich unter den Top10 der weihnachtlichen Rekordtemperaturen. In den letzten 50 Jahren habe sich die Lufttemperatur in Norddeutschland deutlich erwärmt. Vergleicht man die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur des aktuellen Klimas mit dem Vergleichszeitraum 1961 bis 1990, werde deutlich, dass sich Norddeutschland in diesem kurzen Zeitraum bereits um etwa 0,6 Grad erwärmt hat.

Trotz der Erwärmung zeige sich jedoch, dass sich die Häufigkeit der seltenen weißen Weihnachtstage bisher nicht nennenswert verändert hat, so Meinke. Regionale Klimaszenarien weisen aber darauf hin, dass sich die Wintertemperaturen bis 2100 in Norddeutschland um bis zu 5 Grad Celsius erhöhen können, wenn es nicht gelingt, die Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren.

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