Weihnachtsdorf Wanderup : „Mitgefühl gehört zu Weihnachten“

Yared Dibaba liebt Weihnachten, die plattdeutsche Sprache und hat größten Respekt vor allen, die für die Hospize im Einsatz sind.
Yared Dibaba liebt Weihnachten, die plattdeutsche Sprache und hat größten Respekt vor allen, die für die Hospize im Einsatz sind.

Der Moderator und Sänger Yared Dibaba ist Schirmherr des Wanderuper Weihnachtsdorfes – die Erlöse gehen an die Kinderhospize im Land.

shz.de von
08. November 2017, 14:16 Uhr

Herr Dibaba, mögen Sie Weihnachten?
Yared Dibaba:
Ich finde, dass die Weihnachtszeit eine schöne, ruhige und besinnliche Zeit mit und für Familie und Freunde ist. Ich genieße vor allem die Feiertage. Das Essen, gute Getränke, emotionale Musik und gute Zeiten mit den Liebsten. Das ist für mich Weihnachten.

Sie sind als junger Mensch mehrmals zwischen Afrika und Deutschland umgezogen, 1979 flüchtete Ihre Familie vor dem Bürgerkrieg in Äthiopien nach Niedersachsen. Haben Sie auch einige nicht so schöne Feste erlebt?
Ich muss sagen, dass ich immer ganz großes Glück gehabt habe. Ich war an den Feiertagen auch als Kind immer mit meinen Eltern und meinen Geschwistern zusammen. Meine Eltern haben es immer geschafft, dass wir eine schöne Zeit hatten. Auch wenn in meiner Heimat Oromia gerade wenig zu Feiern war. Das ist es übrigens auch heute nicht. Derzeit herrscht Bürgerkrieg in Äthiopien. Viele Oromos werden durch Regierungstruppen getötet, gefoltert und verschleppt. Das war auch vor 40 Jahren so. Mir war schon als kleiner Junge klar, dass es nicht selbstverständlich ist, in Frieden Weihnachten feiern zu können. Auch dieses Jahr bin ich mit meinen Gedanken in meiner Heimat.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie Schirmherr des Weihnachtsdorfes Wanderup sind, das vom 1. bis 3. Dezember gefeiert wird? Wo und wann werden die Besucher Sie sehen können?
Ich wurde von den Organisatoren gefragt, und da ich mich bereits für das Laurentius Hospiz in Falkenburg engagiere, wusste ich, wie wichtig die Hospizarbeit ist. Mir ist es ein großes Anliegen, dass viele Menschen von der Hospizarbeit erfahren und sich engagieren. Die letzte Phase im Leben von unheilbar kranken Menschen sollte so gut, so schön und so würdig wie möglich gestaltet werden. Am 1. Dezember ab 18 Uhr können mich die Besucher auf dem Dörpsplatz sehen und auch hören.

Haben Sie schon ein paar Eindrücke vom Weihnachtsdorf und seinem karitativen Zweck gewinnen können?

Ich habe mich selbstverständlich informiert, was im Weihnachtsdorf alles passiert und bin von dem Einsatz aller Beteiligten total beeindruckt.
Ehrenamtliches Engagement und gelebte Nachbarschaftlichkeit – dafür wurde das Weihnachtsdorf vor ein paar Jahren vom damaligen Bundespräsidenten ausgezeichnet. Wie wichtig sind Ihnen diese Werte?
Ehrenamtliches Engagement finde ich gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig. Es ist wichtig, dass jeder sich für die Gemeinschaft einsetzt. Das klingt zwar romantisch, aber das macht unsere Welt ein Stück besser. Das bringt uns Menschen zusammen und trägt dazu bei, dass wir einander besser verstehen.

Hatten Sie schon Berührungspunkte mit Menschen, die für die Hospizarbeit im Einsatz sind?
Die Arbeit derer, die sowohl haupt- als auch ehrenamtlich im Hospiz arbeiten, ist von unschätzbarem Wert. Sie bringen so viel Kraft und Liebe mit, das ist für die Betroffenen und für ihre Familien eine große Stütze. Außerdem war es bei mir so, dass sie mir meine Angst vor der Begegnung mit dem Tod genommen haben. Ich hatte Angst davor, dass im Hospiz überall der Tod präsent ist. Aber das Gegenteil war der Fall, ich habe große Lebensfreude erlebt und das hat mich sehr beeindruckt.

Ist es richtig, in der Weihnachtszeit den Fokus auf das Schicksal todkranker Kinder zu lenken?
Es ist nicht nur richtig, es ist sogar unsere Pflicht. Denn Freude und Leid existieren in jedem Augenblick zur selben Zeit. Und ich finde es wichtig, in Gedanken auch bei den Menschen zu sein, die gerade leiden und eine schwere Zeit durchleben müssen. Das mindeste, was wir tun können, ist mit Ihnen zu fühlen.

In Wanderup wird viel und gerne Platt gesprochen. Wie ist Ihre Leidenschaft zu dieser Sprache entstanden?

Mit Plattdeutsch verbinde ich die Zeit meiner Kindheit und Jugend in Falkenburg. Plattdeutsch bedeutet für mich Heimat. Und da der Norden meine Heimat ist, gehört Plattdütsch dazu.

Was lässt sich auf Platt besser sagen als auf Hochdeutsch?
Alles!

Was bedeutet Heimat für Sie?
Heimat ist dort, wo ich mich zuhause fühle. Dort wo meine Familie ist, dort wo ich meine Freunde habe. Dort, wo ich mich geerdet fühle.

Singen oder Moderieren – was macht mehr Spaß?
Ich liebe beides. Denn in beiden Bereichen drücke ich mich aus, und beides hat seinen ganz eigenen Reiz.

Welche Vorhaben oder Projekte stehen in nächster Zeit beruflich an?

Ich bin mit meiner Band und meinem Shantychor, den Schlickrutschern, im Dezember auf Tour und bin jetzt schon voller Vorfreude. Dann freue mich auf eine Kochsendung in der ARD am 3. Advent „So schmeckt Weihnachten“ mit internationalen Familien.

Wie feiern Sie Weihnachten?
Wir werden mit der ganzen Familie feiern. Bei uns zu Hause wird es voll sein, da wir eine große Bande sind. Mit meinen Söhnen werde ich dann den Weihnachtsbaum holen, wir singen dabei auf dem Weg nach Hause die ganze Zeit O Tannenbaum. Das finden die zwar peinlich, aber das ist ein ganz altes Ritual. Ich kann es kaum abwarten. Dann wird der Baum geschmückt, natürlich unter der Leitung meiner Frau, was die Deko angeht hat sie auch die Mütze auf.



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