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Das Sonntagsgespräch : „Wir können nicht mehr langfristig planen“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute mit Michael Herm, dem Organisator der Veranstaltung „Appen Classics“.

shz.de von
erstellt am 15.Mär.2015 | 16:00 Uhr

Appen | Michael Herm ist Organisator der „Appen Classics“, dank der schon etliche Klassik-Weltstars in den Kreis Pinneberg gelockt wurden. Am 11. Oktober richtet Herm die Veranstaltung in Appen zum letzten Mal aus. Im Sonntagsgespräch nennt er die Gründe für das „Appen Classics“-Aus und erklärt, was den besonderen Charme der Konzerte ausmacht.

Warum wird es die „Appen Classics“ nur noch einmal geben?
Hauptgrund ist die Bürokratie. Weil wir jedes Konzert im Bürgerhaus einzeln beantragen müssen, können wir nicht mehr langfristig planen. Um namhafte Künstler wie Sabine Meyer oder Christian Tetzlaff zu verpflichten, ist aber ein Vorlauf von mindestens zwei bis drei Jahren erforderlich. Da an der gesamten Organisation nur Ehrenamtliche beteiligt sind, können wir kein finanzielles Risiko eingehen und Stars verpflichten, obwohl wir keine Gewissheit haben, dass die Veranstaltung überhaupt genehmigt wird.

Können Sie das Verhalten der Behörden nachvollziehen?
Letztendlich ist die Politik verantwortlich. Die macht alles immer komplizierter. Ein Grund dafür sind sicherlich Ereignisse wie das tragische Unglück bei der Love Parade in Duisburg. Um solche Katastrophen zu verhindern, werden immer neue Regeln festgelegt und dabei wird ab und an über das Ziel hinausgeschossen. So gelten für das Bürgerhaus in Appen mit seinen fünf Ausgängen offenbar strengere Regeln als für die Staatsoper in Hamburg. Ich habe den Eindruck, dass es den von den meisten Politikern geforderten Bürokratieabbau nicht gibt. Ganz im Gegenteil. Das ist gerade für die Ehrenamtlichen ein großes Problem. Wir sollten uns bewusst machen, dass sich nicht alles regeln lässt und leider auch nicht jedes Unglück zu verhindern ist.

Was bedeutet das Ende der „Appen Classics“ für Sie persönlich?
Es kommt sicherlich ein wenig Wehmut auf. Alle, die an der Organisation beteiligt sind, brennen für diese Veranstaltung. Das merken auch die Besucher. Aber es ist nun mal so, dass alles irgendwann ein Ende hat.

Was ist das Besondere an der Veranstaltung?
Sicherlich das Konzept. Wir haben den Anspruch, höchste Qualität zu bieten und die wirklich berühmten Künstler nach Appen zu locken. Dazu ist immer ein bildender Künstler dabei, der sich und seine Werke vorstellen kann. Außerdem ist es uns wichtig, in die Klassik auch einen Teil zeitgenössische Musik einzubetten. Ungewöhnlich ist zudem, dass die Besucher für ein außergewöhnliches Programm nur wenig Eintritt zahlen müssen.

Wie wichtig ist Ihnen Musik?
Sehr wichtig. Ich kann zum Beispiel ohne klassische Musik im Hintergrund nicht so richtig malen. Meine Bilder entstehen teilweise sogar aus der Musik. Ich selbst bin allerdings nicht musikalisch. Das Klavier im Wohnzimmer nutzt nur meine Frau.

Haben Sie noch andere Hobbys außer der Musik?
Fußball und der HSV sind eine weitere große Leidenschaft. Auch für Weine interessiere ich mich. Der Mittelpunkt ist allerdings meine Malerei.

Gab es Auftritte bei den „Appen Classics“, an die Sie sich besonders gern erinnern?
Der Auftritt von Christian Tetzlaff und seinem Quartett war nicht nur wegen der Bühnendarbietung außergewöhnlich. Auch seinen Tourneeplan werde ich nie vergessen. Die Stationen waren New York, Washington, London, Wien, Appen, Seoul, Yokohama und Tokio. Das war schon etwas Besonderes.

Was bedeutet es für Appen, dass mit den „Appen Classics“ und „Appen musiziert“ 2015 gleich zwei Top-Veranstaltungen enden?
Beide Veranstaltungen dürften vom Publikum sicherlich vermisst werden. Und für den Ort ist es schade, dass zwei Konzertreihen wegfallen, durch die Appen überregional bekannt wurde. Wir hatten bei den „Appen Classics“ ja sogar Gäste aus Holland, Belgien und Frankreich.

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