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Versuchsanstalt in Münster : Beruf: Weihnachtsbaum-Forscher

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Peter Uehre arbeitet in Deutschlands einziger Weihnachtsbaum-Versuchsanstalt – auf der Suche nach dem perfekten Baum.

Münster | Nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern 365 Tage im Jahr ist Peter Uehre auf der Suche nach dem perfekten Baum in Deutschlands einziger Weihnachtsbaum-Versuchsanstalt in Münster. Eigentlich ist der Gärtner und Landschaftsbauer Fachlehrer im Bildungszentrum Gartenbau der Landwirtschafts-Kammer in MS-Wolbeck. Sein Spezialgebiet aber sind Tanne, Fichte und Co. Der Weihnachtsbaum-Klassiker, die Rotfichte, der Tannenbaum aus dem Märchenbuch, ist kaum noch zu finden: zu dünne Nadeln und er rieselt schnell. Im Trend liegen Blaufichten und vor allem Nordmanntannen.

Aber egal was für eine Sorte, immer wieder taucht die Frage auf: Muss man den Weihnachtsbaum gießen oder nicht, wie bleibt er am längst frisch und nadelt nicht im Wohnzimmer. Das wollte der Tannenexperte jetzt ganz genau wissen und startete in diesem Jahr eine Versuchs-Reihe: Was passiert im Baum mit und ohne Wasser?

Um das sichtbar zu machen, wurde Wasser mit Tinte eingefärbt. Und Peter Ueher registrierte, was passierte: wann, wie viel und wie intensiv die Bäume das Wasser aufnehmen und welche Auswirkungen Trockenheit und Nässe auf die Nadeln hat. Das Ergebnis hat Peter Uehre nicht wirklich überrascht. Jetzt hat er es aber Schwarz auf Weiß bzw. Blau im Holz . Mit Wasser bleibt der Weihnachtsbaum länger frisch. Den Gärtner hat es aber schon überrascht, wie geschickt es die Pflanze schafft, durch ein ausgetüfteltes Mini-Pumpensystem das Wasser fast zur Spitze zu transportieren. Blaue Streifen im Stammholz zeigten den Verlauf der Wasserbahnen.

Das funktioniert aber nur, wenn der Baum vor dem Aufstellen frisch angesägt wird und die Leitungsbahnen so wieder geöffnet werden. Der Nachschub sollte nicht abreißen und deshalb empfiehlt der Tannenexperte: das Wasser im Ständer immer wieder nachfüllen. Bei frisch geschlagen en Bäumen funktioniert das natürlich besser, als bei schon lange gelagerten Bäumen. Aber auch hier funktioniert es, wenn die Bäume beim Produzenten fachgerecht geschlagen und kalt gelagert werden. Wasser und vor allem Frost sind auch die entscheidenden Kriterien beim Anbau, und der wird im Gartenbauzentrum getestet. Auf rund 8000 Quadratmetern stehen in Münster 10 000 Bäume, sowohl im Freiland als auch in Klimahallen. Keine ausgewachsenen Schönheiten, sondern eine genau definierte Auswahl vom Setzling bis hin zum großen Prachtexemplar, alle feinsäuberlich auf den Versuchsparzellen sortiert, um zu erforschen, wie sich die unterschiedliche genetische Ausstattung und die Anbaumethode auswirken.

Gefragt sind bei 30 Millionen verkaufter Bäume in Deutschland natürlich möglichst schön gewachsenen Bäume mit super Spitze. Im Visier der Forscher der Trendbaum, die Nordmanntanne. Im Gegensatz zu den Blaufichten lassen sich die Nordmanntannen aber nicht so leicht vermehren. Deshalb müssen die Samen nach der Ernte im Kaukasus und in Georgien importiert werden. Daraus entstehen dann in den Gewächshäusern in Münster in Spezialerden Setzlinge, so klein, dass man sie kaum anfassen mag. Weihnachtsbäume wachsen heute kaum noch in Wäldern, sondern auch Peter Uehre hofft, durch seine Versuche die Anbaumethoden zu verbessern: „Wir wollen einen Baum haben, der einigermaßen füllig ist, der gut aussieht.“ Merkmale, die durch die Genetik bestimmt werden. Deshalb versucht Peter Uehre, zusammen mit einem Forscherteam der Humbold-Universität in Berlin Nordmann-Tannen zu klonen, um so immer genug Nachschub der kräftigsten Exemplare hier zu erzeugen.

Für ihre Versuche wählten die Tannenbaumforscher Samen der kräftigsten, schönsten Bäume, trennen dann die Embryonen vom Endosperm, dem Nährgewebe, und dieser Embryo wird dann mit biotechnischen Methoden vermehrt. Resultat: genetisch identische Setzlinge. Sie haben alle die gleiche genetische Ausstattung und damit die besten Voraussetzungen, um zu einem prächtigen Weihnachtsbaum heranzuwachsen. Derzeit sind die geklonten Setzlinge dem Gewächshausalter entwachsen und ausgepflanzt. Jetzt kommt es darauf an, erklärt Peter Uehre, genau zu beobachten, unter welchen Anbaubedingungen sie am besten wachsen. Geduld ist jetzt gefragt, denn zehn bis zwölf Jahre dauert es , bis eine Tanne weihnachtstauglich ist.

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erstellt am 18.Dez.2016 | 11:06 Uhr

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