Windkraft bewegt Beidenfleth

Hitzige Einwohnerversammlung mit Rekordbeteiligung

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02. März 2013, 03:59 Uhr

Beidenfleth | Windkraft ist in Beidenfleth ein Thema mit Brisanz - bester Beweis war die Einwohnerversammlung am Donnerstagabend in der Gaststätte Frauen. "Ich bin nicht sicher, ob jemals so viele Gäste hier waren", sagte Volker Struve zu Begrüßung, bevor er direkt zum Thema überleitete.

Der stellvertretende Bürgermeister beschrieb noch einmal die fünfjährige Planungszeit für die sechs Windkraftanlagen - fünf von der Windpark Beidenfleth Planung GbR und eine von Prokon -, die auf Beidenflether Gebiet entstehen sollen. Er betonte, dass sämtliche Beratungen öffentlich geführt worden seien. "Ich denke, dass es jedem unserer 865 Einwohner jederzeit möglich gewesen ist, seine Meinung zu sagen."

Damit möglichst alle Fragen restlos geklärt werden können, hatte die Gemeinde Experten zu Schall und Schattenwurf, der finanziellen und steuerrechtlichen Seite sowie Diplom-Ingenieur Matthias Frauen vom Planungsbüro, Matthias Block, dem Leiter der Bauverwaltung, und Andreas Kunte eingeladen. Letzterer war bis 2011 im Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume für die Genehmigung und Überwachung von Windkraftanlagen tätig. Mehr als eine Stunde erklärten, beschrieben und zeigten die Fachleute den Stand der Planung, die rechtlichen Hintergründe, Studien zu Beeinträchtigungen durch Lärm, Befeuerung und Schattenwurf. Durch die Diskussion führte der Leitende Verwaltungsbeamte des Amts Wilstermarsch, Heiko Wiese.

Dann hatten die Bürger das Wort - und denen brannten viele Fragen auf den Nägeln. Schülerin Denise Loop hatte sich gut vorbereitet und wollte beispielsweise wissen, ob beim Schattenwurf sämtliche Jahreszeiten berücksichtig und die Befeuerungen durchgehend erforderlich seien. Zweimal "Ja" hieß es von den Experten. Zum Teil sehr emotional und hitzig fragten die Beidenflether, bemüht sachlich antworteten die Fachleute.

Dann war Lüder Busch an der Reihe, der bereits im Vorfeld mit anderen Familien in einem Flugblatt zur Teilnahme an der Einwohnerversammlung aufgerufen und auf die Rechte der Bürger aufmerksam gemacht hatte. Er stellte, wie auch seine Frau Barbara Busch im weiteren Verlauf, konkrete Anträge, mit denen sich die Gemeindevertreter während ihrer nächsten am Donnerstag, 7. März, beschäftigen sollen. Insgesamt wurde letztlich über fünf Anträge der Buschs abgestimmt - alle wurden beschlossen, die meisten davon mit deutlicher Mehrheit. Die konkrete Forderung, keine weiteren Windkraftanlagen in Beidenfleth zu errichten, erhielt mit 59 zu 58 Stimmen die denkbar knappste Mehrheit.

Die Gemeindevertreter sind nun aufgefordert, unter anderem darüber zu beraten, ob das Projekt statt mit einem städtebaulichen Vertrag durch einen Bebauungsplan begleitet wird, der laut Lüder Busch sehr viel größere Einflussnahme der Gemeinde ermöglichen würde. Der weitreichendste Antrag ist die Forderung eines Bürgerentscheids über die Ansiedelung von Windkraft in Beidenfleth. Auch dass müssen die Politiker nach Bürgerwillen diskutieren.

Die Gemeindevertretung Beidenfleth tagt öffentlich am Donnerstag, 7. März, 19.30 Uhr, in der Gaststätte Frauen.

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