Westküstenleitung : Wo fließt der Strom zur Grenze?

50 bis 60 Meter hoch sind die Masten der Stromleitung.
50 bis 60 Meter hoch sind die Masten der Stromleitung.

Der Trassenverlauf der Westküstenleitung von Klixbüll nach Dänemark ist noch völlig offen. Das Dialog-Verfahren für den fünften Abschnitt beginnt nun.

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15. März 2018, 15:00 Uhr

Mit rund 15 Kilometern handelt es sich um ein relativ kurzes, aber entscheidendes Stück Starkstromleitung. „Denn ohne diesen fünften Abschnitt funktioniert der gesamte Stromverbund mit Dänemark nicht“, sagt Peter Hilffert, beim Unternehmen Tennet verantwortlich für die Bürgerbeteiligung am Bau der 380-kV-Westküstenleitung von Brunsbüttel bis zur dänischen Grenze. Bisher bleibt ein Großteil der in Nordfriesland erzeugten Energie aus Wind, Sonne und Biomasse ungenutzt, da es zu geringe Kapazitäten für den Abtransport gibt.

Jetzt beginnt die Planung des letzten Abschnitts, von Klixbüll bis ins dänische Ellund bei Esbjerg, der bis 2021 fertiggestellt sein soll. Damit wird die Westküstenleitung europäisch. „Doch wo die Trasse verläuft, ist noch völlig unklar. Das hängt entscheidend davon ab, was uns die Interessen-Vertreter und Bürger am 18. April mitteilen“, sagt Hilffert. An diesem Tag beginnt um 18 Uhr in der Stadthalle Niebüll die dreistündige Auftaktveranstaltung für die Planung in der Stadthalle Niebüll. Am 16. Mai folgt ein weiterer Bürgerdialog im Humptruper Gemeindehaus. Fachdialoge mit Experten aus der Landwirtschaft und des Vogelschutzes unterstreichen die Themen, die mitentscheiden werden, wo genau der Starkstrom nach Dänemark fließen wird. „Wichtig ist für uns auch zu erfahren, wie der Untergrund beschaffen ist. Auf einer Moorfläche fehlt die Festigkeit für einen Starkstrommast“, sagt Hilffert.

Der Dialog mit den Bürgern, um wichtige Hinweise und Kenntnisse aus der Region in die Planung einzubeziehen, ist dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung – dem Projekt-Partner – besonders wichtig. „Die Energiewende ist eine über die Landesgrenzen hinausgehende Aufgabe. Deswegen ist es gut, dass wir die Planung und Weiterführung der Westküstenleitung nach Dänemark nun im engen Austausch mit Dänemark gemeinsam anpacken“, sagte Energiewendeminister Robert Habeck. Für ihn ist die Westküstenleitung „das Herzstück der Energiewende im Norden“. Am 24. April ist dann die erste Anhörung im dänischen Bredebro geplant.

Das Großprojekt ist zwischen Brunsbüttel und dem Umspannwerk Klixbüll/Süd schon weit vorangeschritten: „Der erste Abschnitt von Brunsbüttel bis Süderdonn ist im Betrieb“, sagt der Tennet-Sprecher. Die Abschnitte zwei (bis Heide) und drei (bis Husum) sind im Bau. Für den vierten Abschnitt von Husum bis zum Umspannwerk Klixbüll-Süd ist das Planfeststellungsverfahren nach den beiden Infoveranstaltungen im Kreis in der vergangenen Woche auf der Zielgeraden.

Zu den öffentlichen Dialogen sind Träger öffentlicher Belange, Initiativen, Verbände sowie interessierte Bürger eingeladen. Die Tennet, das Umweltministerium sowie die Bundesnetzagentur werden das Genehmigungsverfahren sowie die Beteiligungsmöglichkeiten vorstellen. Ziel ist es, einen Vorschlagskorridor zu erarbeiten, auf dem die weitere Trassenplanung aufbauen soll. Die Ergebnisse dieses Bürger- und Fachdialogs werden noch im Jahr 2018 auf öffentlichen Regionalkonferenzen vorgestellt.

Das Vorhaben ist sowohl für Schleswig-Holstein als auch für Europa ein Kernprojekt der Energiewende. Die Europäische Kommission hat die Westküstenleitung als Vorhaben von gemeinsamem Interesse eingestuft. Das grenzüberschreitende Projekt wird in enger Abstimmung mit dem dänischen Übertragungsnetzbetreiber Energinet geplant und realisiert. Tennet verantwortet die Planung der Freileitung vom Umspannwerk Klixbüll/Süd bis zur dänischen Landesgrenze. Energinet ist für die Planung der Leitung ab der Landesgrenze bis zum Endpunkt im dänischen Endrup zuständig.

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