zur Navigation springen

Kreis Pinneberg : Wunsch nach weniger Bürokratie

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Altenpflegeberufe sollen attraktiver gestaltet werden. Die Politiker wollen sich für kostenfreie Ausbildung einsetzen.

pinneberg | „Wir fordern das Rettungspaket Altenpflege“ steht auf der Vorderseite der Postkarten, die gestern anlässlich des internationalen Tags der Pflege an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geschickt wurden. Auf ihrer Rückseite konnte jeder Absender seine individuelle Forderung an die Politik formulieren. Vier Pakete mit diesen Karten gingen gestern von Uetersen aus nach Berlin, denn dort fand auf dem Gerberplatz die zentrale Kundgebung der Diakonie für Schleswig-Holstein statt. Zirka 80 Menschen nahmen daran Teil, um auf die Missstände in der Altenpflege aufmerksam zu machen. Auch vor dem Rathaus in Wedel informierten Vertreter der Johanniter, der Diakonie und des Deutschen Roten Kreuzes an einem Stand über die vier Forderungen der Diakonie-Altenpflege an die Bundespolitik: würdevolle Pflege, familiäre Entlastung, gerechte Finanzierung und attraktive Ausbildung.

Bernd Heinemann (SPD), Vizepräsident des schleswig-holsteinischen Landtags, nahm an der Kundgebung in Uetersen teil, wo er den Anwesenden mitteilte, dass der Landtag ihre Anliegen ernst nehme. „Der Landtag ist auf dem Weg, um der Pflege Unterstützung zukommen zu lassen“, so Heinemann. Denn die Politiker hätten gemerkt, dass es Zeit sei, Pflege neu zu denken. Und zwar jetzt, denn wenn sich nichts ändere, fehlten im Jahr 2030 zwischen 200.000 und 500.000 Vollzeitkräfte in der Altenpflege. Deshalb müsse der Beruf attraktiver werden. „Dazu gehört insbesondere der Abbau von Bürokratie“, sagte Heinemann. Denn bei einem Forum der Pflegegesellschaft Ende März sei deutlich geworden, dass alle Beteiligten sich „so viel Dokumentation ihrer Arbeit wie nötig und so wenig wie möglich wünschten“. Eine Forderung, der sich auch die anwesenden Pflegekräfte bei der Diskussionsrunde, die im Anschluss an die Kundgebung im Johanniter-Altenpflegeheim Haus am Rosengarten stattfand, anschlossen. Ein Auszubildender zum Altenpfleger sagte dort: „Wir haben kaum Zeit, uns mit unseren Bewohnern zu beschäftigen. Dabei sollte die Würde des Menschen eigentlich im Mittelpunkt stehen.“ Inge Staack vom Freiwilligen Forum Uetersen berichtete sogar von einer Altenpflegerin, die ehrenamtlich in einem Pflegeheim arbeitete, da sie während ihrer Arbeitszeit aufgrund der bürokratischen Pflichten nicht die Möglichkeit habe, sich mit den Menschen zu beschäftigen.

Doch auch die Ausbildung in den Altenpflegeberufen benötige dringend eine Veränderung, sagte der FDP-Landtagsabgeordnete Heiner Garg. „Man sollte der Politik in den Hintern treten“, sagte der FDP–Landtagsabgeordnete Heiner Garg. Denn dass sich in der Altenpflege einiges ändern müsse, sei nicht neu. So kritisierte er etwa, dass die Ausbildungskoten teilweise von den Auszubildenden übernommen werden müssten. Zwar zahle das Land Schleswig-Holstein die Kosten für einen Teil der Ausbildungsplätze, doch „wer sagt: ‚Ihr müsst für eure Ausbildung zahlen‘, hat den letzten Schuss nicht gehört“, meinte Garg. Die Ausbildung dürfe diejenigen, die in der Altenpflege arbeiten wollen, nichts kosten und dafür müsse sich die Politik über die Parteigrenzen hinweg einsetzen. Zudem schlug Garg vor, die Ausbildung der Pflegeberufe breiter anzulegen. „Wieso gibt es nicht eine Grundausbildung, nach der man sich später entscheiden kann, ob man sich lieber im Bereich der Alten-, Kranken- oder Kinderkrankenpflege spezialisieren möchte?“, fragte er. Denn dass es sowohl für Alten- als auch für Krankenpfleger von Vorteil sei, auch in dem jeweils anderen Beruf ein Grundwissen zu besitzen, daran zweifle Garg nicht.

Der Forderung nach einer kostenfreien und breiter aufgestellten Ausbildung für Menschen, die sich bereit erklärten, einen Pflegeberuf zu ergreifen, schloss sich auch Ernst Dieter Rossmann, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Kreis Pinneberg, an. Zunächst begrüße er jedoch, dass derzeit die Einteilung der Pflegestufen vom Bund überarbeitet werde, um Menschen mit einer Demenzerkrankung in der Pflege stärker zu unterstützen. Dies solle bis 2017 geschehen. Derzeit werde ein entsprechendes Modell in einem Testdurchlauf erprobt und begutachtet. „Wir sind prüfungserprobt und bieten unsere Mitarbeiter an“, sagte die Leiterin des Hauses am Rosarium, Eva Buban. Denn sie würde sich freuen, wenn die Pflegestufen bereits früher als geplant eingeführt würden.

„Ich garantieren Ihnen, dass der Landtag sich in nächster Zeit mit ganzem Herzen für die Pflege engagieren wird“, versprach Heinemann am Ende der Diskussionsrunde. Denn eines sei deutlich geworden: Pflegekräfte würden gern in ihrem Beruf arbeiten. Allerdings bei und mit den Pflegebedürftigen, und nicht am Schreibtisch.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 13.Mai.2014 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen