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Wohnfunktion spielt in Büttel keine Rolle mehr

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Von ursprünglich rund 700 Einwohnern leben nur noch knapp 70 in Büttel

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Büttel | Richard Schmidt ist zwar nicht der dienstälteste, aber mit 77 Jahren der älteste Bürgermeister im Kreis Steinburg. Und er möchte auch nach der Kommunalwahl am Sonntag nach dann 31-jähriger Amtszeit als Dorfchef weitermachen. Mit weniger als 40 Wahlberechtigten wählt Büttel keine Gemeindevertretung. In der Gemeindeversammlung sind alle wahlberechtigten Bürger stimmberechtigt, und sie wählen am 13. Juni im Dorfkrug Büttel ihren Bürgermeister.

Das Bürgermeisteramt macht dem 77-Jährigen nach wie vor Freude, hat er doch viele Kontakte zu verantwortlichen Politikern auf Bundes- und auf Landesebene knüpfen können. Seine Gemeinde sieht er für die Zukunft gut aufgestellt. Es sei die Finanzkraft, die Büttel stark mache. Größter Gewerbesteuerzahler ist die norwegische Yara, deren Ammoniak- und Harnstoffwerk Jahr für Jahr Millionen in die Gemeindekasse spült. "Aber wir verlieren von diesen Einnahmen durchweg 90 Prozent als Umlagezahlungen."

Die Wohnfunktion spielt in der Gemeinde keine Rolle mehr. "Das ist geschichtlich und politisch so gewollt", erinnert der Bürgermeister an die Umsiedlung der Wohnbevölkerung seit den 70er Jahren. Von ursprünglich rund 700 Einwohnern sind nur noch knapp 70 Menschen in Büttel wohnhaft. Es sind Inhaber von Gewerbebetrieben sowie einige landwirtschaftliche Betriebe. 70 Prozent der über 1000 Hektar großen Gemeinde sind als Industrie- oder Gewerbeflächen ausgewiesen. Der Rest sind landwirtschaftliche Flächen sowie Außendeichsflächen, die als Landschaftsschutzgebiet besonders geschützt sind.

In der Gemeinde sind neben dem Yara-Unternehmen rund 20 Gewerbebetriebe angesiedelt worden. Die Steuerhebesätze liegen nach Aussage des Bürgermeisters mit 300 Prozent für die Grund- und 320 Prozent für die Gewerbesteuer bewusst über den Nivellierungssätzen des Landes, um bei möglichen Zuschüssen nicht Abschläge in Kauf nehmen zu müssen. Für weitere Gewerbeansiedlungen sind über 20 Hektar sofort verfügbar, ist Bürgermeister Schmidt stolz.

Der Bütteler Dorfchef hält aber auch mit Kritik nicht zurück. "Die Infrastruktur für den Wirtschaftsraum muss dringend weiter verbessert werden!" Dabei vermisst er den mindestens dreispurigen Ausbau der B 5 ab A 23 sowie den seit zwei Jahrzehnten überfälligen Ausbau der Bundesstraße 431. Gedanken macht sich Schmidt verstärkt über die langfristige Zukunft des ländlichen Raumes. An der Selbstständigkeit seiner Gemeinde hat er wegen der starken Finanzkraft zwar keine Zweifel, doch er habe gelernt, über den Tellerrand zu schauen. Er hat in Kiel Tendenzen ausgemacht, die Gemeinden auf eine Einwohnerzahl von mindestens 6000 zusammenzulegen.

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